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Geplanter Nuggi hat es schwer

Die Geldsammlung im Internet ist ein Reinfall, die Verantwortlichen aus Steinhausen zeigen sich selbstkritisch.
Raphael Biermayr
Der digitale Nuggi soll Eltern von überall her die Überwachung ihres Babys ermöglichen. (Bild: Screenshot Werbefilm Swiss Baby GmbH)

Der digitale Nuggi soll Eltern von überall her die Überwachung ihres Babys ermöglichen. (Bild: Screenshot Werbefilm Swiss Baby GmbH)

Die in Steinhausen ansässige Firma Still Baby GmbH erfreute sich unlängst medialer Aufmerksamkeit. Sie verfolgt Pläne für einen «Hightech-Nuggi». Dieser soll die Nerven von Eltern schonen – dank totaler digitaler Überwachung des Babys. So soll sich im Nuggi etwa eine Kamera befinden, sollen die Herzfrequenz und die Körpertemperatur gemessen werden und soll man über das Handy von überall her mit dem Baby sprechen können.

Die Idee dazu stammt von der Chamerin Manuela Schaad, die die Hintergründe in einem von mehreren Filmen erläutert, die auf der Website des Unternehmens zu finden sind. Darin zeichnet die zweifache Mutter ein Bild des monatelangen Stresses infolge Schlafmangels und der wiederkehrenden Angst vor dem Kindstod.

Es gibt noch keinen Prototyp

Dem sollen die Daten der zahlreichen technischen Spielereien im Nuggi vorbeugen. Die Steinhauser Firma will diesen über Crowdfunding realisieren – satte 180000 Franken will sie erzielen. Sollte das klappen, wäre das allerdings noch keine Garantie für die serielle Produktion. Denn zuerst müsste – nachweislich in Zusammenarbeit mit einem Institut der Hochschule für Technik Rapperswil – ein Prototyp hergestellt werden.

Auf der Website der Still Baby GmbH ist in den Details zur Finanzierung nachzulesen: «Kann der digitale Schnuller aus irgendwelchen Gründen nicht wie gewünscht in Serie produziert werden oder gibt es während der Produktion sonst wie einen Abbruch, haben alle das investierte Geld verloren – auch wir!» Das schreckt wohl potenzielle Unterstützer ab, genauso wie die Tatsache, dass die Firma derzeit keinen genauen Verkaufspreis für den Nuggi nennen kann. Die Finanzierung wird denn auch kaum zu Stande kommen: Beim Abschluss dieses Artikels gestern waren – nach zwei Wochen und noch 30 verbleibenden Tagen – erst 3916 Franken zusammen.

Das Crowdfunding splitten

Was sagen die Verantwortlichen dazu? Auf Anfrage unserer Zeitung verweist der Geschäftsführer, der Steinhauser Roland Kirchhofer, an Ernst Widmer, den Zuständigen für die Öffentlichkeitsarbeit. Dieser äussert sich selbstkritisch. «Wir hätten das Crowdfunding splitten sollen, also zuerst einen tieferen Betrag festsetzen, der nur für die Herstellung eines Prototyps sowie Tests benötigt wird.» Seine Hoffnungen gelten angeblichen bevorstehenden Gesprächen mit zwei möglichen Investoren. Dabei handle es sich um eine ausserkantonale Firma sowie eine Privatperson aus dem Kanton Zug.

Seit der Veröffentlichung ihrer Pläne sieht sich die Still Baby GmbH auch Kritik ausgesetzt, bestätigt Ernst Widmer. Die Kommentare unter einem Artikel bei «20 Minuten» sind mehrheitlich negativ. «Das ist der Horror», sagt Widmer, «allerdings kenne ich die Hintergründe der Personen, die kommentierten, nicht. Denn wer Kinder hat, weiss, wie hilfreich ein solcher Nuggi sein könnte», sagt der dreifache Vater, dessen Frau dem Vorhaben zunächst ebenfalls ablehnend gegenübergestanden sei. Eine Umfrage «bei fast 1000 Personen» habe indes ergeben, dass gerade Mütter mit Kleinkindern offen dafür seien. Widmer sieht sich und seine Mitstreiter in der Tradition grosser Erfinder: «Auch bei der Vorstellung der ersten Handys herrschte Skepsis, heute laufen alle mit einem herum.»

In den USA ist man gegenüber technischen Neuerungen im Zusammenhang mit Babys anscheinend aufgeschlossener. Die Firma Pampers hat im Sommer die smarte Windel vorgestellt: Dank eines Sensors wissen die Eltern per App unter anderem, wann der Sprössling sich erleichtert hat.

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