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Eine Aktion gegen Stigmatisierung und Hemmungen

Auch am vierten Walk & Talk auf dem Landsgemeindeplatz in Zug waren verschiedene Patientenorganisationen vor Ort und informierten über chronische Krankheiten.
Pascal Studer
Fürs Mikadospiel braucht’s eine ruhige Hand – alles andere als selbstverständlich für Parkinson-Patienten. Auch Parkinson Schweiz war bei Walk & Talk in Zug vor Ort und informierte. (Bild: Maria Schmid (Zug, 22. September 2018))

Fürs Mikadospiel braucht’s eine ruhige Hand – alles andere als selbstverständlich für Parkinson-Patienten. Auch Parkinson Schweiz war bei Walk & Talk in Zug vor Ort und informierte. (Bild: Maria Schmid (Zug, 22. September 2018))

«Wo erhalte ich das?» Führt man ein Hintergrundgespräch mit einem Gesundheitsexperten, der sich auf seinem Fachgebiet äusserst eloquent auszudrücken vermag, wird man als Journalist eigentlich nicht gerne unterbrochen. Viel lieber lauscht man seinen präzis gewählten Worten, schreibt fleissig mit und versucht, mit einer gezielten Fragetechnik das Gespräch aus der Perspektive eines Laien möglichst interessant mitzugestalten.

Doch in diesem Fall war die Unterbrechung mehr als begrüssenswert, denn an diesem sonnigen Samstagnachmittag fand auf dem Zuger Landsgemeindeplatz bereits zum vierten Mal der Walk & Talk statt, eine Dialog-Veranstaltung im Zeichen chronischer Krankheiten, welche von AbbVie organisiert wird.

Über Entstigmatisierung...

Heinrich von Grünigen, Präsident des Stiftungsrates der Schweizerischen Adipositas-Stiftung SAPS, dreht sich zur Besucherin seines Standes um. Seine Antwort ist mehr als ausführlich, auf Nachfragen antwortet er geduldig und kompetent. Der Grund, weshalb er hier ist, ist simpel: Er will dabei helfen, Adipositas zu entstigmatisieren: «Die Meinung der Öffentlichkeit ist oft, dass übergewichtige oder fettleibige Personen einfach zu faul sind, um wieder abzunehmen. Sie sollen doch einfach weniger essen und sich mehr bewegen.» Doch diese Schlussfolgerung greife viel zu kurz. Vierzig verschiedene Hormone steuern nämlich das Hungergefühl. Dementsprechend ist das Zusammenspiel zwischen Magen, Darm, Innereien und Gehirn viel komplexer, als dass man es mit den oben genannten Stereotypen so einfach erklären könnte. Sammelt sich nämlich zu viel Fett in der inneren Bauchgegend an, entwickelt sich ein Eigenleben, das die Hormone beeinflusst und das Zusammenspiel destabilisiert. Dies könne man mit einem Gen-Defekt vergleichen. Leidet man schliesslich an Adipositas, ist der Weg zurück in ein gesundes Leben steinig. «Da braucht man eiserne Disziplin», betont von Grünigen.

... und Enttabuisierung

Doch nicht nur die Schweizerische Adipositas-Stiftung ist am Walk & Talk präsent. Auch andere Patienten-Organisationen, wie die Krebsligen Zentralschweiz und Zug, Pro Infirmis oder Rheumaligen aus verschiedenen Kantonen haben am letzten Samstag die Möglichkeit zum Dialog angeboten. Für eine Organisation dürfte es jedoch besonders schwierig sein, mit Direktbetroffenen in diesen Dialog zu treten: der Schweizerischen Morbus Crohn/Colitis Ulcerosa Vereinigung (SMCCV). Über Stuhlgang wird nämlich nicht gerne gesprochen, und trotz Giulia Enders’ Bestseller «Darm mit Charme» schwebt über den beiden Krankheiten noch immer ein akutes Tabu. «Die erste Krankheit, die wir bekämpfen müssen, ist das Schamgefühl der Betroffenen», sagt Bruno Giardina, Präsident von SMCCV. Ausserdem sind die Krankheiten nicht sichtbar. Trotzdem sind die Symptome, zu denen Blut oder Schleim im Stuhl oder Krämpfe gehören, sehr einschränkend für das Alltagsleben. SMCCV sei hier, um zu informieren, indem sie beispielsweise über den Umgang mit Medikamenten aufklären. Besonders wichtig ist laut Bruno Giardina jedoch, die Krankheit zu enttabuisieren. «Weil Direktbetroffene nicht über ihre Krankheit reden wollen, sind viele von ihnen nämlich nicht richtig therapiert», betont Giardina.

In der Zwischenzeit hat Heinrich von Grünigen auf der grossen Bühne platzgenommen und wird interviewt. Die Fragen sind persönlich, und von Grünigen erzählt, dass er selbst 80 Kilogramm abgenommen hat: «Es ist ein völlig neues Leben. Ich kann heute Sachen machen, die früher unmöglich waren.» So bringt er die Botschaft von Walk & Talk auf den Punkt: Ein aktives Leben ist trotz chronischer Krankheit möglich.

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