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Kolumne

Generation Handynacken

Redaktorin Laura Sibold über moderne, körperliche Beschwerden, verursacht durch zu üppigen Handykonsum.
Laura Sibold
Laura Sibold, Redaktorin Zuger Zeitung

Laura Sibold, Redaktorin Zuger Zeitung



Ein Ziehen in der Schultergegend, ein Zwicken im Nacken – komme ich abends von der Arbeit nach Hause, wiederholt sich das Szenario: Meine Halsmuskulatur fühlt sich an, als hätte ich im Imax-Kino in der ersten Reihe 30 Minuten lang den Kopf in den Nacken gelegt. Die Wahrheit ist weniger dramatisch. Das allabendliche Zwicken kommt vom «Auf-den-Handy-Bildschirm-Starren».

Sei es am Bahnhof oder in der S-Bahn: Schon wenige Minuten Wartezeit überbrücke ich mit einem Blick aufs Smartphone. Als der Akku letzte Woche auf dem Heimweg unerwartet zur Neige ging, wurde mir aber bewusst, dass ich mit meiner Angewohnheit nicht alleine bin. Zur Feierabendzeit finden sich auf den Perrons mehr Pendler mit Handy in der Hand als ohne.

Im Zug wird’s nicht besser. Ein Teenager tobt sich auf Snapchat aus, ein Rentner übt sich im Online-Jass. Eine Frau telefoniert lautstark, sie kocht Spaghetti zum Znacht. Hätte mein Handy Akku, würde ich Rezepte googeln. Ich könnte den Sitznachbarn nach Ideen fragen, er ist aber in eine Netflix-Serie vertieft. Und sowieso: Im ÖV redet man nicht. Wage ich es zu grüssen und die obligate Frage «Ist hier noch frei» zu stellen, ist der Angesprochene überrascht – oder die Kontaktaufnahme wird dank Kopfhörern nicht bemerkt.

Fortschritt ist gut und recht, auch das Smartphone nützlich und nicht mehr wegzudenken. Dennoch empfinde ich gewisse Entwicklungen als bedauernswert. Googeln, wo man auch jemanden fragen könnte, oder ständiges Simsen, wenn man sich auf einen Kaffee treffen könnte. Und der Handynacken: Auf dem Heimweg bin ich nicht die Einzige, die sich den Hals massiert.

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