Kolumne

Gefährliche Flimmerkiste

Redaktorin Cornelia Bisch stellt fest: Die Fernsehgewohnheiten korrespondieren selten mit dem Charakter einer Person.

Cornelia Bisch
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Cornelia Bisch.

Cornelia Bisch.

Bild: PD

Kürzlich habe ich mich mit Freundinnen über Fernsehgewohnheiten unterhalten. Dabei kamen die kuriosesten Vorlieben zutage, die fast ausnahmslos in krassem Gegensatz zum Charakter der jeweiligen Personen standen. Zusammengefasst könnte man etwa sagen: je friedliebender das Wesen, desto blutrünstiger der Filmgeschmack. Hoch im Kurs stand das Genre Fantasy mit Harry Potter an der Spitze, und das immerhin in einem Damenkreis um die 50.

Erwähnenswert auch die Zweitbeschäftigungen während des abendlichen Fernsehvergnügens. Von Puzzeln, über E-mailen zu Stricken, von Dinieren über Knabbern zum Glas Wein und der völligen Abstinenz war alles vertreten. Ebenso variantenreich die Haltungen. Manche turnen, andere traktieren den Hometrainer und wieder andere bevorzugen die bequeme Horizontale – vornehmlich jene, denen das regelmässige TV-Gesäusel als Einschlafhilfe dient.

Besonders amüsant waren die Kindheitserinnerungen. Man rekapituliere kurz das Angebot der 1970er-Jahre: eine Handvoll Sender in allen Landessprachen, die täglich kaum mehr als sechs Stunden ausstrahlten. Da war etwa die mit einem Tuch bewaffnete Grossmutter, die das abenteuerliche Kinderprogramm mit Argusaugen verfolgte, um wie von der Tarantel gestochen aufzuspringen und den Bildschirm zu verhüllen, sobald ihr eine Szene inadäquat für Kinderaugen erschien.

Oder die vermeintlich kluge Mutter, die bei Abwesenheit das Fernsehkabel versteckte, damit ihre Schützlinge nicht in Versuchung gerieten. Laut meiner Kollegin hat es etwa zwei Jahre gedauert, bis die gute Frau entdeckte, dass die noch klügeren Kids das Versteck ausgetüftelt und sich hinter ihrem Rücken fröhlich bedient hatten. Dass sich die beiden Geschwister anschliessend ein eigenes Kabel zulegten, erfuhr die sorglose Mutter nie.

Heute ist das TV- und Internetangebot rund um die Uhr derart vielfältig, dass Kontrolle kaum mehr möglich ist. Es bleibt Eltern nichts anderes übrig, als mit einem massvollen Umgang Vorbild zu sein und den Kindern zu vertrauen. Das mag Ängste auslösen. Diese sind aber meiner Ansicht nach nicht wirklich berechtigt, denn Kinder sind in aller Regel klüger und verlässlicher, als man glaubt.

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