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Historischer Geissweidturm kommt ans Licht

Bei den Grabungsarbeiten auf dem Postplatz in Zug wurden Teile des Fundaments eines mittelalterlichen Turms gefunden. Ganz überraschend ist dieser Fund nicht.
Harry Ziegler
Ansicht der Stadt Zug in der Chronik des Johannes Stumpf 1547. Der Geissweidturm ist der Rundturm am linken Bildrand. Bild: PD

Ansicht der Stadt Zug in der Chronik des Johannes Stumpf 1547. Der Geissweidturm ist der Rundturm am linken Bildrand. Bild: PD

An der Ecke Schanz und St.-Antons-Gasse in der Stadt Zug wurden während Grabungsarbeiten am Postplatz Überreste des mittelalterlichen Geissweidturms (auch Schwefelturm) gefunden. Im Bereich des oberen Postplatzes laufen derzeit die Sanierungsarbeiten an den Werkleitungen und die Arbeiten zur Erneuerung des Belages. Auch die im Jahr 2008 bewilligte Umgestaltung des oberen Postplatzes wird umgesetzt, wie das städtische Baudepartement meldet. «Der Fund hat keine Auswirkungen auf den Terminplan», sagt Stadratsvizepräsident und Vorsteher des Baudepartements André Wicki.

Der Fund wird durch das kantonale Amt für Denkmalpflege und Archäologie untersucht. Laut Amtsleiter Stefan Hochuli war der Geissweidturm Teil der ab 1478 erbauten zweiten, äusseren Stadtbefestigung. Allerdings fehlen Aussagen zum Aussehen und Baudatum. Der Turm wurde durch einen Blitzeinschlag 1526 zerstört. Das Gebäude wurde bis dahin gebraucht, um Schiesspulver einzulagern.

1842 wurde der Turm abgebrochen

Nachdem der Turm durch den Blitzeinschlag zerstört worden war, wurde er wieder aufgebaut. Der Rundturm ist auf der Ansicht der Stadt Zug in der Chronik des Johannes Stumpf von 1547 erstmals abgebildet. «Spätmittelalterliche Wehranlagen sind schweizweit meist nur noch fragmentarisch erhalten, da im 19. Jahrhundert vielerorts die nunmehr nutzlosen Befestigungsanlagen abgetragen wurden», heisst es in der Mitteilung weiter.

So auch in Zug. Hier wurden zwischen 1835 und 1879 insgesamt sieben Türme und Tore abgebrochen. 1842 war der Geissweidturm an der Reihe. «Umso wertvoller sind die noch bestehenden Mauerreste. Sie leisten einen wichtigen Beitrag für die Erforschung der mittelalterlichen Stadtbefestigung von Zug», lässt sich Amtsleiter Stefan Hochuli in der Mitteilung zitieren. Übrigens: Offenbar wurden die abgetragenen Steine gemäss Zuger Neujahrsblatt von 1912 zum Bau des neuen Theaters verwendet.

Umrisse werden in der Pflästerung sichtbar sein

Ganz unerwartet kommt der Fund des Fundaments des Geissweidturms nicht. «Schon im Konzept zur Umgestaltung des Postplatzes war vorgesehen, den Grundriss des Turms in der Pflästerung abzubilden», sagt André Wicki. Der Standort des Turms war bekannt und die nun gefundenen Überreste geben ein Bild der Dimensionen. Wicki dazu: «Historische Funde und deren Dokumentation sind wichtig, um unsere Zuger Geschichte zu verstehen. Es freut mich als Vorsteher des Baudepartements besonders, wenn wir mit unseren Sanierungsarbeiten dazu beitragen können.»

Die Untersuchungen des kantonalen Amts für Denkmalpflege und Archäologie werden in den nächsten Tagen abgeschlossen. Danach wird die Fundstelle mit einem Vlies abgedeckt, damit bei künftigen Grabungsarbeiten die noch vorhandenen Mauerreste nicht beschädigt werden. Auch die Arbeiten an den Werkleitungen in der St.-Antons-Gasse und an der Schanz sind beendet, sodass die Baugrube in der nächsten Woche geschlossen werden kann. André Wicki rechnet damit, dass die Arbeiten planmässig zum Märlisunntig am 9. Dezember beendet sind – «und das mit tieferen Kosten», so André Wicki.

Sollte der zurzeit vor Verwaltungsgericht hängige Entscheid verlangen, die Parkplätze auf dem oberen Postplatz seien zu erhalten, so könnten sie ohne grossen Aufwand wieder markiert werden. Dass dies passiert, damit rechnet der Stadtrat allerdings nicht.

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