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GARTENSTADT: Kannte die Stadt die Pläne?

Der Stadtrat sei über das Neubauvorhaben informiert gewesen, heisst es in einer Interpellationsantwort. Eine Gemeinderätin hinterfragt das.
Samantha Taylor
Die 17 Häuser in der Gartenstadt sollen abgerissen werden. (Bild: Werner Schelbert)

Die 17 Häuser in der Gartenstadt sollen abgerissen werden. (Bild: Werner Schelbert)

Samantha Taylor

In der Gartenstadt, einem der letzten klassischen Arbeiterquartiere in der Stadt Zug, wird sich in den nächsten Jahren einiges ändern. Denn wie im April bekannt wurde, sollen in dem Quartier zwischen der Aabach- und der Herti­strasse 17 Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 100 Wohnungen abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Davon betroffen sind rund 300 Personen.

Das Vorhaben der Eigentümerinnen der Liegenschaften – die Gebäudeversicherung Zug (GVZG) sowie die Baugenossenschaft Familia Zug – hat bereits hohe Wellen geworfen. So hat einerseits die Fraktion Alternative-CSP des Grossen Gemeinderats (GGR) Anfang April eine Interpellation bei der Stadt eingereicht. Andererseits sammelt ein Komitee Unterschriften für eine Petition. Diese fordert den Erhalt der Wohnblöcke mit den preisgünstigen Wohnungen (siehe Box). Nun äussert sich der Stadtrat zum Thema. Er hat vor kurzem auf die Interpellation «Zur Zerstörung von zirka einem Drittel des preisgünstigen Wohnraums in der ortsbildgeschützten Gartenstadt» geantwortet.

Stadt hat «keine Handhabe»

Wie aus seiner Antwort nun hervorgeht, wusste der Stadtrat bereits seit einiger Zeit Bescheid über die Absichten der Eigentümerschaft. Diese sei nämlich im April 2012 an die Stadt herangetreten, um über ihre Bau- und Erneuerungsabsichten zu diskutieren. Aufgrund dieser Pläne, so schreibt der Stadtrat weiter, sei die Ortsbildschutzzone Gartenstadt zum Pilotprojekt für ein «Gestaltungshandbuch» bestimmt worden. Diesem Gestaltungshandbuch hat die Bau- und Planungskommission (BPK) des Grossen Gemeinderats im November letzten Jahres zugestimmt. Das Handbuch dient der Förderung einer ortsbildtypischen Gestaltung in der Gartenstadt, wenn neu gebaut wird. Dass mit der Entwicklung des Areals durch die Grundeigentümer «ausserordentlich günstiger Wohnraum» verloren gehe, bedauert der Stadtrat. Er habe den Eigentümern auch aufgezeigt, wie die Liegenschaften saniert und erweitert werden könnten. Man könne die Gründe, die für einen Neubau sprechen, jedoch nachvollziehen. Der Stadtrat habe ausserdem keine Handhabe, um privaten Grundeigentümern Auflagen zu erteilen, damit diese «sehr preisgünstigen Wohnraum» – wie in der Gartenstadt – erhalten.

Ganz grundsätzlich verweist der Stadtrat in seiner Antwort auf die Interpellation der Alternative-CSP darauf, dass die Verantwortung für die Gebäude und damit auch die Mietpreisgestaltung bei den heutigen Grundeigentümern liegt. Auch wenn in den Häusern heute Leute leben, die bereits 40 oder 70 Jahre dort zu Hause sind. «Der Stadtrat erwartet, dass alles unternommen wird, damit keine Härtefälle entstehen.» Auf die Frage, ob und wann die Pläne der Gartenstadt dem GGR oder der BPK vorgelegt werden, muss der Stadtrat eine abschlägige Antwort erteilen. «Das Bauvorhaben wird nicht von der Stadt, sondern von der GVZG und der BG Familia Zug entwickelt.» Eine Bebauungsplanpflicht bestehe nicht. «Das Bauvorhaben fällt daher nicht in den Zuständigkeitsbereich des GGR oder der BPK.»

Interpellanten sind unzufrieden

Seitens der Interpellanten ist man mit den Antworten des Stadtrates nicht zufrieden. «Die Ausführungen sind eine grosse Enttäuschung und scheinen nur ein Ziel zu haben: sich aus der Verantwortung herauszuhalten», bilanziert CSP-Gemeinderätin Monika Mathers. Der Entwurf des Gestaltungshandbuches für die Ortsbildschutzzone Gartenstadt müsse jetzt als Feigenblatt herhalten. «Kommt hinzu, dass das Papier zwar in der BPK vorgestellt wurde. Die Kommissionsmitglieder wurden aber nie darüber informiert, dass es in dem Gebiet Abbruch- und Neubaupläne gibt», so Mathers weiter. Ähnlich sei es, soweit sie gehört habe, auch im Gesamtstadtrat gewesen. «Erst durch unsere Intervention haben sowohl die BPK-Mitglieder wie auch die Stadträte davon erfahren, dass in der Gartenstadt Häuser abgebrochen werden sollen.» Daneben ärgert sich Mathers ausserdem, dass nun trotz allem sehr günstiger Wohnraum verschwinden soll. «Die Initiative ‹Wohnen für alle in Zug› fordert auch den Erhalt von günstigem Wohnraum. Das passiert hier aber nicht.» Im Gegenteil, findet Mathers. Hier werde sehr viel preisgünstiger Wohnraum zerstört und dafür entstehe Wohnraum im mittleren Preissegment. «Ich hätte vom Stadtrat mehr Engagement erwartet. Auch weil der Kanton quasi Besitzer der Gebäudeversicherung ist und diese de facto zur öffentlichen Hand gehört.»

500 Unterschriften

Seit Anfang Juni sammelt ein Komitee, bestehend aus Bewohnern der Gartenstadt und politisch Engagierten, Unterschriften für den Erhalt der Wohnblöcke. Gemäss Astrid Estermann, Grüne Gemeinderätin und Komiteemitglied, sind für die Petition rund 500 Unterschriften zusammengekommen. «Wir werden noch bis Ende September sammeln», so Estermann. Bisher hätten vor allem Bewohner der betroffenen Häuser sowie der Gartenstadt unterschrieben. Nun wolle man den Fokus noch auf die übrige Stadt legen und hoffe auf die Solidarität.

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