GASTRONOMIE: «Ich möchte eine Drehscheibe sein»

Barbara Schneider ist seit einem Jahr Präsidentin von Gastro Zug. Für ihre Branche wünscht sie sich etwas mehr Konstanz und Verständnis.

Samantha Taylor
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Barbara Schneider führt mit ihrem Mann das «Rössli» in Oberägeri und ist Gastronomin aus Leidenschaft. (Bild Maria Schmid)

Barbara Schneider führt mit ihrem Mann das «Rössli» in Oberägeri und ist Gastronomin aus Leidenschaft. (Bild Maria Schmid)

«Es ist meine Leidenschaft – noch immer.» Mit diesen Worten beschreibt Barbara Schneider ihr Verhältnis zur Gastronomie. Wenn man sich ihren Lebenslauf und ihr Engagement ansieht, dann ist das bei weitem keine Übertreibung. Seit 20 Jahren führt Barbara Schneider gemeinsam mit ihrem Mann Guido das Gasthaus Rössli in Oberägeri. In dieser Zeit hat sich die 47-Jährige aber auch ausserhalb ihres eigenen Betriebs für die Gastronomie und die Menschen dahinter eingesetzt. Seit 14 Jahren ist Barbara Schneider Vorstandsmitglied beim Verband Gastro Zug, zehn Jahre davon als Vizepräsidentin. Zudem ist sie als Zentralschweizer Vertreterin auch im Vorstand von Gastro Suisse.

Seit einem Jahr steht sie dem Netzwerk der Zuger Gastronomiebetriebe nun als Präsidentin vor. «Es war für mich immer wichtig, dass ich über den Tellerrand hinausblicken kann. Es interessiert mich, wie es anderen Betrieben geht, welche Probleme sie plagen und welche Themen anstehen – sowohl im Kanton als auch in der ganzen Schweiz», begründet Schneider ihr Engagement. Hinzu komme, dass sie überzeugt sei von der Wichtigkeit der Verbandsarbeit. «Es ist zentral, dass wir Gastronomen uns zusammenschliessen und austauschen können.» Das wolle sie als Präsidentin von Gastro Zug auch weiter fördern. «Ich will eine Drehscheibe zwischen Wirten, Politikern, der Wirtschaft und den Kunden sein.»

Ein aktiver Mensch

Dass Barbara Schneider in der Branche überhaupt Fuss gefasst hat, bezeichnet sie heute mehr als Zufall denn als klaren Plan. «Ich bin da irgendwie so reingeschlittert», erinnert sich die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern und lächelt. Sie selbst sei familiär etwas «vorbelastet». «Fast alle in meiner Familie haben sich irgendwie mal in der Gastronomie versucht», berichtet sie. Barbara Schneider selbst hat ihre Lehre im Service absolviert. Anschliessend hat sie während dreier Jahre im Restaurant Bauernhof im Talacher gearbeitet. «Dort habe ich auch meinen Mann kennen gelernt – er war Gast.» Kurz darauf hat sich für sie, eine Kollegin und ihren Mann die Gelegenheit geboten, das Restaurant zu übernehmen. «Wir waren blutjung und unerfahren. Aber wir haben es gemacht und von 1990 bis 1995 den Betrieb geführt.» Es sei eine strenge Zeit gewesen, in der sie alle viel gelernt hätten, blickt sie heute zurück. «Ich weiss nicht, ob ich das heute noch mal so machen würde. Aber damals war es gut und es hat für uns so gepasst.»

Doch auch danach ist es im Leben der Wirtin nicht ruhiger geworden. Sie brauche das aber auch, gibt sie mit einem Schmunzeln zu. «Als wir das Rössli übernommen haben, ist ein Monat später unsere zweite Tochter zur Welt gekommen. Da war schon einiges los.» Und das sei bis heute so geblieben. Familie und Beruf seien stets ineinandergeflossen. «Wir wohnen oberhalb des Restaurants. Das hat Vorteile. Wir haben aber darum auch viel gearbeitet.» Hinzu komme, dass es mit nur gerade zwei Angestellten ein echter Kleinbetrieb sei. Und dann sind und waren da noch all die anderen Engagements von Barbara Schneider. «Ich bin ein sehr aktiver Mensch und an vielen Orten dabei», erzählt sie. Neben ihren Tätigkeiten für Gastro Zug und Gastro Suisse ist die Oberägererin noch Präsidentin des Verkehrsvereins ihrer Gemeinde sowie Mitglied des Organisationskomitees für die Jubiläumsfeierlichkeiten in Morgarten.

Generation rückt nach

Für die Wirte im Kanton wünscht sich Barbara Schneider, dass ihnen in gewissen Situationen mehr Verständnis entgegengebracht wird. «Die wirtschaftliche Situation ist schwieriger geworden, gewisse Umstände haben sich verändert. Es ist für Gastronomen nicht einfacher geworden. Da braucht es etwas Verständnis, von verschiedenen Seiten», ist Schneider überzeugt. Ausserdem hofft sie, dass es in der Gastronomieszene im Kanton wieder etwas mehr Konstanz gibt. Es habe sich im Kanton zwar eine abwechslungsreiche und lebendige Szene entwickelt. Aber: «In den letzten 20 Jahren ist vieles kurzlebiger geworden. Betriebe öffnen und schliessen kurz darauf wieder. Das tut der Szene nicht gut.» Schneider ist überzeugt, dass dies auch damit zusammenhängt, dass das Wirtepatent abgeschafft worden sei. Viele würden ein Lokal eröffnen und die Arbeit unterschätzen. Denn zu tun gebe es reichlich.

Trotzdem findet sie: «Für mich ist es nach wie vor die schönste, interessanteste und abwechslungsreichste Branche.» Diese Freude an der Gastronomie haben die Schneiders offenbar auch weitervererbt. Denn die ältere der beiden Töchter arbeitet inzwischen im «Rössli» ebenfalls mit. «Sie ist gelernte Köchin und arbeitet Teilzeit bei uns», freut sich Barbara Schneider. Sie seien ein richtig eingespieltes Team, erzählt die Wirtin sichtlich stolz.