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GERHARD PFISTER: «Ich fasse die Leute nicht mit Samthandschuhen an»

Er gehört zu den politischen Schwergewichten. Gerade deswegen ist der Nationalrat nicht Everybody’s Darling. Über die Zuger Politik hat er eine klare Meinung.
Freddy Trütsch
Der Zuger Nationalrat Gerhard Pfister: «Wir Schweizer reden uns zu schnell schlecht.» (Bild: Keystone)

Der Zuger Nationalrat Gerhard Pfister: «Wir Schweizer reden uns zu schnell schlecht.» (Bild: Keystone)

Politik ist sein Leben. Gerhard Pfister (51), Doktor der Philosophie, sitzt seit 2003 als Zuger Vertreter im Nationalrat und zeigt nicht die geringsten Ermüdungserscheinungen. Wenn die Zuger ihn im Herbst 2015 wieder wählen, dann würde er sich nicht weigern, auch während einer vierten Amtsperiode in Bern zu politisieren. Die «Neue Zürcher Zeitung» beschreibt ihn als typischen Zuger Christdemokraten: bürgerlich, wirtschafts- und gewerbefreundlich, Verfechter des (Steuer-)Wettbewerbs, Föderalist. Der «Tages-Anzeiger» hat unlängst ein Porträt über ihn mit «Der Hardliner» übertitelt. Er trimme seine Partei auf Rechtskurs, schrieb der Verfasser. Gerhard Pfister lächelt darüber, als wir ihn bei unserem Besuch in Bern in der Wandelhalle damit konfrontieren. Laut dem letzten Rating in der NZZ sei er ja um 1,5 Punkte nach links gerutscht. Doch er habe das Parteibuch deshalb nicht gewechselt. Dieser Rutsch hatte einen ganz einfachen Grund: In der Energiefrage hat er sich nicht gegen die CVP-Bundesrätin gestellt.

Gerhard Pfister, Sie werden auch als unzugänglich und elitär beschrieben. Sie hätten weder Zeit noch Interesse an privaten Gesprächen. Wie sehen Sie sich?

Pfister: Ich erhalte innerhalb der Fraktion Zuspruch, aber es gibt auch Kolleginnen und Kollegen, die mich nicht so mögen. Ich fasse halt manchmal Leute nicht mit Samthandschuhen an. Ich pflege eine deutliche Sprache, rede angriffig. Ausserdem besuche ich die Lobbyisten-Essen eher selten. Was man mir bei solchen Gelegenheiten sagen will, dafür genügt auch eine E-Mail.

Apropos Freunde, hat die Schweiz welche?

Pfister: Staaten haben keine Freunde, sie haben Interessen. Trotzdem muss man gute Kontakte haben und sie auch entsprechend pflegen.

Kürzlich stellten Sie fest, die Schweiz sei das wettbewerbsfähigste Land, verfüge über eines der besten Vorsorgesysteme, und die Bildung sei ebenfalls top. Geht es uns wirklich so gut?

Gerhard Pfister: Im Vergleich mit praktisch jedem anderen Land auf dieser Welt ist die Schweiz wirklich top, wobei wir noch Verbesserungspotenzial haben. Die Gefahr, dass wir von diesem Erfolgspfad abweichen, ist jedoch vorhanden.

Abweichen mit Begehren wie Mindestlohn, Erbschaftssteuer, Abschaffung der Pauschalsteuer oder Begrenzung der Masseneinwanderung?

Pfister: Wir müssen den Schweizern gerade im Hinblick auf solche Initiativen von links und rechts klarmachen, dass dies Probleme eines sehr erfolgreichen und reichen Landes sind. Ein extrem erfolgreiches Land hat halt Zuwanderung oder hohe Mieten.

Verstehen Sie, dass sich viele Schweizer wegen des grossen Wachstums Sorgen machen?

Pfister: Ja, absolut. Aber für den Wohlstand gibt es aus meiner Sicht keine Alternativen.

Was fehlt Ihnen in der Schweiz?

Pfister: Der politischen Führung fehlt das Selbstbewusstsein.

Und der Bevölkerung?

Pfister: Die Zufriedenheit. Wir könnten verschiedene Probleme gelassener, weniger polemisch angehen. Wenn ich mir vor Augen führe, mit welcher Gehässigkeit wir manchmal diskutieren, fehlt mir dabei die Einsicht, wie gut es uns geht.

Denken Sie an etwas Spezielles?

Pfister: Schauen Sie doch mal, wie man auf die Grossbanken und die grossen Firmen eindrischt. Man kann dies zwar machen, aber eigentlich sind dies Wohlstandsprobleme. Wir reden uns zu schnell selber schlecht.

Der Kanton Zug fühlt sich manchmal allein gelassen. Realität oder Einbildung?

Pfister: Der Kanton Zug ist in der Schweiz das, was die Schweiz in der Welt ist – ein kleiner Sonderfall. Allerdings bin ich etwas irritiert über den Stimmungswechsel im Kanton.

Stimmungswechsel?

Pfister: Plötzlich empfindet man die Rohstofffirmen als Belastung. Auch die Regierung beginnt, sich von diesen Firmen zu distanzieren, ohne zu sehen, wem der Kanton den Wohlstand auch verdankt. Man muss sie ja nicht generell sympathisch finden. Doch wir beginnen kaputtzumachen, was wir bis anhin sehr gut gemacht haben. Das ist politisch fragwürdig. Wenn eine Regierung Erfolgsmodelle anzweifelt und dies auch noch öffentlich tut, dann wird sie angreifbar. Die Äusserungen des Zuger Volkswirtschaftsdirektors sind deshalb Wasser auf die Mühlen der Linken.

Mit dem Finanzausgleich (NFA) tun wir Zuger uns nicht gerade leicht. Denken Sie, dass sich bei der Verteilung überhaupt etwas ändern lässt?

Pfister: Demnächst wird der Wirkungsbericht veröffentlicht, und Peter Hegglin hat an der CVP-Klausur die Möglichkeit, diesen vorzustellen.

Aber Peter Hegglin ist Präsident der Finanzdirektorenkonferenz. Kann er die Zuger Sichtweise überhaupt mit dem nötigen Nachdruck vertreten?

Pfister: Nun, ich bin nicht sehr glücklich, dass er Präsident dieser Konferenz ist. Und Sie haben recht: Seine Äusserungen werden nicht gleich pointiert sein. Als Finanzdirektor hätte er die Zuger Anliegen klarer vertreten können. Mit seiner Wahl zum Präsidenten hat man eine wichtige Zuger Stimme neutralisiert.

Die Unternehmenssteuerreform III steht an, und der Kanton Zug fürchtet zusätzliches Ungemach.

Pfister: Die EU will ja, dass es bei der Besteuerung der Unternehmen keine Unterschiede gibt. Diese Angleichung kann aber nur der Kanton Zug verkraften. Wenn Zürich oder Genf das auch umsetzen müssten, dann wären die Steuerausfälle enorm. In dieser Frage muss sich Zug bewegen und mithelfen für eine Lösung, die auch für andere Kantone verkraftbar ist. Aber: Wir müssen den Druck auf den Bundesrat erhöhen, dass er gegenüber der EU nicht vorzeitig einknickt.

«Gerhard Pfister ist ein Macher. Ein Alphatier», behaupten Politbeobachter. Tatsache ist: Er reisst Themen an und prescht dabei vor. Pfister bestreitet nicht, dass er Kritiker oder Gegner schon mal in den Senkel stellt und dabei heftig werden kann. Kurz und gut: Gerhard Pfister hat in seiner Fraktion nicht nur Freunde und Bewunderer. Er polarisiert. Jetzt sucht aber die CVP-Fraktion einen Nachfolger für den abtretenden Fraktionschef Urs Schwaller. Gewählt wird am 14. Januar 2014. Die Diskussion läuft seit Wochen. Brisant: Chef der Findungskommission ist ein Zuger Ständerat – Peter Bieri.

Gerhard Pfister, Fraktionschef – wäre dies nicht ein Posten für Sie?

Pfister: Grundsätzlich übernehme ich gerne Führungsverantwortung. Es ist auch eine Ehre, wenn man als potenzieller Kandidat für ein Amt gehandelt wird. Ich habe aber die Meldefrist bis zum 8. November ungenützt verstreichen lassen.

Das heisst: Gerhard Pfister steht nicht zur Verfügung?

Pfister: Ich habe mir diesen Schritt gut überlegt und kam aus drei Gründen zur Erkenntnis, dass ich mich nicht um den Fraktionschef bemühe. Einmal erlaubt es mir meine berufliche Situation nicht, dieses Amt zu übernehmen, denn ich bin noch in einer Übergangsphase operativ für das Institut Montana tätig. Beide Tätigkeiten sind zeitlich nicht vereinbar. Ich musste mir ferner überlegen, ob ich überhaupt bereit wäre, andere Positionen als bis anhin einzunehmen. Ich repräsentiere schliesslich in der CVP den Wirtschaftsflügel; als Fraktionschef könnte ich dies jedoch nicht mehr tun.

Und drittens?

Pfister: Die Einsicht, dass ich mir mit meinen klaren Ansichten in der Fraktion nicht nur Freunde mache. Das heisst: Die nächsten ein, zwei Jahre vertrete ich weiter meine Positionen, meine Politik. Ich sehe keinen Grund, daran etwas zu ändern. Ich denke, dass ich so auch der Zuger CVP mehr bringe.

Die CVP Schweiz sucht in zwei Jahren einen neuen Präsidenten – würde Sie diese Aufgabe reizen?

Pfister: Ich bin schon jetzt Mitglied des Präsidiums. Im Moment ist es noch zu früh, um dazu konkret etwas zu sagen.

Als Parteipräsident müssten Sie ausgleichend wirken. Wären Sie dafür bereit?

Pfister: Ich bin und bleibe ein CVPler. Ich habe mich noch nie vor Verantwortung gedrückt. Aber ich müsste schon die Gewissheit haben, dass ich am Kurs der CVP etwas verändern könnte.?

Sie würden die Partei wieder näher an die Wirtschaft rücken wollen?

Pfister: Zum Beispiel. Nur Präsident zu sein, wäre jedenfalls keine Herausforderung für mich.

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