Gastrobetriebe: Im Kanton Zug sind Heizpilze bis April erlaubt

Sie sind umstritten: die Heizpilze. Um Gastrobetrieben das Wirtschaften zu erleichtern, sind sie aber in Zug bald erlaubt. Gesetzt werden soll auf umweltfreundliche Modelle.

Vanessa Varisco
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Freund oder Feind? An Heizpilzen scheiden sich die Geister.

Freund oder Feind? An Heizpilzen scheiden sich die Geister.

Symbolbild: Lea Hepp

In Zeiten vom Klimaaktivismus wäre es unvorstellbar gewesen, dass vor Zuger Restaurants oder Hotels Heizpilze aufgestellt werden. Doch dieses Jahr ist bekanntlich alles anders; die Branche hat pandemiegeschuldet schwer zu kämpfen. Und deshalb ist das, was vorher unmöglich schien, machbar: Die Zuger Regierung hat entschieden, dass ab dem 5. Dezember bis im April nächsten Jahres Heizpilze genutzt werden dürfen. Ausschlaggebend für diesen Entscheid sei die schwierige Situation, wie die Baudirektion schreibt. So gab es in vielen Gemeinden politische Vorstösse – beispielsweise in der Stadt Zug, in der Heizpilze ausdrücklich verboten waren bislang. Mit der Erheblicherklärung eines Postulats von den Kantonsräten Karen Umbach und Rainer Leemann betreffend «Hilfe für unsere Gastrobetriebe leisten» wurde eine entsprechende Verordnungsanpassung für den Kanton Zug initiiert. Die Direktion schreibt:

«Auch der Regierungsrat hat Verständnis für das vorgebrachte Anliegen der Gastronomie und anderer Betriebe, den Aussenraum in dieser Ausnahmesituation auch in der kalten Jahreszeit nutzen zu können.»

Hinter der Tätigkeit der Gastronomiebetriebe stünden Löhne und Erträge, die existenziell für Menschen und Betriebe seien. Durch die Heizpilze soll nun vor allem mehr Platz zur Verfügung stehen. Denn anders als in den Sommermonaten können die Wirte in der kalten Jahreszeit bekanntlich nicht ohne weiteres aussen bestuhlen und so die Fläche ihres Lokals vergrössern.

Unterstützung für Baarer Wirte

Die Baarer Gastronomen müssen im laufenden Jahr keine Alkoholabgabe bezahlen. Das teilte die Gemeinde kürzlich mit. Gemäss dem Zuger Gastgewerbegesetz ist die Abgabe alkoholhaltiger Getränke bewilligungspflichtig, was je nach Art des Betriebs 100 oder 300 Franken kostet. In einer Sitzung hat der Baarer Gemeinderat nun beschlossen, diese Gebühr zu erlassen. Das ist möglich, da gemäss dem Gastgewerbegesetz die Gemeinden die Höhe der Abgabe festlegen. Insgesamt verzichtet die Gemeinde mit dem Erlass dieses Jahr auf 19 000 Franken. Man wolle die 76 Baarer Gastrobetriebe damit entlasten, wird Gemeindepräsident Walter Lipp in der Mitteilung zitiert. 

Das Thema schlug insbesondere in der letzten Sitzung des Grossen Gemeinderats Wellen. Ein häufig vorgebrachtes Argument war, dass das Heizen unter freiem Himmel nicht nachhaltig sei. Wie sehen das Vertreter der Zuger Sektion vom WWF? Barbara Gysel, Präsidentin der Sektion und Kantonsrätin, sagt dazu: «Selbstverständlich ist der WWF immer für klimafreundliche Heizmassnahmen und darum gilt es generell, immer verschiedene Alternativen zu prüfen.» Sofern dieses Kriterium eingehalten werde, spreche wenig dagegen, diese Heizpilze einzusetzen. Sie argumentiert, dass eine temporäre Massnahme wie das Aufstellen von Heizpilzen für das Klima weit weniger ins Gewicht falle als die Art der dauerhaften Heizsysteme im Innenbereich. Auf die lange Sicht entscheidend sei, dass grundsätzlich ein Umschwung auf erneuerbare Energien beim Heizen stattfinde. Als Kantonsrätin wirft sie ausserdem die Frage auf, ob das Aufstellen der Heizpilze wohl die wirksamste Krisenunterstützung für Gastronomiebetriebe sei. «Wirte bräuchten gegen die Coronakrise wahrscheinlich noch anderen Support wie Mietzinsreduktionen», so Gysel.

Die lärm- und feuerpolizeilichen Vorschriften müssen ebenfalls eingehalten werden. Zudem rät der Regierungsrat den Betrieben, in erneuerbare Systeme zu investieren, da solche Heizungen schon heute zugelassen sind und somit auch in Zukunft entsprechend genutzt werden können.