Kolumne

Gehören Papiersammlungen abgeschafft?

Der Zuger Abfallbewirtschaftungsverband stellt die Tradition auf den Prüfstand. Unsere beiden Redaktoren nehmen in dieser Frage gegensätzliche Positionen ein.

Raphael Biermayr gegen Marco Morosoli
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Raphael Biermayr,Redaktor Zuger Zeitung

Raphael Biermayr,Redaktor Zuger Zeitung

Dass Papiersammlungen früher oder später der Vergangenheit angehören werden, ist sonnenklar. Schon jetzt stehen Jahr für Jahr weniger Bündel an den Strassen in den Zuger Gemeinden. Die «Keine Werbung»-Sticker kleben wohl auf der Mehrheit der Briefkästen. Die Zeitungsabonnenten werden zum Wechsel zu Digitalabos animiert; so lange, bis es irgendwann normal sein wird, ein Kreuzworträtsel am Bildschirm zu lösen. Und Bücher entsorgt man – einem Ehrenkodex der Büchernarren zufolge – ohnehin nicht.

Der Abfallentsorgungsverband der Zuger Gemeinden würde mit der Abschaffung der Papiersammlungen also nur etwas Unausweichliches vorwegnehmen. Das heisst natürlich nicht, dass kein Altpapier mehr anfallen wird. Sondern nur, dass man es selbst zum Ökihof bringen muss. Das ist eine Situation, die wie geschaffen ist für die allenthalben spriessenden Nachbarschaftshilfsdienste. Denn es ist unbestritten, dass der Weg zum Ökihof nicht für jeden gleich leicht machbar ist. Warum sollte die Unterstützung gegenüber Eingeschränkten nur im Zusammenhang mit dem Coronavirus funktionieren?

Sollte diese Überlegung Gutmenschedenken entsprechen: Die Wirtschaft dürfte es letztlich schon richten. Entsorgungsanbieter könnten im Papiersammeln auf Bestellung wohl einen Geschäftszweig erkennen. Eine Win-win-Situation wäre die Folge: Papierliebhaber könnten sich wie Arbeitgeber fühlen – und für die Kosten der Papiersammlungen müssten nur die Verursacher aufkommen.


Marco Morosoli, Redaktor Zuger Zeitung

Marco Morosoli,
Redaktor Zuger Zeitung

Ich versuche Tag für Tag nicht aus der Zeit zu fallen. Ich bezahle kontaktlos. Meine Rechnungen habe ich fast gänzlich ins E-Bill-Management gezügelt. Das Twinten habe ich verinnerlicht. Bücher beziehe ich auch übers Internet. Ich lese sogar die Zeitung, für die ich arbeite, online.

Auf Papier sind mir die Zeitungen jedoch viel, viel lieber. Bei mir sammelt sich also Papier an. Nun lese ich mit Schrecken, dass die neue Abfall-Chefin des Kantons mit ihrer ersten offiziellen Unterschrift das Altpapiersammeln vor der Haustüre ins Nirwana befördern will.

Von meinem Kollegen Raphael Biermayr erhält sie für diese heldenhafte Tat fast einen Orden verpasst. Ich hoffe einfach, dass er auf die Idee kommt sein bisschen Altpapier in einen vorfinanzierten Sack-Stark-Sack zu stopfen. Die sind mittlerweile so dünn, dass ein reingestopftes Plastikbehältnis ausreicht, um den Abfallsack aufzureissen.

Es stimmt, dass die Altpapiermengen zurückgehen. Ob das so ist, weil die Leute keine Zeitung mehr haben oder aber sie online lesen, das weiss ich nicht. Ans Ende der Zeitung in Papierform kann ich einfach nicht glauben. Das Buch haben vermeintliche Experten auch schon in Tod geredet. Ich akzeptiere viele Neuerungen, beim Papier bin ich steinhart.

Und ja, wenn dereinst die letzte Papiersammlung vorbei ist, müssen Lösungen her. Wege finde ich immer, manchmal liegen sie abseits des Mainstreams. Aber damit habe ich zu leben gelernt.