Gericht verurteilt Karl Betschart

Der ehemalige Kantonsratspräsident und jetzige Gemeinderat von Baar hat 460'000 Franken veruntreut. Dies hat das Kantonsgericht festgestellt.

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Karl Betschart. (Bild: Archiv Neue ZZ)

Karl Betschart. (Bild: Archiv Neue ZZ)

800 000 Franken muss der Baarer Gemeinderat Karl Betschart bezahlen. Das hat das Zuger Kantonsgericht am 3. November erstinstanzlich entschieden. Es sprach Betschart schuldig, 460 000 Franken von Konten der Bildex AG, einer holländischen Firma, die er treuhänderisch verwaltete, veruntreut zu haben. Das Geld soll er in seine eigene Tasche abgezweigt haben und für verschiedene Zahlungen verwendet haben – unter anderem zur Begleichung einer Steuerrechnung. Mit den Zinsen, der Prozessentschädigung für die Klägerin und den Verfahrenskosten kommen die besagten 800 000 Franken zusammen.

Nun droht eine Anklage

Das Urteil ist allerdings erst rechtskräftig, wenn die 30-tägige Beschwerdefrist abgelaufen ist. Doch dazu wird es nicht kommen: «Wir werden Berufung einlegen», sagt Karl Betschart. Zuerst werde er das Urteil aber mit seinem Anwalt im Detail analysieren. Doch bereits jetzt könne er sagen, «dass viele Aussagen in der Urteilsbegründung nicht stimmen». Zudem stört er sich an der öffentlichen Diskussion über den Prozess und das nun vorliegende Urteil. «Man will mich als Politiker von der Bildfläche verschwinden lassen», glaubt er. Eine Mitteilung der Baarer SVP lässt zumindest vermuten, dass ein Rücktritt Betscharts begrüsst würde. Man hoffe, dass Betschart die Schlüsse aus dem Urteil ziehe, schreibt die Partei. Der Baarer Gemeinderat stützt Betschart allerdings weiterhin. Es werde keine Rücktrittsforderung geben, stellt Gemeindepräsident Andreas Hotz klar. Das habe der Gemeinderat an der gestrigen Sitzung so besprochen. Druck werde der Gemeinderat erst aufsetzen, wenn ein strafrechtliches Urteil vorliege. Doch die Strafanzeige der Bildex AG ist noch bei der Staatsanwaltschaft hängig. Noch kam es zu keiner Anklage oder einem Strafbefehl.

Das könnte sich allerdings bald ändern: Die Staatsanwaltschaft benötigt für eine Anklage einen hinreichenden Tatverdacht. Mit dem nun vorliegenden Urteil des Kantonsgerichts müsste dieser Tatverdacht eigentlich gegeben sein. Denn das Kantonsgericht kommt in der Begründung der Zivilforderung zum Schluss, dass Karl Betschart die strafrechtlichen Tatbestände der ungetreuen Geschäftsbesorgung und der Falschbeurkundung erfülle.

Silvan Meier