Leserbrief

Gemeinsamkeit: Die Angst vor Schwäche

Zu den eidgenössischen Abstimmungen am 27.September

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Beim Lesen all der Meinungen und Argumente über Jagdgesetz, Begrenzungsinitiative, Kampffliegerbeschaffung ist mir ein Zusammenhang zwischen den Themen aufgefallen. Wir haben Angst vor dem Wolf, dem «ausländischen» Mitmenschen und begegnen wollen wir dem Ganzen mit Kampftechnik. Den Wolf regeln wir mit dem Gewehr und die Bedrohung unserer sogenannten Unabhängigkeit mit noch gröberem Geschütz. Mir ist auch aufgefallen, dass es Meinungen gibt, die einen Mehrwert im guten Zusammenleben mit Nachbarn sehen, und im Auftauchen des Wolfes eine Bereicherung unserer Gegend erkennen. Ich sehe in den teils sehr einseitigen Parolen eine Angst. Angst vor Schwäche, Angst davor sich nicht zutrauen zu können mit Veränderung umzugehen. Eine erste Reaktion ist naheliegend: Das Problem wegmachen, erschiessen, verbieten, auf jeden Fall den alten Zustand erhalten und die Freiheit und Unabhängigkeit der Schweiz loben, und uns auf keinen Fall mit unserer Angst beschäftigen. Ich habe keine Angst vor dem Wolf, brauche keine Begrenzungsinitiative und auch keine neuen Kampfflieger. Ich will einen steten Austausch mit den Nachbarn in einer respektvollen Art und Weise. Wir sind nicht mehr die von der Schweizer-Geschichte verherrlichten Kampfmaschinen und Helden, aber die meisten sind empathische, intelligente Menschen, die ihre Probleme mit Verhandlungen und Weitsicht lösen, weil es ganz klar effizienter ist. Bleibt gesund und haltet genug Distanz vor Krankmachendem.

Marcel Schneider, Cham