kolumne
Seitenblick: Gendergerechte Sprache

Unsere Autorin über die Schwierigkeiten, die gendergerechte Sprache für Schreiber*innen (oder Schreiber/Schreiberinnen oder Schreibende) birgt.

Cornelia Bisch
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Cornelia Bisch.

Cornelia Bisch.

Für uns Schreiberlinge stellt sich die Genderfrage in fast jedem unserer Berichte. An die Rechtschreibregeln gebunden, die übermütige Improvisationen mit Sternchen und Grossbuchstaben inmitten von Wörtern ausschliessen, haben wir nur die Wahl, wertvolle Buchstaben für die jeweils weibliche und männliche Form aufzuwenden und die Texte dadurch umständlich und wenig leserfreundlich zu gestalten, oder uns für die rein männliche Form zu entscheiden, was wiederum dem Gendergedanken zuwiderläuft.

Wenn möglich, weichen wir auf geschlechtsneutrale Begriffe wie Studierende oder Lehrpersonen aus. Bei abenteuerlichen Kreationen wie Zu-Fuss-Gehende als Ersatz für Fussgänger oder SuS für Schülerinnen und Schüler müssen wir jedoch passen. Im Plural nur die weibliche Form zu wählen, ist im Grunde sprachlich nur dann korrekt, wenn es sich ausschliesslich um Frauen handelt. Der männliche Begriff hingegen umfasst beide Geschlechter.

Unsere Sprache hinkt der Gendergerechtigkeit also hinterher. Ist das schlimm? Sollte es neue Rechtschreibregeln geben? Ich bin in dieser Frage unschlüssig. Als Frau stört es mich eigentlich nicht, wenn in einem Text nicht andauernd beide Formen verwendet werden. Aber natürlich ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, dass ich im täglichen Leben ebenso respektiert werde wie ein Mann.

Kürzlich erschrak ich über eine eigene Reaktion in diesem Zusammenhang. Ich beschrieb ein Fest der Katholischen Kirche und kontaktierte Katechetinnen und Pastoralraumleitende aus mehreren Zuger Gemeinden. Unter den leitenden Personen befand sich eine Frau, eine studierte Theologin, die ich automatisch in den Reihen der Katechetinnen unterbrachte, ohne genau nachzufragen. Sie klärte mich freundlich auf, was in mir ein Gefühl der Beschämung hinterliess. Vielleicht ist dieser Fauxpas insofern verständlich, als dass die Katholische Kirche nicht mit eben vielen Frauen in leitenden Positionen aufwartet. Umso wichtiger ist deren Anerkennung.

Was in den Köpfen und Herzen der Menschen passiert, ist also sicher entscheidender als die Anwendung einer gendergerechten Sprache. Und dennoch, sie – die Sprache – könnte eine Brücke sein.