GEMEINDERATING: Zug muss ersten Rang abgeben

Die «Weltwoche» hat erneut die attraktivsten Gemeinden gekürt. Dabei ist Zug nach hinten gerutscht – wie auch andere Kommunen.

Rahel Hug
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«Nur noch» Silber: Zug belegt den zweiten Platz im neuen Gemeinderating – nach der Zürcher Gemeinde Uetikon am See. (Bild Stefan Kaiser)

«Nur noch» Silber: Zug belegt den zweiten Platz im neuen Gemeinderating – nach der Zürcher Gemeinde Uetikon am See. (Bild Stefan Kaiser)

Rahel Hug

Welches sind die attraktivsten Gemeinden im Land? Dieser Frage geht die «Weltwoche» jeweils in ihrem jährlichen Gemeinderating nach. In der laut eigenen Angaben «mit Abstand grössten und umfangreichsten Untersuchung» hat das Wochenmagazin heuer 921 Kommunen bewerten lassen – das sind alle Schweizer Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern.

Dass Zug in Sachen Lebensqualität ganz vorne mitmischt, ist allseits bekannt. So durfte sich die Stadt Zug in den letzten beiden Jahren die Goldmedaille umhängen. Auf der aktuellen Rangliste, erschienen ist sie am 27. August, ist die Kantonshauptstadt allerdings einen Platz nach hinten gerutscht. Den Rang abgelaufen hat Zug die Zürcher Gemeinde Uetikon am See, die neu die Nummer eins ist. Uetikon schneidet insbesondere in den Kategorien Bevölkerungsstruktur, Schulen und Bildung sowie Sicherheit und Kriminalität besser ab als Zug.

Neu 40 Kennzahlen

Während die Gemeinden in den vergangenen Jahren anhand von 20 Kriterien beurteilt wurden, sind es dieses Jahr erstmals 40 Kennzahlen. Mit der neuen Methodik treten wirtschaftliche Kriterien mehr in den Hintergrund, und Faktoren, die die unmittelbare Lebensqualität erfassen, bekommen mehr Gewicht, wie es in der aktuellen Ausgabe der «Weltwoche» heisst. So sind etwa die Kriterien Bildung und Schulen oder Sicherheit neu hinzugekommen. Und genau in diesen Kategorien schneidet das 6000-Seelendorf Uetikon besser ab als Zug.

«Wenn man den Faktor Sicherheit betrachtet, dann haben ländliche Gemeinden einen besseren Stand als städtische Gebiete», erklärt sich Zugs Stadtpräsident Dolfi Müller dieses Ergebnis. Man dürfe das «Weltwoche»-Rating zwar nicht überschätzen, trotzdem aber freue er sich über den zweiten Platz: «Die Messgrössen ändern sich, und wir mischen immer noch vorne mit. Das ist doch ein gutes Zeichen und beweist eine gewisse Konstanz.»

Während die Stadt Zug in den verschiedenen Kategorien durchs Band gut abschneidet, findet sie sich auch auf einer weniger erfreulichen Liste wieder: Was die grössten Preissteigerungen bei Immobilien in drei Jahren anbelangt, gehört Zug zu den Hotspots – mit 42 Prozent. «Das ist natürlich nicht erfreulich, aber hier geraten wir in einen Zielkonflikt», sagt dazu Dolfi Müller. Je schöner ein Ort werde, desto begehrter sei er. «Das ist eine klassische Kehrseite der Attraktivität.»

In den letzten Ratings haben es jeweils bis zu sechs Zuger Gemeinden in die Top 10 geschafft. So waren 2014 neben Zug auch Steinhausen (3. Platz), Risch (4.), Oberägeri (6.), Neuheim (7.) und Baar (9.) unter den besten zehn. All diese Gemeinden sind nun zurückgefallen. Unter den besten 100 finden sich neben Zug Cham (17. Platz), Risch (18.), Baar (24.), Unterägeri (50.), Neuheim (90.), Oberägeri (98.) und Steinhausen (100.). Hünenberg (176.), Walchwil (216.) und Menzingen (342.) haben es nicht unter die attraktivsten 100 geschafft.

Dass «seine» Gemeinde auf den 98. Rang zurückgefallen ist, nimmt Oberägeris Gemeindepräsident Pius Meier sportlich. «Ein Platzerhalt wäre natürlich schmeichelhafter gewesen», sagt er. Der Platzverlust stehe aber wohl in engem Zusammenhang mit dem neuen Bewertungssystem und sei deshalb differenziert zu betrachten. Überrascht habe ihn der schlechte Rang in der Kategorie Bildung. Meier will deshalb das Ergebnis im Gemeinderat diskutieren: «Insbesondere die Platzierung der Bildung werden wir analysieren.»

«Hervorragende Infrastruktur»

Ebenfalls einen schlechten Rang in dieser Kategorie hat Baar erreicht. Für die Neuigkeit hat Gemeindepräsident Andreas Hotz allerdings nur ein müdes Lächeln übrig: «Wer Baar nur ein wenig kennt, weiss, dass wir über eine hervorragende Infrastruktur im Bildungsbereich verfügen», sagt er. Ausserdem befinde sich die renommierte International School auf Baarer Gemeindegebiet. Freuen darf sich Hotz hingegen über den Rang im Bereich Steuerbelastung. Dort ist Baar die Nummer eins der Schweiz. Trotzdem: Das Rating habe für ihn persönlich keine grosse Bedeutung, hält Andreas Hotz fest: «Dem Gemeinderat und dem grössten Teil der Bevölkerung ist auch ohne Rating bewusst, wie hoch die Lebensqualität bei uns ist.»