Gewerbe oder Natur? Die Erweiterungspläne in Hagendorn geben zu reden

Am 29. November stimmen die Chamer über den Bebauungsplan zur Erweiterung der Fensterfabrik in Hagendorn ab. Je ein Vertreter der Befürworter und der Gegner äussern sich im Pro-und-Contra-Beitrag.

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Pro

Tao Gutekunst, Präsident FDP Cham.

Tao Gutekunst, Präsident FDP Cham.

Bild: PD

Dass das Innovationsprojekt Gottfried Baumgartner in Hagendorn sehr gut gelungen ist, attestieren auch kritische Geister. Sie schätzen die rund 300 industriell-gewerblichen Arbeitsplätze – und das in einer Branche, in der jüngst mehrere Mitbewerber zur Aufgabe oder zur Umsiedlung ins Ausland gezwungen wurden. Sie ziehen den Hut vor der Innovationskraft der G. Baumgartner AG, die auf umweltfreundliche Art und Weise Hochleistungsfenster produziert, die mithelfen, den CO2-Ausstoss zu minimieren. Und sie freuen sich, dass mit der ökologisch wertvollen Hecke, den Teichen und dem Gründach eine optimale Eingliederung in die Landschaft gelingt – was auch von der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission anerkannt wird.

Was die Kritiker stört, ist der Standort des Betriebs. Er, obwohl mit Blick auf die gewünschte Durchmischung von Wohnen und Gewerbe explizit an diesem Standort geplant, passe nicht mehr dorthin. Bau und Betrieb verursachten Verkehr und Lärm, was nerve. Und überhaupt wäre es am besten, die Fabrik würde woanders hinziehen.

Die Argumentation ist egoistisch, zeugt von wenig Gemeinsinn, ist unliberal – und stellt den Wirtschaftsstandort Cham in Frage. Soll Cham eine lebendige Gemeinde bleiben, in der gewohnt und gearbeitet, gelebt und gelernt wird? Oder nehmen wir in Kauf, florierende Betriebe und wertvolle Arbeitsplätze aus der Gemeinde zu vertreiben– mit dem Risiko, zu einer Schlafstadt zu werden? Eben. Gewerbeverein, CVP, FDP, GLP und SVP empfehlen nicht umsonst zwei Ja.


Contra

Jonas Tresch, Co-Präsident SP Cham.

Jonas Tresch, Co-Präsident SP Cham.

Bild: PD

Die Fensterfabrik liegt bereits heute in einem Landschaftsschutzgebiet von nationaler Bedeutung (BLN-Gebiet Reusslandschaft Nr. 1305). Es handelt sich um die sensible und landschaftlich wertvolle Lorzenebene zwischen Hagendorn und dem Kloster Frauental. Mit der geplanten Erweiterung der Fensterfabrik wird die Schutzzone «Allmend Hagendorn» um 9500 Quadratmeter verkleinert. Zudem wird wertvolles, fruchtbares Landwirtschaftsland überbaut und für immer zerstört.

Aus Sicht der SP Cham werden private Interessen eindeutig stärker gewichtet als das öffentliche Interesse am Schutz von Landschaft, Umwelt und Landwirtschaft. Die Fensterfabrik befindet sich unmittelbar neben der gewachsenen dörflichen Struktur Hagendorns. Einzig eine Quartierstrasse, die Flurstrasse, trennt die Fensterfabrik vom Wohnquartier. Bereits heute ist die Fensterfabrik überdimensioniert im Vergleich zur kleinräumigen Struktur der Nachbarschaft.

Die geplante Erweiterung der Fensterfabrik führt dazu, dass im Endausbau entlang der Flurstrasse ein Gebäude mit einer Fassadenlänge von über 200 Meter und einer Höhe von grösstenteils über 15 Meter entstehen wird. Dieses überdimensionierte Gebäude kann weder mit ein paar Bäumen noch mit einer Dachbegrünung kaschiert werden.

Im Endausbau ist die Fensterfabrik flächenmässig deutlich grösser als das Einkaufszentrum Zugerland in Steinhausen. Die Fensterfabrik gehört in ein Industriegebiet, nicht aber in die kleinräumige, dörfliche Struktur Hagendorns.