Gastro-Bloggerin: Im Restaurant Gnadenthal sind Kinder willkommen

Auf Kathrine Berger Meilis Website gibt’s über 160 Gastrotipps für Familien – das Restaurant Gnadenthal in Niederwil sieht sie als Vorbild.

Sarah Kunz
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Gastro-Bloggerin Kathrine Berger Meili im Restaurant Gnadenthal in Niederwil.

Gastro-Bloggerin Kathrine Berger Meili im Restaurant Gnadenthal in Niederwil.

Bild: Sandra Ardizzone (Niederwil, 28. Januar 2020)

Zwei Kronleuchter tauchen den Wintergarten in warmes Licht, helle Tischläufer, gefaltete Servietten, Weingläser stehen bereit. Das Restaurant macht einen noblen Eindruck, wirkt ideal für ein romantisches Dinner oder ein geschäftliches Abendessen. Auf den zweiten Blick lässt sich aber ein Tripp-Trapp erkennen, in einer Ecke stehen Boxen mit Spielen drin – Memory, Duplo, Malsachen – und hinter der Glasfront liegt ein grosszügiger Spielplatz. «Dieses Restaurant ist der Inbegriff der Kinderfreundlichkeit», sagt Kathrine Berger Meili. Sie muss es wissen: Seit sieben Jahren betreibt sie die Website food4Family.ch mit Gastrotipps für Familien in der ganzen Schweiz. Einer der über 160 erwähnten Betriebe ist das Restaurant Gnadenthal in Niederwil, in dem sie an diesem Nachmittag sitzt und an einem Glas Wasser nippt.

Dass Berger eine Liste mit kinderfreundlichen Restaurants führt, geht aber bereits 15 Jahre zurück: «Ich war in Zürich und wollte in der Nähe vom Sechseläutenplatz einen Kaffee trinken», erzählt die 53-Jährige. «Gleichzeitig musste ich einen Platz finden, an dem ich meine neugeborene Tochter wickeln konnte.» Damals war sie ahnungslos, wo sie in Zürich einen Wickeltisch hätte finden können. Deshalb habe sie angefangen, kinderfreundliche Betriebe zu suchen und aufzulisten.

Das heisst: Betriebe, die Wickelmöglichkeiten, Kindersitze und Beschäftigungsmöglichkeiten wie etwa ausmalbare Tischsets anbieten. Früher hätten Familien seltener mit Kindern Restaurants besucht. «Und wenn, dann wurde von den Kindern erwartet, dass sie still am Tisch sitzen und sich benehmen.» Heutzutage sei dies nicht mehr der Fall. Berger ist überzeugt: «Wenn die Kinder sich in einem Restaurant wohlfühlen und sich beschäftigen können, ist es auch für die Eltern einfacher.»

Für sehr kinderfreundliche Betriebe gibt’s ein Label

Dieser Meinung ist auch Andreas Grossmann, Leiter Hotellerie des Pflegezentrums Reusspark, zu dem das «Gnadenthal» gehört. «Ich bin selbst Familienvater. Deshalb weiss ich, was sich Eltern und Familien wünschen.» Seit drei Jahren ist das Restaurant auf Bergers Website aufgeführt. «Wir gleisten zu dieser Zeit ein neues Konzept auf», sagt Grossmann. Per Zufall sei er auf Bergers Website gestossen und habe mit ihr Kontakt aufgenommen. «Sie konnte uns viele Tipps geben, wie wir unser Restaurant kinderfreundlicher gestalten konnten.»

Mittlerweile habe sich das «Gnadenthal» bei Familien einen Namen gemacht. «Vor allem, dass Eltern ihre Kinder auf dem Spielplatz im Auge behalten können, wird sehr geschätzt», sagt Grossmann. Zudem seien die Preise für die Kindermenus sehr günstig. Auf dem Gelände des «Gnadenthals» gibt es ausserdem einen Streichelzoo.

Berger hat das Restaurant als «sehr kinderfreundlich» zertifiziert. Dieses Label erhalten nur Restaurants, die folgende Kriterien erfüllen: Ein Spielplatz, eine Spielecke oder ein Spielzimmer muss vorhanden sein. Zudem sind mindestens drei Kinderspeisen anzubieten. Die Bergdietikerin listet auch folgende Betriebe im Freiamt als kinderfreundlich auf: das Restaurant JoJo in Bremgarten und die Brasserie Terrasse sowie die Wirtschaft zum Stutz in Widen. Auch in Baden, Lenzburg und Frick gibt es familientaugliche Restaurants. Einzig in Aarau sieht es spärlich aus. Alle Vorzüge der Betriebe sowie die Menus und Fotos hält Berger in einem Steckbrief und einem Bericht auf der Website fest.

Familien müssen ihren Teil dazu beitragen

Berger hat nach einem Psychologiestudium sechs Jahre in Werbeagenturen gearbeitet und absolvierte danach eine Therapie-Ausbildung. All dies könne sie nun in ihrer Tätigkeit nutzen.

«Die Wirte realisieren immer mehr, dass Familien eine wichtige Zielgruppe sind.» Aber noch immer seien viele skeptisch, haben Angst, dass Familien andere Gäste vertreiben. «Dabei geht das gut aneinander vorbei», sagt Grossmann.

Damit das funktioniert, seien auch die Familien gefragt: «Ich weiss von Restaurants, denen schon Spielsachen geklaut oder kaputtgemacht wurden», sagt Berger. Gastronomen bemängeln auch, dass gewisse Eltern ihre Kinder zu wenig beaufsichtigen oder eine Unordnung hinterlassen. Wie wichtig Bergers Arbeit ist, hat auch die Migros erkannt. Seit bald drei Jahren veröffentlicht sie ihre Gastrotipps auf Famigros. «Ich wünsche mir eine Zusammenarbeit mit dem Verband Gastro Suisse oder einen Führer über alle Betriebe, die Familien willkommen heissen», sagt Berger. «Das wäre mein Traum.»