GEFAHR: «Es gab schon Alarme wegen verdächtiger Gepäckstücke»

Nicht nur Paris ist Ziel des IS. Auch die Schweiz könnte im Fokus der Terroristen sein. Sicherheitsdirektor Beat Villiger erklärt, wie sicher Zug ist.

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Spezialeinsatzkräfte der Zuger Polizei – im Februar bei einem Einsatz wegen einer Messerstecherei in der Steinhauser Asylunterkunft. (Bild Maria Schmid)

Spezialeinsatzkräfte der Zuger Polizei – im Februar bei einem Einsatz wegen einer Messerstecherei in der Steinhauser Asylunterkunft. (Bild Maria Schmid)

Beat Villiger, wie haben Sie auf die Anschläge in Paris persönlich reagiert?

Beat Villiger: Ich war schockiert, konsterniert und betrübt.

Ganz Europa steht im Fokus der Terroristen. Wie sicher ist aus Sicht der Zuger Sicherheitsdirektion der Kanton Zug vor terroristischen Anschlägen?

Villiger: Es liegen nach Auskunft des Nachrichtendienstes derzeit keine Hinweise auf eine direkte Bedrohung der Schweiz vor. Die Sicherheitsorgane in der Schweiz tun das Mögliche, um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten. Die Sicherheitslage wird von den örtlich zuständigen Organen stetig überprüft. Die Zuger Polizei steht dabei in engem und ständigem Kontakt mit den zuständigen Stellen des Bundes. Je nach Lagebeurteilung werden punktuelle Massnahmen ergriffen, zum Beispiel die Präsenz erhöht.

Sind im Kanton Zug überhaupt schon Bombendrohungen eingegangen?

Villiger: Es hat schon Alarme wegen verdächtiger Gepäckstücke gegeben, die sich als Fehlalarme herausgestellt haben.

Gibt es denn innerhalb der Zuger Sicherheitsdirektion konkrete Notfallszenarien und Einsatzkonzepte, was bei einem Attentat zu tun ist und wie die Einsatzkräfte sich zu verhalten haben?

Villiger: Die Zuger Polizei, der Katas­trophenstab und der Kantonale Führungsstab machen sich Gedanken in verschiedene Richtungen und führen regelmässige Lagebeurteilungen durch. Die Polizei und die Notorganisation üben solche Szenarien regelmässig, um möglichst gut vorbereitet zu sein.

In Zug hat es bislang noch keinen terroristischen Anschlag gegeben, aber ein verheerendes Attentat, bei dem 2001 bekanntlich 14 Personen getötet wurden. Welche Lehren hat man gezogen?

Villiger: Es wurden Sicherheitskonzepte entwickelt und organisatorische Sicherheitsstandards für den internen Betrieb eingeführt und diese vor rund zwei Jahren erneuert. Beispielsweise wurde die bauliche Sicherheit verstärkt bei den Eingangstüren im Regierungsgebäude, bei der kantonalen Verwaltung und bei den Gerichten.

Und was gibt es sonst noch an Sicherheitsmassnahmen?

Villiger: Zudem hat der Regierungsrat eine Fachstelle Sicherheit geschaffen, die diese Massnahmen weiterentwickelt und das Personal in Sicherheitsfragen schult. Ähnliche Massnahmen haben nach 2001 auch die anderen Kantone und der Bund ergriffen. Das Attentat, aber auch Ereignisse in anderen Kantonen und Ländern sowie die periodischen Risikobeurteilungen führen zu Anpassungen der Doktrin und der Ausrüstung. Die Sicherheitsorgane haben sich seither laufend weiterentwickelt und lassen die Erkenntnisse aus Ereignissen und Übungen – wie beispielsweise aus der Sicherheitsverbundübung 2014 – ständig in ihre Führungs- und Einsatzkonzepte einfliessen. Konkrete Sofortmassnahmen in Zug gegen den Terror gibt es keine. Aber wir schauen bei Anlässen und Veranstaltungen nun bestimmt noch genauer hin.

Geht der Kanton Zug durch die Erfahrung mit dem Attentat von 2001 bewusster mit der Möglichkeit von Terrorakten um?

Villiger: Bei den Sicherheitsorganen ist das Bewusstsein unabhängig davon vorhanden. Aber ich glaube, die Zuger Bevölkerung geht seither behutsamer und auch mitfühlender damit um, wenn solche Anschläge oder Amokläufe anderswo in der Welt passieren. Es geht einem näher.

Wie hoch schätzen Sie die Terrorgefahr generell für den Kanton Zug ein?

Villiger: Das wäre Spekulation. Es liegen nach Auskunft des Nachrichtendienstes nach wie vor keine Hinweise auf eine direkte Bedrohung der Schweiz oder den Kanton Zug vor. Die kantonalen Polizeiorgane stehen in engem Kontakt mit den zuständigen Stellen des Bundes. Die Polizei ist bei ihrer Arbeit aber auch auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, die verdächtige Wahrnehmungen meldet. Die Polizei und die Bundesbehörden gewichten dann diese Meldungen und ordnen sie ein.

Interview wolfgang holz