«Ganz bewusst aufgestanden und rausgelaufen»

Nach fast 20 Jahren verlässt Milly Stöckli aus Muri den Grossen Rat. Die SVP-Politikerin blickt auf eine bewegte Karriere zurück.

Melanie Burgener
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Fast 20 Jahre lang hat SVP-Politikerin Milly Stöckli aus Muri das Freiamt im Grossen Rat vertreten. Am Dienstag 15. Dezember 2020 hatte sie ihre letzte Grossratssitzung.

Fast 20 Jahre lang hat SVP-Politikerin Milly Stöckli aus Muri das Freiamt im Grossen Rat vertreten. Am Dienstag 15. Dezember 2020 hatte sie ihre letzte Grossratssitzung.

Melanie Burgener / Aargauer Zeitung

Wehmut verspürte Milly Stöckli nicht, als am vergangenen Dienstag, 15. Dezember, in der Umweltarena Spreitenbach ihre letzte Grossratssitzung endete. Denn dieses Gefühl hatte die 58-Jährige schon früher in diesem Jahr.

«Am 11. November an einer Kommissionssitzung haben wir unverhofft erfahren, dass die Sitzung im Dezember abgesagt wird», erzählt Stöckli. Da sei ihr bewusst geworden, dass sie nun zum letzten Mal im Grossratsgebäude in Aarau war. «Am Schluss habe ich gewartet, bis alle draussen waren. Dann bin ich nochmals alleine zurück ins Gebäude und an meinen Platz gesessen», erzählt sie. Da sei die Wehmut gekommen. «Dann bin ich ganz bewusst aufgestanden und rausgelaufen.»

«Nie damit gerechnet, dass ich gewählt werde»

Fast 20 Jahre lang hat Milly Stöckli das Oberfreiamt im Kantonsparlament vertreten. Ganz unverhofft hätte sie damals im Mai 2001 vom drittletzten Listenplatz den vierten Sitz für die SVP-Fraktion des Bezirks Muri geholt. «Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich gewählt werde. Ich habe auch keinen Wahlkampf geführt», erinnert sie sich lachend.

Vier Jahre später bangte die dreifache Mutter um ihre Wiederwahl. «Wir waren zu dritt und es hiess, dass wohl jemand von uns über die Klinge springen müsse. Ich nahm an, dass ich das sein werde», sagt sie. «Dann habe ich gewonnen und freute mich unglaublich. Von allen Wahlkämpfen war das mein intensivster und auch der, bei dem ich am kribbeligsten war», so Stöckli. Um Stimmen zittern musste die Murianer Bäuerin danach nie mehr. In den darauffolgenden Jahren verzeichnete sie mit Abstand die besten Ergebnisse des ganzen Bezirkes.

Nun ist Stöckli überzeugt: Fast 20 Jahre sind genug. Deshalb ist sie im vergangenen Oktober auch nicht zur Wiederwahl angetreten. Eine Entscheidung, die ihr nicht schwergefallen sei. «Ich habe immer gesagt, ich bleibe 16 oder 20 Jahre. Vorausgesetzt natürlich, ich werde gewählt», sagt sie. Während ihrer Zeit als Grossrätin war Milly Stöckli Mitglied in vielen verschiedenen Gremien und Kommissionen, hat Wahlkämpfe geführt und politisiert. Vor allem aber habe sie sehr viel gelernt. «Ich bin als Greenhorn da rein und musste mir meine Sporen erst abverdienen», blickt sie zurück. «In den ersten zwei Jahren habe ich mich wirklich reingekniet. Danach ist die Freude gekommen.» Denn als sie die Abläufe rund um Motionen und Postulate kannte und wusste, wie sie die dicksten Akten querlesen muss, konnte sie sich für die Themen einsetzen, die ihr am Herzen lagen. «Das sind die Landwirtschaft, die Familienpolitik und unsere Region», zählt Stöckli auf.

In ihren insgesamt fünf Legislaturen durfte Milly Stöckli so manche Erfolge feiern. Dabei ist der Murianerin aber wichtig, zu betonen, dass das nie nur allein ihr Verdienst gewesen sei. «Wir sind die grösste Fraktion. In Kommissionen und Abstimmungskämpfen waren wir immer zu fünft.» Trotzdem blieben ihr einige Abstimmungen in Erinnerung, deren Erfolge ihr wichtig waren. Als Beispiel nennt sie die Bildungskleeblatt-Vorlage: «Da habe ich mich schon sehr gefreut, dass wir diese bodigen konnten.» Auch dass die Freiämter Politikerinnen und Politiker von allen Fraktionen zusammengehalten und sich in Aarau erfolgreich für die Feiertage in der Region stark gemacht haben, blieb ihr als Meilenstein in Erinnerung.

Nebst ihren Parteikollegen genoss Stöckli auch eine grosse Unterstützung ihrer Familie. «Während all dieser Jahre habe ich von meinem Mann nie einen Vorwurf gehört. Auch meine drei Kinder sagen heute, dass es ihnen nicht geschadet habe, dass ich so häufig unterwegs war. Mit ihnen bin ich wirklich gesegnet», sagt sie dankbar.

Und wie geht es jetzt weiter? «Jetzt gebe ich Vollgas in Muri», so die Gemeinderätin und Frau Vizeammann. «Es gibt viele Projekte im Tiefbau, die meine Zeit brauchen. Auf das freue ich mich. Und darauf, dass ich jetzt mehr Freizeit habe», sagt sie und strahlt..