Kolumne «Standpunkt»
Für eine starke Pflege

Der Zuger SP-Gemeinderat Jérôme Peter spricht sich für die Pflegeinitiative aus.

Jérôme Peter, Gemeinderat SP
Jérôme Peter, Gemeinderat SP
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Jérôme Peter

Jérôme Peter

Bild: PD

Zuerst möchte ich mich herzlich bei allen Pflegenden für ihre Arbeit bedanken – danke, dass ihr uns in unseren schlimmsten Momenten pflegt und für uns da seid! Aber Danke ist einfach gesagt und ein bisschen Applaus vom Balkon verstummt genauso schnell. Aber am 28. November haben wir die Chance, dem Pflegepersonal wirklich zu helfen. Mit einem Ja zur Pflegeinitiative. Die Pflegenden hatten es schon vor der Coronakrise schwer. Schlechte Arbeitsbedingungen führen dazu, dass vier von zehn Pflegenden ihren Beruf frühzeitig aufgeben. Viele der Pflegenden lieben ihren Beruf, aber halten es nicht länger aus, unter den jetzt gegebenen Bedingungen weiterzuarbeiten. Es ist extrem schade, dass wir so viel motiviertes Personal verlieren, weil die Politik nicht schnell genug handelt. Dies schlägt sich letztlich auf die Pflegequalität in der Schweiz nieder und die Situation wird von Jahr zu Jahr prekärer. Momentan sind 11000 Stellen unbesetzt, es wird davon ausgegangen, dass bis 2029 70000 neue Pflegende gebraucht werden. Mit der Pflegeinitiative nimmt der Berufsverband der Pflegefachfrauen und -männer, SBK, die Krise in die eigenen Hände. Sie präsentieren uns eine Vorlage, die echte Veränderung bringt und die Situation der Pflegenden verbessert. Von dem profitieren schlussendlich alle Menschen in der Schweiz.

Es ist fast schon hämisch, dass die SVP vorschlägt, die Coronakrise durch Aufstocken der Intensivbetten zu bekämpfen, aber gleichzeitig gegen die Pflegeinitiative weibelte. Betten beschaffen ist einfach, schwierig ist es, das gut ausgebildete Personal, welches die Menschen auf den Intensivstationen pflegt, zu bekommen. Und solange die Pflegenden unter den jetzigen Arbeitsbedingungen leiden, wird dieser Umstand nicht gelöst werden können.

Die Pflegeinitiative wurde von Menschen geschrieben und lanciert, die selbst in der Pflege tätig sind. Sie wissen wohl am besten, wo die Probleme liegen und wie man diese bekämpfen kann. Es ist an der Zeit, dass wir den Pflegenden unsere Wertschätzung zeigen. Diese Wertschätzung zeigen wir am besten, wenn wir gemeinsam mit ihnen die heutige, unhaltbare Situation bekämpfen. Die Probleme sind schon seit Jahren bekannt, doch passiert ist bisher nicht viel. Die Pflegenden mussten jetzt das Zepter in die eigene Hand nehmen und die Krise selbst bekämpfen. Das Mindeste, was die Stimmbevölkerung der Schweiz jetzt machen kann, ist, die Initiative zu unterstützen. Diese Unterstützung bringt viel mehr als jeder Applaus vom Balkon! Wir können dann am 28. November gemeinsam mit allen Pflegenden klatschen, wenn die Initiative mit einem saftigen Ja angenommen wird! Dieser Applaus wird viel ehrlicher sein als das Geklatsche im ersten Lockdown, denn er zeigt, dass wir uns wirklich für die Probleme der Pflegenden interessieren und diese gemeinsam bekämpfen. Ich werde mich am 28. November beim Pflegepersonal mit einem Ja bedanken. Ich hoffe, ihr macht es mir gleich. Für eine starke Pflege.

In der Kolumne «Standpunkt» äussern sich Mitglieder des Grossen Gemeinderates Zug zu frei gewählten Themen. Ihre Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.

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