Fussball
Der SC Cham sieht im Tessin erneut rot und fällt in die Abstiegszone

Das Team von Trainer Roland Schwegler verliert in Chiasso mit 0:3 und belegt in der Promotion League nun Rang 13.

Raphael Biermayr
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Dramatische Metaphern konnte mühelos herleiten, wer das wollte, als der SC Cham am Sonntag in Chiasso gastierte. So herrschte eine düstere Stimmung am Himmel, und die Reise führte ja an den Rand der Schweiz, im übertragenen Sinn also an den Abgrund. Das passte zur Situation des Sportklubs, hatte dieser von den vorangegangen acht Matches doch deren sechs verloren und in der jüngsten Partie gegen den YB-Nachwuchs (1:3) irritierte Beobachter zurückgelassen.

Das sollte sich in Chiasso nicht ändern. Allerdings war die Irritation weniger dem Auftritt der Chamer als vielmehr einem Schiedsrichterentscheid in der 62. Minute geschuldet. Der Innenverteidiger Mario Bühler bewahrte sein Team mit letztem Einsatz am Boden knapp vor der Torlinie vor dem zweiten Gegentreffer. Der Schiedsrichter Alexander Tester sah bei dieser Aktion die Hand im Spiel, zeigte Bühler die rote Karte und entschied auf Penalty. Nun fiel das 2:0 und jedem im Stadion war klar: Mit einem Mann weniger wird der SC Cham chancenlos bleiben. Wenig später fiel das 3:0 für die Tessiner.

Der Captain kritisiert das Team

Der Chamer Captain Fabio Niederhauser ist der Innenverteidigungspartner von Mario Bühler. Er sagte nach der Partie, er könne die Situation nicht beurteilen. «Aber so, wie Bühler sich verhalten hat, wird er wohl schon recht haben, dass da nichts war.» Tatsächlich reagierte der Ex-Profi auf den Schiedsrichterentscheid fassungslos und verliess pausenlos lamentierend den Platz. Schon am vorletzten Spieltag, ebenfalls im Tessin, beim 1:2 gegen Bellinzona, hatten die Chamer wegen eines angeblichen Handspiels mit Elfmeter- und Platzverweisfolge mit dem Unparteiischen gehadert. Doch Niederhauser versuchte gar nicht, äusseren Umständen die Schuld an der sportlichen Misere zu geben. Er erwähnte stattdessen die Unzulänglichkeiten des eigenen Teams und sprach davon, dass nach dem YB-Spiel «Klartext» in der Mannschaft gesprochen worden sei.

Der davon erhoffte Effekt war in Chiasso schwer auszumachen. Die Chamer versuchten durch eine defensive Ausrichtung gegen das Profiteam Sicherheit zu erlangen. Auffällig war, dass Lukas Riedmann nicht zur Startelf gehört – eine Seltenheit unter Trainer Roland Schwegler. Riedmann war der einzige Spieler überhaupt, der in allen 13 Pflichtspielen zuvor für den Sportklub auf dem Platz gestanden hatte beziehungsweise gesundheitlich überhaupt gestanden haben konnte. Der Oberägerer beobachtete in Chiasso von der Ersatzbank aus das bittere erste Gegentor: Oscar Correia traf im Strafraum ein hohes Zuspiel überhaupt nicht wunschgemäss, doch der Ball prallte auf dem Rasen auf und flog in hohem Bogen über Goalie Marco Peterhans hinweg ins Tor (17.).

Chams Torhüter Marco Peterhans muss zuschauen, wie Mario Bühler nach dem ersten Gegentreffer den Ball aus dem Tor holt.

Chams Torhüter Marco Peterhans muss zuschauen, wie Mario Bühler nach dem ersten Gegentreffer den Ball aus dem Tor holt.

Bild: Raphael Biermayr (Chiasso, 31. Oktober 2021)

Keine gefährliche Torchance

So glückhaft der Treffer letztlich war, so schwach hatte die Verteidigung gestanden. Denn Correia kam aus etwa acht Metern völlig freistehend zum Abschluss. Wenig später fiel beinahe das 2:0, als Carte Said durch die Mitte allen davonrannte und den Pfosten traf (35.). Und Chamer Offensivbemühungen? Gab es kaum, vor allem aussichtsreiche. Nico Siegrists Schuss auf den Torhüter (44.) war in der ersten Halbzeit der Höhepunkt. Am nächsten dran war der eingewechselte Marin Wiskemann, als er tief in der Nachspielzeit der Partie aus der Distanz den Aussenpfosten traf.

Die eingangs Abgrunds-Metapher ist umso zutreffender, als der SC Cham nun den 13. Rang und damit einen Platz unter dem zweiten Trennstrich belegt. Die vier Teams, die nach Abschluss der Qualifikation in dieser Tabellenregion liegen, spielen die beiden Absteiger aus.

Mehr zur Promotion-League-Meisterschaft finden Sie hier.

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