Kunstprojekt
Über 1100 gestrickte und gehäkelte Quadrate zieren nun das Birkenwäldli in Unterägeri

Das Birkenwäldli kommt im neuen Kleid daher. Viele Freiwillige haben in unzähligen Stunden dafür gehäkelt und gestrickt. Verantwortlich dafür sind Ynke Feenstra und Fiona Barbagallo.

Carmen Rogenmoser
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Unter dem Motto «Aegeri Farbig» kleiden Ynke Feenstra (links) und Fiona Barbagallo (rechts) mit vielen Helfern Bäume und andere Objekte mit Garn ein.

Unter dem Motto «Aegeri Farbig» kleiden Ynke Feenstra (links) und Fiona Barbagallo (rechts) mit vielen Helfern Bäume und andere Objekte mit Garn ein.

Bilder: Stefan Kaiser (Unterägeri 01. April 2021)

Bäume und Objekte, eingepackt in kunterbunte Woll- und Garnarbeiten. Strick-Graffiti nennt sich das – und ist, wie so viele Innovationen, von den USA zu uns nach Europa geschwappt. Seit einigen Tagen findet man diese spezielle Strassenkunst auch im Birkenwäldli in Unterägeri. Initiantinnen sind die Nachbarinnen und Freundinnen Ynke Feenstra und Fiona Barbagallo. «Aegeri Farbig» nennen sie ihr öffentliches Garnprojekt.

«In der schwierigen Coronazeit wollen wir damit ein buntes Zeichen setzen», sagt Ynke Feenstra. Die beiden haben dazu einen Flyer und eine Website kreiert. Von den Rückmeldungen auf ihr Projekt seien sie und Fiona Barbagallo «überwältigt» gewesen. Bis Mitte März konnte man seinen Handarbeitsbeitrag abgeben. Über 1133 Quadrate in der Grösse von 25 mal 25 Zentimeter sind zusammen gekommen - drei Mal mehr als ursprünglich eingeplant.

Baumstämme im neuen Kleid nach Mass.

Baumstämme im neuen Kleid nach Mass.

Die gestrickten und gehäkelten Teile sind zu Girlanden, Zaunpanelen und Birkenjacken, aber auch Pompons und Brückenblumen zusammengenäht worden. Jeder Baum und jedes Objekt bekommt so ein massgeschneidertes Kleid. Auch unzählige 3D-Häkeltiere befinden sich in der Zwischenzeit im Lager der beiden Frauen. Ynke Feenstra und Fiona Barbagallo haben im Vorfeld alles abgemessen - ein riesengrosser Aufwand. «Noch haben wir den Überblick», sagt Ynke Feenstra und lacht. Und sie haben viel Unterstützung. «Ein Team von rund 30 freiwilligen Frauen hilft uns mit der Arbeit.» Auch die Gemeinde war vom Projekt angetan und erteilte die notwendige Bewilligung ohne Vorbehalt.

Der «Versuchsbaum» steht im eigenen Garten

Angefangen aber hat alles im März des letzten Jahres mit einem Baum, der genau auf der Grenze der Gärten von Ynke Feenstra und Fiona Barbagallo steht. Diesen wollte Ynke Feenstra, der Strickgraffiti bereits ein Begriff war, einkleiden. Fiona Barbagallo gefiel die Idee. Gleichzeitig engagierten sich die beiden in einem privaten Projekt, bei dem einer Freundin als Geschenk eine gemeinsame Patchworkdecke aus ebensolchen Quadraten fabriziert wurde. «Es war sehr schön, gemeinsam ein Projekt zu machen, und es war uns Inspiration für etwas noch grösseres», so Feenstra.

Es soll ein Projekt sein, dass für alle offen ist, für Ausländerinnen - wie es Feenstra und Barbagallo sind - und für Einheimische, für Jung und Alt, für die handwerklich Begabten und diejenigen, die etwas Neues ausprobieren möchten. «Wir wollten uns produktiv, bedeutend, beschäftigt, integriert und verbunden fühlen. Es ist unser Beitrag für die Gemeinschaft in dieser schweren Zeit.»

Ziel war es, 13 Bäume einzupacken, das Bogenbrüggli etwas farbiger zu machen und das Ganze mit rund 200 Blumen zu ergänzen. In der Zwischenzeit ist das alles viel grösser geworden. «Es kamen mehr und mehr Leute dazu, auch Schulklassen und Bewohner des Zentrums Chlösterli haben sich beteiligt», erzählt Australierin Fiona Barbagallo. Sie wohnt wie Ynke Feenstra, die ursprünglich aus Holland kommt, seit knapp drei Jahren in Unterägeri. Viele der Beteiligten – es sind überwiegend Frauen – tauschen sich in der eigens dafür gegründeten Whatsapp-Gruppe aus. «Dort wird oft zwei- oder dreisprachig kommuniziert», sagt Barbagallo.

Gemeinsam etwas kreieren

Die neusten Kreationen werden geteilt und Tipps ausgetauscht. «Es ist überwältigend, wie kreativ einige sind. Es werden eigene Maschen entwickeln und unglaubliche Farbkombinationen gewagt», sagt Ynke Feenstra, die selber seit rund zehn Jahren häkelt. Fiona Barbagallo strickt und häkelt, oft mit ihrer 12 Jahre alten Tochter, die das in der Schule gelernt hat.

Einige der 30 Freiwilligen, die Feenstra und Barbagallo unterstützen.

Einige der 30 Freiwilligen, die Feenstra und Barbagallo unterstützen.

Neben der Gemeinschaft war den beiden Frauen ein Anliegen, dass das Projekt umweltfreundlich ist. «Wir haben so viel wie möglich mit Restwolle gearbeitet und auch viele Woll-Spenden erhalten», erklärt Fiona Barbagallo und ergänzt mit einem Augenzwinkern: «Für die Bäume ist die Kleidung im Übrigen nicht schädlich.» Das hätten sie abgeklärt.

Das Birkenwäldli wird wohl bis Ende Mai so farbenfroh daherkommen. Dann werden die Kunstwerke wieder entfernt. «Je nach Qualität der Decken entscheiden wir, was damit geschieht. Vielleicht installieren wir sie noch irgendwo anders», sagt Ynke Feenstra. Oder es werden daraus Outdoordecken und -kissen, oder Decken für ein Tierheim. «Das Projekt wird uns noch eine Weile beschäftigen, aber wir sind uns sicher, dass wir auch beim Abbau wieder auf viele Freiwillige zählen können.»

Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter: www.aegerifarbig.ch