Leserbrief

Gegenteilige Meinungen zum Jagdgesetz

Zur eidgenössischen Abstimmung vom 27. September, Jagdgesetz

Alfred Meier, Präsident Zuger Kantonaler Patentjägerverein, Unterägeri
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Kürzlich habe ich den Flyer der Gegnerschaft des neuen Jagdgesetzes erhalten, der an alle Zuger Haushaltungen verschickt worden war. Als aktiver und naturverbundener Jäger habe ich mich sehr über die Unwahrheiten geärgert.

«Töten statt Schützen» ist die Überschrift. Wie kann man nur den Eindruck erwecken, dass in Zukunft alle geschützten Tiere geschossen werden können? Es wird auch der Eindruck vermittelt, dass zum Beispiel der Feldhase in Zukunft mehr bejagt wird. Dies ist überhaupt nicht der Fall.

Zur Info: Im Kanton Zug wird der Feldhase auf freiwilliger Basis seit fast 30 Jahren nicht mehr gejagt und trotzdem hat sich der Bestand nie erholt. Es gibt aber Kantone, dessen Bestände eine nachhaltige Entnahme von Feldhasen absolut zulässt. Für das gibt es (auch in Zukunft) ein Gesetz und eine nachhaltige Jagd, die eine Bejagung nur zulassen, wenn es dem Bestand nicht schadet. Bei einer Annahme des Jagdgesetzes wird sich übrigens für den Feldhasen kaum was ändern. Braucht es auch nicht. Die richtigen Feinde der Feldhasen sind die sehr intensive Landwirtschaft und die vielen natürlichen Fressfeinde, deren Bestand immer mehr zunimmt. Es ist auch klar, festzuhalten, dass in den letzten 150 Jahren in der Schweiz kein Tier durch die Jagd ausgestorben ist. Das Gegenteil ist der Fall: Die nachhaltige Jagd nimmt Rücksicht auf die Tierbestände und schützt diese. Auch frage ich mich beim Lesen des Flyers, was der Abschuss eines Feldhasen mit einer Trophäenjagd zu tun hat? Das wissen leider nur die Erschaffer der Gegenkampagne. Ich als Naturschützer und Jäger empfehle allen ein klares Ja zum Jagdgesetz.

Alfred Meier, Präsident Zuger Kantonaler Patentjägerverein, Unterägeri


Wissenschaftliche Studien in mehreren Ländern haben gezeigt, dass die Regulierung des Wolfes nicht zu weniger Nutztierrissen führt. Sogar das Gegenteil kann eintreten. Wird in ein Wolfsrudel eingegriffen, kann es das Rudel auseinanderreissen. Die Hinterbliebenen trennen sich und bilden neue Rudel. Sie können anfangs sogar mehr Junge produzieren als Kompensation zum Verlust vorhin. Zudem wandern eher neue Wölfe in das Gebiet ein. Es kann also für eine Zeit sogar eine höhere Wolfdichte entstehen als vor der Regulierung.

Ein intaktes Wolfsrudel aber verteidigt sein Territorium gegen andere Wölfe, sodass keine zu grosse Dichte an Wölfe in einem Gebiet entsteht. Beutegreifer regulieren sich gegenseitig. Und was ich sehr wichtig finde: Intakte Wolfsrudel sind fähig, Wildtiere wie Rothirsche oder Wildschweine zu jagen, was einzelne Wölfe oder unerfahrene Pärchen nicht können. Einzelne Wölfe oder unerfahrene Wolfspärchen jagen eher Nutztiere wie Schafe, die auf der Alp oft wie auf dem Silbertablett ohne Schutz serviert werden. Manche Befürworter des neuen Jagdgesetzes behaupten, dass das neue Gesetz einen respektvollen Umgang mit Wild- und Nutztieren verspricht. Wie soll eine präventive Bejagung, ohne dass ein Schaden angerichtet wurde, respektvoll sein? Respektvoll wäre, wenn man dem Tier die Chance gibt zu leben, und erst wenn es Probleme bereitet, werden Massnahmen getroffen. Das neue Jagdgesetz hat zu viele negative Auswirkungen auf die Wildtiere. Nicht umsonst sagen alle Umweltverbände, Zooschweiz, verschiedenste Forstvereine und weitsichtige Jäger Nein zum neuen Jagdgesetz.

Stéphanie Vuichard, Umweltwissenschafterin, ALG-Kantonsrätin, Zug