FUSSBALL: Gelacht, gelernt, geschwitzt

Derzeit steht Zug 94 in der 1. Liga auf dem dritten Tabellenplatz. Für den Erfolg arbeitet Trainer Martin Andermatt an vielen Fronten – wie ein Tag an seinen Fersen zeigt.

Luc Müller
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Mittagspause. Oft im Clubhaus von Zug 94. Hier mit Goalietrainer Marco Egli. (Bild: Christine Benz/ Neue ZZ)

Mittagspause. Oft im Clubhaus von Zug 94. Hier mit Goalietrainer Marco Egli. (Bild: Christine Benz/ Neue ZZ)

Die Lesebrille links, das Kaffeerähmchen in die Mitte. Die Espressotasse rechts. Die Dreierkette steht. «Der nächste Gegner zieht mit Vorliebe an den Flügeln bis zum Strafraum und spielt dann den Pass in den Rücken der Abwehr», erklärt Martin Andermatt, Sportchef und Trainer der 1. Mannschaft von Zug 94, «wir müssen im Zentrum kompakt mit drei Mann stehen und uns nicht nach aussen locken lassen.»

Martin Andermatt, der seit Januar beim Erstligisten Zug 94 engagiert ist, geniesst die Mittagspause im Restaurant des Klubhauses von Zug 94. Aber Fussball hat bei ihm nie Pause. Alle Mitarbeiter des Restaurants hat der 52-Jährige mit Handschlag begrüsst. Es wird gelacht und gewitzelt. Der Mann kommt mit seiner offenen Art gut an. So ist auch sein Verhältnis zu den Spielern. «Ich habe meine Jungs gerne. Man muss sich um die Spieler kümmern», so Andermatt. Was heisst hier an der langen Leine? Andermatt schaut ernst und erklärt: «Die Spieler tanzen einem Trainer nicht auf der Nase herum. Wenn schon, dann schaden sie sich selber, wenn sie die Leistung nicht bringen.» Er mache keine starren Vorgaben, sondern lasse die Spieler ihre Ziele definieren. «Sie müssen dann diese erreichen und sich immer wieder selbst überdenken.»

Und Andermatt weiter: «Als Trainer musst du führen. Auf dem Papier kann jeder ein Konzept erstellen. Die Theorie in die Praxis umzusetzen – das ist entscheidend. Die Jungs merken, wenn einer nur rumlabert.» Bringt ein Spieler nicht die Leistung auf dem Platz, hinterfrage er auch sich: Hat er etwas nicht richtig erklärt? Hat er zu viel verlangt? Muss er taktische Korrekturen vornehmen? «Ich selber definiere Ziele, die ich immer wieder überprüfe.» Auch Zug 94 hat mit dem Projekt Apollo ein ehrgeiziges Zukunftsprojekt: Der Klub will bis 2015 in die Challenge League aufsteigen.

In die Schnittstelle der Abwehr

Gelacht, gelernt, geschwitzt – das ist für Andermatt die letzte Stufe zum Erfolg, wie er in seinem Büro in der Geschäftsstelle von Zug 94 erklärt. Seit 8 Uhr ist er wie jeden Tag hier: Büroarbeiten, Trainings planen («Jede Übungseinheit wird von mir akribisch vorbereitet»), Spielanalyse. Der Beamer wirft das Cupspiel von Zug 94 gegen Mendrisio auf die Leinwand, das die Zuger mit 2:0 gewonnen haben. «Den Ball laufen lassen und schnell nach vorne in die Schnittstelle der Abwehr spielen. So wollen wir auftreten», doziert Andermatt. Dazwischen ein Gespräch mit Marco Egli (26), dem Torwarttrainer von Zug 94, der seit dieser Saison auch beim FC Zürich engagiert ist. «Die Leute sind neidisch, dass ich mit einem solchen Profi wie Martin arbeiten kann», schwärmt Egli. Und auch Zug-94-Spieler Illic Dusan, der auf der Geschäftsstelle arbeite, betont: «So hoch war das Niveau des Trainings noch nie.» Am Nachmittag steht Andermatt auf dem Platz und beobachtet das Training von Egli. «Auch das gehört zum Job – die Ausbildung der Trainer.» Um 18.30 Uhr trainiert er dann die erste Mannschaft.

Wieso ist Andermatt, der zwischen 1999 und 2002 in der Bundesliga den SSV Ulm und Eintracht Frankfurt trainiert und für die Schweizer Nati gespielt hat, hier in der Zuger Provinz gelandet? «Ich komme aus der Region, und hier bin ich an der Basis des Fussballs. Ich kann Zukunftskonzepte erstellen. Genau das liebe ich.»