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Gefälschter Glencore-Brief: Parallelen zu dubiosem Referendums-Aufruf

In den letzten Tagen wurde eine Einladung zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung des Rohstoff-Riesen Glencore verschickt. Doch Glencore weiss von der Veranstaltung nichts, genauso wenig wie die Zuger Persönlichkeiten, die als Mitglied eines neuen Stiftungsrates aufgeführt sind.
Christopher Gilb
Die dubiose Einladung, die auch an die «Zuger Zeitung» verschickt wurde. (Zuger Zeitung/Christopher Gilb)

Die dubiose Einladung, die auch an die «Zuger Zeitung» verschickt wurde. (Zuger Zeitung/Christopher Gilb)

Glencore sponsert unter anderem das Ägeri on Ice, das Esaf, den EVZ, die Theater- und Musikgesellschaft Zug und einiges mehr. Doch wie eine professionell gestaltete Einladung suggeriert, soll nun eine neue Dimension der Wohltätigkeit angepeilt werden.

In der Einladung, die bei unserer Zeitung einging und die mit «Liebe Zugerinnen und Zuger» beginnt, steht, dass sich der Verwaltungsrat der Glencore einstimmig dafür entschieden habe, die Glencore Wohlfahrtsstiftung Zug mit einem Startkapital von 100 Millionen Schweizer Franken zu gründen. Dies, weil man seit 40 Jahren in Zug zu Hause sei und in Form eines Geschenkes nun etwas Substanzielles zurückgeben möchte.

Aufgabe und Zweck der Stiftung sei es, Soziales, Bildung und Kultur längerfristig und nachhaltig zu fördern und zu unterstützen. Unterzeichnet ist der Text, so scheint es mindestens, von Glencore-CEO Ivan Glasenberg.

Im folgenden wird mitgeteilt, dass die Gründung der Stiftung am 18. Juni im Theater Casino Zug stattfinde. Es wird das Programm inklusive Begrüssung durch Glasenberg und Apéro Riche aufgeführt und die mutmasslichen Mitglieder des Stiftungsrates genannt, darunter Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel und der Baarer Gemeindepräsident Andreas Hotz.

Glencore erfuhr Ende letzter Woche davon

Das Problem ist nur, bei Glencore weiss man nichts von solch einer Stiftung und auch nicht von der angekündigten Veranstaltung. «Ende letzter Woche kontaktierte uns Volkswirtschaftsdirektor Michel, er habe eine Anfrage eines Journalisten bezüglich seiner Tätigkeit im Stiftungsrat der Glencore Wohlfahrtsstiftung Zug erhalten. Er wollte wissen, was es damit auf sich hat», erklärt Glencore Sprecherin Sarah Antenore auf Nachfrage. «Seine Anfrage hat uns überrascht und wir haben sofort klargestellt, dass wir keine solche Stiftung gegründet hätten und es sich bei der Einladung, die er erhalten habe, um eine Fälschung handle, so Antenore weiter.

Bisher habe man noch nicht herausgefunden, wer sich diesen grenzwertigen Spass erlaubt hat. Trotzdem beabsichtige man keine rechtlichen Schritte einzuleiten. «Aber speziell ist diese Aktion schon.» Über die Identität des Urhebers wolle man nicht öffentlich spekulieren, sagt Antenore noch.

Auch der Baarer Gemeindepräsident Andreas Hotz ist alles andere als erfreut über die gefälschte Einladung. «Diese Aktion ist schändlich und in aller Form zu verurteilen,» sagt er auf Nachfrage. «Letzten Donnerstag ging bei der Gemeinde Baar, adressiert an mich persönlich, eine entsprechende Einladung ein. Obwohl sie höchst ungewöhnlich war, war die Einladung auf den ersten Blick nicht als Fälschung erkennbar», so Hotz.

Er sei dann durch Glencore informiert worden, dass es sich um eine Fälschung handle. Bisher seien alle Abklärungen bezüglich Absender erfolglos verlaufen. Matthias Michel teilt schriftlich mit: «Da es sich offensichtlich um eine Fälschung handelt, kommentiere ich das nicht weiter.»

«Diese Aktion ist schändlich und in aller
Form zu verurteilen»
Andreas Hotz, Gemeindepräsident Baar

Doch findet am 18. Juni jetzt überhaupt eine Veranstaltung im Theater Casino statt oder nicht? Vielleicht wird ja dann das grosse Geheimnis um die Urheber der gefälschten Einladung gelüftet? Auf Nachfrage teilt das Theater Casino aber mit, dass nichts Entsprechendes reserviert worden sei. Die Suche geht also vorerst weiter.

Wenn es um Aktionen gegen den Baarer Rohstoffkonzern geht, ist eigentlich die Junge Alternative Zug ganz vorne mit dabei. Doch dort hat man bisher die Einladung gar für seriös gehalten. Denn wie die Recherche unserer Zeitung zeigt, wurde der Brief auch an die Sekretariate aller Parteien im Kanton Zug verschickt.

«Für uns war einerseits die Zusammensetzung des Stiftungsrates realistisch, andererseits würde eine solche Stiftungsgründung in die Glencore-Strategie passen», so Vorstandsmitglied Luzian Franzini. Mit dem Sponsoring von Zuger Events versuche der Konzern, so Franzini weiter, schliesslich seit geraumer Zeit sein Image als «Steuerdumper» loszuwerden und von Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen abzulenken.

Einladung erinnert an eine Aktion aus dem Vorjahr

Was für ein Ziel verfolgen die Urheber der Einladung dann also? Da ja im Casino selbst keine Veranstaltung angemeldet ist, kommt nur eine mögliche Veranstaltung vor dem Casino in Frage, beispielsweise eine kleine Manifestation zu einem Thema rund um den Rohstoffkonzern, zu der möglichst viele Personen gelockt werden sollen. Doch wie der zuständige Stadtrat Urs Raschle mitteilt, ist kein Bewilligungsgesuch für eine solche eingegangen.

Ein wenig erinnert die Einladung ohne Absender an eine andere Aktion. In einer mysteriösen E-Mail wurden Zugerinnen und Zuger im Oktober letzten Jahres aufgerufen, das Referendum gegen das Sparpaket 2018 zu ergreifen. Auf einer zugehören Homepage wurden sogenannte Missstände bei den Behörden des Kantons aufgeführt. Gehört hat man danach von der dubiosen Aktion nichts mehr und auch die Suche nach dem Urheber verlief im Sand.

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