Fungizid-Rückstände in Pumpwerken in Hünenberg und Menzingen

Anfang Jahr hat das Bundesamt für Landwirtschaft den Einsatz von Chlorothalonil verboten. Im Kanton Zug sind zwei Anlagen betroffen.

Carmen Rogenmoser
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Im September wurde bekannt, dass im Pumpwerk Drälikon in Hünenberg Abbauprodukte des Pflanzenschutzmittels Chloro- thalonil gefunden wurden. Im Juni 2019 befand das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) aufgrund einer Neubeurteilung, dass für Abbauprodukte des Pflanzenschutzmittels eine Gesundheitsgefährdung nicht ausgeschlossen werden kann. Die Rückstände wurden neu als «relevant» eingestuft. Der Stoff unterliegt somit einem gesetzlichen Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter, der im Trinkwasser nicht überschritten werden darf. Per Anfang Jahr verbot das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) den Einsatz von Chlorothalonil schliesslich ganz. Damit soll grundsätzlich verhindert werden, dass das Pflanzenschutzmittel und seine Abbauprodukte ins Grundwasser gelangen.

Rückstände des Fungizids sind laut der Dorfgenossenschaft Menzingen auch im Pumpwerk Hasentalweid 1 in Menzingen gefunden worden. Das Pumpwerk sei umgehend ausser Betrieb genommen worden, heisst es weiter. Ansonsten seien im Kanton keine Höchstwertüberschreittungen in Pumpwerken bekannt, sagt der Zuger Kantonschemiker Mattias Fricker auf Nachfrage.

Langsamer Abbau der Rückstände

Entscheidend bei der Messung ist aber nicht der Rückstand im Pumpwerk: «Das Trinkwasser im Leitungsnetz darf den gesetzlichen Höchstwert nicht überschreiten», erklärt Fricker.

«Wird das Wasser einer Pumpe bis zum Verteilnetz mit dem Wasser anderer Pumpen zusammengeführt, kann es sein, dass nach dem Mischen der Höchstwert nicht überschritten ist und das Wasser somit als Trinkwasser angegeben werden darf.»

So geschehen ist das in Hünenberg. Der Wasserbezug aus den betroffenen Filterbrunnen wurde minimiert. Ist der Höchstwert einer Pumpe, die direkt ins Verteilnetz speist, überschritten, muss sie vom Netz genommen werden.

Die Metaboliten – sogenannte Abbauprodukte – des Wirkstoffs Chlorothalonil bauen sich sehr langsam ab. Bis der Normalzustand eintritt, werde es noch einige Zeit dauern, heisst es bei der Dorfgenossenschaft Menzingen. «Die Geschwindigkeit des Rückgangs der Abbauprodukte von Chlorothalonil ist nicht nur von den stofflichen Eigenschaften der einzelnen Abbauprodukte, sondern auch von zahlreichen lokalen Gegebenheiten abhängig», erklärt der Kantonschemiker. Dazu zählen etwa Bodeneigenschaften oder die Erneuerungsrate des Grundwassers. Es gelte im Rahmen der Selbstkontrolle, den Rückgang zu beobachten und die weitere Entwicklung der Belastung abzuschätzen. «Sobald der Höchstwert unterschritten wird, kann die Pumpe wieder ans Netz gehen.»

Bereits vor dem Verbot haben die Bauern der Hünenberger Reussebene wie auch die Menzinger Bauern eine Erklärung unterschrieben, auf das Mittel, das seit den 1970er-Jahren im Getreide-, Gemüse-, Wein und Zierpflanzenbau eingesetzt wird, zu verzichten.