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FUSSBALL: «Das Spiel wird ein Fest werden – egal, wie es ausgeht»

Zwei Herzen schlagen in der Brust von Bujar Demolli – für Albanien und für die Schweiz. Nun treffen beide in Frankreich aufeinander. Der Menzinger wird live dabei sein.
Wolfgang Holz
Zwei Länder, zwei Identitäten, ein Mensch: Bujar Demolli fant für die Schweiz und für Albanien. (Bild Stefan Kaiser)

Zwei Länder, zwei Identitäten, ein Mensch: Bujar Demolli fant für die Schweiz und für Albanien. (Bild Stefan Kaiser)

«Eigentlich war es die Idee meines zwölfjährigen Sohns Gentian, den Fussballmatch in Lens im Stadion anzuschauen», sagt Bujar Demolli. Doch eigentlich ist auch ihm klar: So ein Spiel wie zwischen der Schweiz und Albanien bei der Europameisterschaft gibt es nur einmal. «Denn zum ersten Mal ist Albanien bei so einem sportlichen Grossereignis dabei», erklärt der 34-Jährige. Dies sei eine riesige Chance für den jahrzehntelang isolierten Staat, auf europäischer Bühne auf sich aufmerksam zu machen. «Man gönnt es dem Land und der Mannschaft so sehr.» Andererseits seien bei diesem Spiel viele Emotionen vorprogrammiert: «So etwas darf man sich nicht entgehen lassen.» Dabei ist sich der diplomierte Architektur-Projektmanager, der in Zug arbeitet, sicher, «dass dieses Spiel ein reines Fest wird – egal, wie es ausgeht». Er ist auch absolut überzeugt davon, dass es zu keinen Ausschreitungen kommen wird.

Seit 10 Jahren ein Schweizer

Bujar Demolli wurde in Pristina im Kosovo geboren. Im Alter von 13 Jahren ist er in die Schweiz gekommen. «Das bedeutete für mich zuerst mal Kopf runter und lernen, lernen, lernen.» Es hat sich gelohnt. Während sein Vater Lastwagenführer und gelernter Automechaniker ist, hat er Karriere gemacht – wobei auf den vielen Baustellen, die er beaufsichtigt, nach wie vor oft seine Heimatsprache gesprochen wird, machen doch albanische Mazedonier und Kosovaren einen Grossteil der Bauarbeiter hierzulande aus. «Das wird sich in Zukunft aber ändern, weil immer mehr junge Albaner studieren.» In der Schweiz, wo er seit 2006 eingebürgert ist, fühlt er sich integriert. «Ich wollte mitreden können, deshalb habe ich heute einen Schweizer Pass», meint Demolli, der auch im albanischen Eltern- und Lehrerverband im Kanton Zug mitarbeitet sowie im Zambak-Kulturverein aktiv ist, selbstbewusst. «Wir wollen den Dialog zwischen Albanern und anderen Nationen fördern.» Man habe ihn auch schon gefragt, ob er nicht in die Politik einsteigen wolle. «Das habe ich abgelehnt – weil die Politik in der Schweiz eigentlich wie die Administration einer Firma funktioniert.» Er befürworte dies sehr – «man kann in der Schweiz aber politisch nicht viel bewegen, weil eben alles schon so gut ist. Es geht nur noch ums Polieren.» Wobei er findet, dass viele Schweizer Kinder und Jugendliche so zufrieden seien, dass ihnen Visionen und grössere Zielsetzungen fehlten. Etwa, sich mehr um die ältere Generation zu kümmern und diese nicht einfach nur irgendwann ins Pflegeheim zu schicken. Sein Sohn spiele indes lieber Unihockey statt Fussball. «Die Umgangsformen beim Fussball sind ihm zu grob, beim Geräteturnen im Turnverein gehts ihm dagegen zu weiblich zu und her», so Demolli. Der dreifache Familienvater selbst fühlt sich in der Schweiz und in Zug respektiert: «Wenn man sich klar an die Regeln hält, ist das auch kein Problem – ich musste aber immer doppelt so viel leisten wie andere, um aufs gleiche Niveau zu ­kommen.»

«Ramadan nicht unterbrechen»

Nun stehen sich Schweizer und Albaner in Augenhöhe bei der EM in Frankreich gegenüber. Um dies zu erleben, hat Bujar Demolli zwei Tickets für sich und seinen Sohn zu je 180 Franken im Internet erstanden. Am Freitagabend oder am Samstagmorgen in aller Früh werden sie 19 Mann hoch in einem Kleinbus nach Frankreich aufbrechen, um dort nach sechs bis acht Stunden Fahrt das Spiel anzuschauen, das um 15 Uhr beginnt. Am Abend gehts dann gleich wieder zurück nach Zug. Angst vor Terroranschlägen hat er keine. «Ich werde auch meinen Ramadan nicht unterbrechen und tagsüber fasten», sagt der gläubige Muslim. Und wer wird am Ende gewinnen? Bujar Demolli zuckt mit den Schultern und hofft, dass es auf keinen Fall ein Unentschieden gibt. «Das wäre langweilig. Beide Teams sind ja grosse Mannschaften. Und Albanien will sowieso Minimum bis in den Halbfinal.» Sagts und grinst. «Ich werde beide Nationalhymnen mitsingen.»

So viele Albaner

Statistik red. Gemäss Volkszählung im Jahr 2000 wurde die Zahl der Albanisch-Sprechenden in der Schweiz auf 170 000 geschätzt. 2012 lebten hier 1302 Personen aus Albanien, 79 261 mit kosovarischer Staatsangehörigkeit und 61 668 mit mazedonischer Staatsangehörigkeit, wobei weder alle Kosovaren noch alle Mazedonier Albaner sind.

Die gesamte Zahl der in der Schweiz lebenden Personen albanischer Abstammung inklusive Eingebürgerter und Doppelbürger wird aktuell auf rund 200 000 geschätzt.

Wolfgang Holz

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