FUNDSTÜCK: Vieille Prune? Zu alt!

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Gabriel Galliker-Etter, Geschäftsleiter der Firma Etter, bringt unserem Autor die Fruchtbrände näher. (Bild Werner Schelbert)

Gabriel Galliker-Etter, Geschäftsleiter der Firma Etter, bringt unserem Autor die Fruchtbrände näher. (Bild Werner Schelbert)

Fundstück Ich mag keinen Kirsch. Aber Zug hat irgendwann beschlossen, wegen Kirschen berühmt zu werden, und Etter hat beschlossen, die langweiligen Zuger Kirschen viel lieber zu destillieren, statt roh zu essen. Zwei gute Entscheide. Für Leute, die Kirsch mögen.

«Ich mag keinen Kirsch», rufe ich schon von weitem. Nicht um mich unbeliebt zu machen, im Gegenteil, ich setze mich gerne an die Etter-Bar zu einem lustigen Schwätzchen. Ich sage das nur, damit von vorneherein alles klar ist. Nicht das die Guten noch denken: «Ach, der sieht aus wie jemand, der gerne Kirsch mag», und dann mag ich ihn überhaupt nicht. Ich hasse nämlich Enttäuschungen.

Kommt seit 36 Jahren an die Zuger Messe: Ulrich Senn, Lokführer der Dampfeisenbahn. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
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Guilherme Bacelar präsentiert den Entsafter für Zitrusfrüchte. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Der Kinderzirkus Funtistic aus der Ennetseegemeinde zieht die Zuschauer in seinen Bann. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Fast wie eine Massage: Richard Barisic erklärt zwei Messebesucherinnen den Shiatsu Body Belt. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
All das hat unsere Autorin bei ihrem Rundgang durch die Zuger Messe erbeutet. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Gabriel Galliker-Etter, Geschäftsleiter der Firma Etter, bringt unserem Autor die Fruchtbrände näher. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Besucherinnen bestaunen typisch Sanktgallerisches an der Zuger Messe. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Josef Raggam verkauft den Mixer «Choppy». Laut Herstellerangaben handelt es sich um einen Mixer, der alles mixt. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Auf dem Arenaplatz kommen Töfflibuebe auf ihre Kosten. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Valeria Huwiler aus Rotkreuz ist die charmanteste Zugerin. (Bild: PD)
Zwei Hostesssen am Stand des Gastkantons St. Gallen.
Ferkel tummeln sich an der Zugermesse in einem separaten Gehege. (Bild: PD)
Blumenverkäufer vor der Zuger Messe (Bild: PD)
Messeleiter Peter Binggeli (mitte) im Gespräch mit Zugs Stadtpräsident Dolfi Müller (links) und Thomas Regli, CEO der Seewarte, am 8. Zuger Wirtschaftszmittag (26.10.2015). (Bild: PD)
Das Restaurant «Aegerital go West» ist bis auf den letzten Platz gefüllt (26.10.2015). (Bild: PD)
Köstliches Fondue aus dem Entlebuch (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Am Stand der Zuger Bäuerinnen melken Daria (links) und Shirin Keel eine Kuh. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Verwaltungsratspräsid nt Paul Langenegger (links) und Geschäftsführer Hans Ulrich Schwarzenbach haben am Stand des Zweckverbandes der Zuger Einwohnergemeinden zur Bewirtschaftung von Abfällen (Zeba) den Durchblick. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Die Sonderschau der Zeba informiert, wie Abfall richtig entsorgt werden kann. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Am Stedy-Gewürzstand gibt es etwas zu gewinnen. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Der Gastkanton St. Gallen präsentiert sich auf einer überdimensionalen Zeitung. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Darfs einen neuen Parkettboden sein? (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Ein Prosit auf die Eröffnung der Zuger Messe (24.10.2015). (Bild: PD)
Gäste warten an der offiziellen Eröffnung auf das Essen. (24.10.2015). (Bild: PD)
Messeleiter Peter Binggeli (links) im Gespräch mit Regierungsrat Heinz Tännler während der Eröffnung. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)
Messeleiter Peter Binggeli bei der Eröffnungsfeier. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Kommt seit 36 Jahren an die Zuger Messe: Ulrich Senn, Lokführer der Dampfeisenbahn. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

So setze ich mich an die Bar und werde vom wahrscheinlich breitesten Lächeln der Messe begrüsst. «Ich mag nicht so gerne Kirsch», sage ich und schaue ihm fest in die Augen. Der lächelnde Mann nickt verständnisvoll und schenkt mir ein Glas Kirsch ein. Ich bin froh, dass das passiert, denke ich, so kann ich gerade zeigen, dass ich keinen Kirsch mag. Ich nehme einen Schluck und verziehe demonstrativ das Gesicht. Ob ich etwas anderes noch probieren wolle, werde ich gefragt. Ich sei auch sonst nicht so ein Fan von Obstbränden. Er grinst, nickt, und holt einen Quittenschnaps hervor. Niemand glaubt mir. Als Zuger muss man solche Wässerchen einfach lieben, meine Einwände haben darum scheinbar überhaupt kein Gewicht. Doch damit will ich nun endgültig aufräumen. Ich will beweisen, dass ich nichts davon mag.

Quitte? Zu quittig. Vieille Prune? Zu alt. Nur Prune? Zu schlicht. Bei manchen nehme ich zweimal, um sicherzugehen, dass alle meine Botschaft gesehen haben. Gegen Ende meiner selbst verordneten Demonstration ist von meinem regelmässigen Gesichtsverziehen ein debiles Grinsen auf meinem Gesicht geblieben. «Und zum Schluss noch die absolute Königsdisziplin: der Kirsch!» Gespannt sehe ich zu, wie er das edle Tröpfchen vor mir ins Glas füllt, und erwische mich, wie ich geniesserisch am Williams in meiner Hand nippe. Ehrlich gesagt gefällt mir inzwischen die ganze Palette nicht schlecht.

Es gibt wohl einen Grund, warum Zuger stolz auf ihren Kirsch sind. Und wer ihn nicht mag, hat zu wenig lang probiert.

Lionel Hausheer