Fussball
Der Chamer Assistenztrainer ist mit seinem Chef auf Augenhöhe

Der Sportclub ist in der Promotion League erfolgreich unterwegs. Auch dank Emilio Gesteiro, dem starken Mann an der Seite von Roland Schwegler.

Martin Mühlebach
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Emilio Gesteiro ist auf die Saison 2019/20 hin zum Sportclub Cham gestossen.

Emilio Gesteiro ist auf die Saison 2019/20 hin zum Sportclub Cham gestossen.

Bild: Matthias Jurt (Cham, 14. April 2021

Sie lernten sich kennen, als sie bei den Zürcher Grasshoppers engagiert waren. Roland Schwegler spielte als Verteidiger in der ersten Mannschaft, und Emilio Gesteiro betreute den Nachwuchs. Später trafen die beiden wieder aufeinander, als der beim FC Wil als Assistenztrainer und Videoanalyst engagierte Gesteiro gegen den von Schwegler trainierten FC Linth antrat – und als sie in Magglingen, wo sie das A-Diplom des Schweizer Fussballverbandes erwarben, das Zimmer teilten.

Schwegler merkte, dass er und Gesteiro dieselben Vorstellungen von Technik, Taktik und dem Führen eines Teams haben. Als Schwegler das Angebot erhielt, 2019 Cheftrainer beim SC Cham zu werden, hat er mit Gesteiro über eine gemeinsame Zusammenarbeit gesprochen. Emilio Gesteiro erinnert sich:

«Roli sagte mir, er suche einen starken Assistenten, der mit ihm auf Augenhöhe sei. Und er fragte, ob ich bereit sei, mit ihm zusammenzuarbeiten.»

Gesteiro sagte zu und versichert, dass er diesen Entscheid nicht bereue.

Roland Schwegler (Mitte) und Emilio Gesteiro sind ein eingespieltes Trainerduo.

Roland Schwegler (Mitte) und Emilio Gesteiro sind ein eingespieltes Trainerduo.

Matthias Jurt (Rotkreuz, 1. August 2020)

In der ersten Saison sei zwar noch nicht alles so gelaufen, wie Schwegler und er sich das vorgestellt hätten. Einige Spieler hätten nach dem Weggang des langjährigen Cheftrainers Udo Portmann den SC Cham verlassen. «Uns blieb nichts anderes übrig, als ein neues, stark verjüngtes Team zusammenzustellen. Das brauchte eine gewisse Zeit, bis die Automatismen zu greifen begannen», erklärt Gesteiro.

Am Samstag kann Cham Co-Leader werden

Mittlerweile trägt die gemeinsame Arbeit von Roland Schwegler und Emilio Gesteiro Früchte. Der SC Cham liegt in der laufenden Saison mit nur drei Punkten Rückstand auf den Leader Yverdon auf dem hervorragenden zweiten Tabellenplatz. Am Samstag (16 Uhr, Eizmoos) kommt es nun zum mit Spannung erwarteten Vergleich der beiden Spitzenteams. Gesteiro sagt:

«Vor der Saison hätte uns kaum jemand zugetraut, dass wir mit den Besten der Promotion League mithalten könnten. Da wir uns bereits für die Aufstiegsrunde der acht besten Mannschaften qualifiziert haben, können wir gegen Yverdon unbelastet auftreten.»

Zudem könnte sich jeder einzelne Spieler ins Rampenlicht stellen, um so in eigener Sache Werbung für ein Engagement bei einem höherklassigen Verein zu machen.

Die Chamer haben in der laufenden Saison häufig Grund zu jubeln.

Die Chamer haben in der laufenden Saison häufig Grund zu jubeln.

Bild: Stefan Kaiser (Cham, 11. April 2021)

Roland Schwegler und Emilio Gesteiro, deren Verträge vom SC Cham unlängst um eine weitere Saison verlängert wurden, sind sich bewusst, dass noch viel Arbeit auf sie wartet. «Es fehlen noch rund 20 Prozent, bis die Spielzüge und Automatismen wie geplant greifen. Dazu gehört auch die Chancenauswertung. Yverdon beispielsweise braucht eine Chance für zwei Tore, und wir brauchen rund drei Chancen für ein Tor. Es gibt noch viel zu tun», betont Gesteiro, ehe er sagt: «Roli und ich sprechen viel miteinander und beraten, was zu tun ist, um erfolgreich sein zu können.»

Natürlich versuche jeder, seine individuellen Stärken nutzbringend einzusetzen. Als gelernter Verteidiger lege Roland Schwegler sein Hauptaugenmerk auf die Verteidigungsarbeit, während er als ehemaliger Offensivspieler die Arbeit der Angreifer genauer unter die Lupe nehme, verrät Emilio Gesteiro, der unter sich auch als Ernährungsberater und Videoanalyst einbringt.

Beruflich bei den Zürcher Verkehrsbetrieben

Emilio Gesteiro, der mit seiner Frau Noelia und Sohn Aisea in Zürich-Höngg lebt, hat einen vollen Terminkalender. «Den ich nur dank der Unterstützung und dem grossen Verständnis meiner Familie abzuarbeiten im Stande bin», betont der Fussballenthusiast. Nebst seiner Trainertätigkeit beim SC Cham ist er bei den Verkehrsbetrieben der Stadt Zürich als Fachverantwortlicher für Instandhaltung und den Betrieb der Haltestellen verantwortlich. Und er hilft dem einen oder anderen Fussballer mit Einzeltrainings auf privater Basis aus, wenn dieser infolge Verletzungen oder individueller Defizite wieder zur gewohnten Wettkampfstärke herangeführt werden muss.