Leserbrief

Für eine freie Wahl des Familienmodells

«Der Kanton als Totengräber der Familie», Leserbrief von Emil Schweizer Ausgabe vom 4. Dezember

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Wenn es der SVP ernst ist, wenn sie wirklich die «traditionelle Familie» im Kanton Zug retten will, dann muss sie sich nicht gegen die Tagesschulen, sondern dezidiert und geschlossen gegen die erneute Steuersenkung stellen. Denn die «traditionelle Familie» mit einem oder zwei hälftigen Einkommen findet vielleicht gerade noch in Neuheim bezahlbaren Wohnraum. In Zug zahlt eine solche «traditionelle Familie» kaum noch Steuern und finanziert damit also keineswegs die Betreuung für Doppelverdienende. Wegen der tiefen Steuern müssen dafür meine Nachbarn mit zwei schulpflichtigen Kindern, im Quartier verankert, trotz Doppeleinkommen die Mietwohnung verlassen. Weil die Besitzer sie nicht unter 2 Millionen Franken verkaufen wollen. Eine neue ist nicht in Sicht. Wenn Sie also wollen, dass die Eltern die Kinder selber betreuen, dann sorgen sie für bezahlbaren Wohnraum und faire Löhne. Das wäre effektiver. Denn wer kann sich das schon noch leisten?

Marilena Amato Mengis, Zug


Kantonsratskollege Emil Schweizer strapazierte die redaktionelle Freiheit als Leserbriefschreiber erheblich. Seine Aussage, alle Parteien ausser die seinige seien Totengräber der Familie und wollten die Kinderbetreuung und Erziehung verstaatlichen, zeugt von ausserordentlich selektiver Wahrnehmung. Ich kann nur für die FDP-Fraktion sprechen, für welche dies nicht zutrifft.

Die FDP setzt sich für eine freie Wahl des Familienmodells ein. Frauen und Männer sollen in unserer liberalen Gesellschaft ihr Leben frei und eigenverantwortlich im Rahmen der gemeinschaftlichen Regeln gestalten können. Wenn eine Familie es möchte, soll eine erfolgreiche Berufstätigkeit für beide Partner möglich sein. Für eine freie Wahl des Familienmodells und der Kinderbetreuung braucht es entsprechende Rahmenbedingungen. Die FDP setzt sich dafür ein, dass in allen Zuger Gemeinden bedarfsorientierte und modulare Tagesstrukturen in der Volksschule zur Verfügung stehen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf damit nachhaltig gestärkt wird.

Eine wie von einigen Parteien geforderte gebundene Tagesschule, mit einer Verpflichtung der Schülerinnen und Schüler zum ganztägigen Besuch der ausserschulischen Betreuungsangebote, unterstützen wir nicht. Jedoch spricht sich die FDP für modulare Tagesstrukturen aus. Der Besuch dieser zusätzlichen Module soll für die Schülerinnen und Schüler freiwillig sein. So kann jede Familie ihren Tagesablauf selber wählen. Modulare Tagesstrukturen mit Morgenbetreuung, Mittagstisch, Nachmittagsbetreuung, Hausaufgabenhilfe und vermehrt auch Betreuung während der Schulferien werden von den Gemeinden bereits gelebt. Wenn diese Angebote noch nicht ausreichen, so ist ein sinnvoller Ausbau angesagt. Ob der Kanton hier mit Vorgaben und Finanzbeiträgen eingreifen soll, wird im Kantonsrat noch diskutiert werden.

Peter Letter, Oberägeri, Kantonsrat FDP, Präsident Bildungskommission Kantonsrat