Gebrauchte Spritze verletzt Mann – Zuger Staatsanwaltschaft verurteilt Verursacher

Nach dem Gebrauch eine Spritze liegenlassen: Das ist laut Zuger Staatsanwaltschaft mindestens fahrlässig. Vor allem, wenn jemand dadurch zu Schaden kommt.

Harry Ziegler
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Als der Mann sich im 1. Klasse-Abteil des Zugs hinsetzte, spürte er einen Stich im linken Oberschenkel. Als er nachsah, was diesen verursacht hatte, stellte sich heraus, dass es sich um eine gebrauchte Spritze handelte. Diese hatte ein, laut Strafbefehl der Zuger Staatsanwaltschaft 35-jähriger notorischer Drogenkonsument zwischen den Sitzen zurückgelassen. Zuvor hatte sich der Mann Kokain gespritzt.

Der im Kanton Zug wohnhafte 35-jährige Mann wurde der fahrlässigen Körperverletzung, weiter des Diebstahls und des Hausfriedensbruchs der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und der Widerhandlung gegen das Übertretungsstrafgesetz schuldig gesprochen. Bestraft wurde er mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 30 Franken sowie einer Übertretungsbusse von 500 Franken. Bezahlen muss der Mann auch die Verfahrenskosten von 400 Franken, insgesamt 2100 Franken. Da es sich gemäss Strafbefehl beim Verurteilten um einen notorischen Drogenkonsumenten handle, der zudem wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie wegen Vermögensdelikten bereits früher bestraft wurde, könne der bedingte Strafvollzug nun nicht mehr gewährt werden. Eine unbedingte Strafe sei notwendig, um den Mann von der Begehung weiterer Delikte abzuhalten.

Verurteilter musste von der Gefahr wissen

Durch das Zurücklassen der gebrauchten Spritze habe der Mann eine Gefahrenquelle geschaffen. Er hätte aber laut Strafbefehl, alles Zumutbare unternehmen müssen, um diese Gefahrenquelle gar nicht erst zu schaffen und «die Verletzung fremder Rechtsgüter» zu vermeiden. Die Spritze sei nach Gebrauch nicht ordnungsgemäss entsorgt worden. Dass von der Spritze die Gefahr der Schädigung Dritter ausging, hätte dem 35-Jährigen voraussehbar sein müssen. Diese Sorgfaltspflichtverletzung führte schliesslich dazu, dass sich jemand verletzte. Schuldmindernd wirke sich aus, dass der Mann die Spritze unmittelbar nach dem Konsum von Betäubungsmitteln zurückliess. Er dürfte «in diesem Moment nur eingeschränkt in der Lage gewesen sein, die Konsequenzen seines Handelns zu erkennen», so die Staatsanwaltschaft.

Einbruch und Drogenkauf

Laut Strafbefehl sei der 35-Jährige zudem in ein Büro eingebrochen. Dort habe er knapp 5000 Franken entwendet. Immerhin: Der Mann zeigte sich geständig. Soweit mindestens, indem er zugab, er habe für die Tatzeit eine medikamentenbedingte Erinnerungslücke. Er habe jedoch, als er wieder klar im Kopf war, in seinem Portemonnaie Bargeld gefunden, welches wohl aus dem ihm zur Last gelegten Diebstahl stammen müsse. Überführt wurde der Verurteilte ebenfalls des Drogenkaufs. Er soll an einem Bahnhof im Kanton Zug 15 Gramm Kokaingemisch in Wert von rund 1200 Franken für den Eigenkonsum gekauft und offenbar auch geraucht haben.

Übrigens: Bezahlt der Verurteilte die Geldstrafe nicht, so tritt an die Stelle der Geldstrafe eine Freiheitsstrafe. Wobei ein Tagessatz einem Tag Freiheitsstrafe entspricht. Zudem beträgt die Ersatzfreiheitsstrafe bei Nichtbezahlen von 500 Franken 5 Tage.