FUSSBALL: Der grosse Kick der anderen Art

Die einen mögen es gross, die anderen eher ­familiär – die Grümpelturniere im Kanton Zug werden immer populärer. Das hat seine ­Gründe.

Andrea Muff
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Das Plauschturnier beim letztjährigen Ägeri-Grümpi: auch fürs Auge eine Attraktion. (Archivbild Werner Schelbert)

Das Plauschturnier beim letztjährigen Ägeri-Grümpi: auch fürs Auge eine Attraktion. (Archivbild Werner Schelbert)

Andrea Muff

Rundes Leder, farbige Trikots und jubelnde Fans am Spielfeldrand: Die Europameisterschaft begeistert seit dem 10. Juni Millionen Menschen, ob in den Stadien in Frankreich, zu Hause vor dem Fernseher oder beim Public Viewing vor der Leinwand. Regelrechte Begeisterungsstürme in Sachen Fussball auszulösen, gehört aber nicht nur zum Metier der Profis. Auch Grümpelturniere sind sehr beliebt. Denn dort darf jeder mitkicken. Die Saison ist eingeläutet: Der SC Steinhausen und der SC Menzingen haben ihre Turniere bereits hinter sich.

In Walchwil hingegen steht es noch bevor. Die Fussballverrückten treffen sich heute auf dem Lienisberg. Bereits um 8.30 Uhr beginnen die ersten Ballkünstler damit, ihr Können unter Beweis zu stellen: «So viele Anmeldungen wie dieses Jahr hatten wir noch nie», sagt Pascal Aeschlimann vom OK Grümpi Walchwil. Insgesamt stehen 39 Mannschaften am Wochenende auf dem Platz. Dass der Anmeldesturm der EM zu verdanken ist, glaubt Aeschlimann hingegen weniger. Denn bereits im vergangenen Jahr zeigten 30 Mannschaften ihr fussballerisches Talent.

Anmeldungen auch von auswärts

Wo liegen also die Gründe dieser Popularität? «Wir versuchen den Plauschfaktor in den Vordergrund zu stellen», stellt Aeschlimann fest. Aus dem Dorf seien viele Einwohner heute auf dem Lienisberg anzutreffen – eine Art Dorffest also. «Das Zusammenkommen und das gemeinsame Erlebnis sind wichtig.» So sei ein Grümpelturnier auch gut für den Teamgeist in Firmen und Vereinen. Der 33-Jährige sieht den entscheidenden Kick vor allem in der Übersichtlichkeit des Turniers in Walchwil: «Unser Grümpi ist klein und familiär – zudem spielen wir immer auf Rasen.» Interessanterweise fand das erste Grümpelturnier sieben Jahre vor der Gründung des Fussballclubs Walchwil 1986 statt.

Mehr als 200 Mannschaften

Auch in Unterägeri stehen von 8. bis 10. Juli vor allem der Plausch und das Zusammensein im Mittelpunkt. Patrick Betschart, Präsident vom OK Ägeri-Grümpi, freut sich drauf. Denn es werden wieder mehr als 200 Mannschaften zu je mindestens sechs Spielern teilnehmen. «Es herrscht eine ungezwungene Stimmung. Man macht zusammen Sport oder setzt sich gemütlich hin, um etwas zu trinken.» Das sind für Betschart die Gründe, warum so viele am Turnier teilnehmen. «Es ist das Gesamtpaket, das einen anzieht – zusammen Fussball spielen und am Abend feiern.» Für jeden bietet ein solches Turnier etwas: «Die Ambitionierten wollen gewinnen, und die andern kommen, um gemeinsam Spass zu haben – oder ein bisschen von beidem.»

So ist das Plauschturnier am Freitagabend zu einer Attraktion geworden. Betschart fasst das Geschehen folgendermassen zusammen: «Das Plauschturnier macht jeder Fasnacht Konkurrenz, das Resultat ist nur Nebensache.» Auch am Samstag und am Sonntag geht es um den Spass: «Jeder spielt in der passenden Kategorie für sein Team um Ruhm und Ehre.» Dabei zähle bei den meisten der olympische Gedanke. Das Rahmenprogramm bietet neben dem Spielfeld und auch für Nichtsportskanonen genügend Unterhaltung. Verschiedene musikalische Auftritte sorgen dafür, dass die Füsse nicht nur zum Fussballspielen gebraucht werden.

Europameisterschaft ist präsent

Die Profis an der Europameisterschaft geraten derweil bei beiden Turnieren nicht in Vergessenheit. «Wir haben im Clubhaus einen Fernseher, und wegen des Spiels der Schweizer haben wir noch einen zweiten organisiert», sagt Pascal Aeschlimann. Und in Unterägeri läuft am Sonntag der Final im Festzelt. «Nach der Rangverkündigung um zirka 18 Uhr stimmen Just Two mit Livemusik auf das Spiel ein», erklärt Patrick Betschart. Doch, ob in Frankreich, Walchwil oder Unterägeri, überall gilt nur eines: Das Runde muss ins Eckige.

Weniger Unfälle

Unfälle gehören häufig zu den Schattenseiten der Grümpelturniere. Jedes Jahr verletzen sich rund 2500 Personen an Grümpelturnieren in der Schweiz, schreibt die Suva auf Anfrage. 1999 haben sich pro 1000 Teilnehmer 15 Spieler verletzt, heute sind es nur noch 3,5 Verletzte pro 1000 Teilnehmer. «Zu den häufigsten Verletzungsarten gehören Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen», erklärt Serkan Isik, Mediensprecher der Suva. Um den Verletzungen vorzubeugen, ist eine gute Vorbereitung wichtig, und das Tragen von passenden Fussballschuhen sowie Schienbeinschonern wird empfohlen. Bei den beiden Turnieren in Walchwil und Unterägeri sorgen Samariter für die Erste Hilfe.