GESAMTERNEUERUNGSWAHLEN: Zuger Regierung: Wo bleiben die Frauen?

Nach der Nominationsversammlung der FDP des Kantons Zug zeichnet sich ab, dass die Bürgerlichen möglicherweise keine Frauen für die Regierung nominieren. Für die Linke ist dies ein Affront.

Zoe Gwerder
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Dem Kantonsrat liegen für die morgige Sitzung im Regierungsgebäude 14 Vorstösse zum Überweisen vor. (Bild: Stefan Kaiser (26. Oktober 2016))

Dem Kantonsrat liegen für die morgige Sitzung im Regierungsgebäude 14 Vorstösse zum Überweisen vor. (Bild: Stefan Kaiser (26. Oktober 2016))

Zoe Gwerder

zoe.gwerder@zugerzeitung.ch

In der Zuger Regierung sind die Frauen untervertreten - eine Frau kommt auf sechs Männer. Und obwohl noch nicht klar ist, ob die einzige Regierungsrätin, Manuela Weichelt-Picard, wieder antreten wird, sieht es danach aus, als würden die bürgerlichen Partien einzig auf Männer setzten. So hat sich vergangenen Donnerstag die FDP gegen die exekutiverfahrene Steinhauser Gemeinderätin Carina Brüngger entschieden und zwei Männer nominiert, um ihre beiden abtretenden Regierungsräte zu ersetzten. CVP und SVP treten mit ihren bisherigen Regierungsräten – also Männern – wieder an.

Für Andreas Lustenberger, Präsident der Alternativen-die Grünen (ALG), ist es enttäuschend, dass die FDP die Chance nicht genutzt hat, eine Frau zu stellen. «Insbesondere, da es eine valable Frauenkandidatur gab.» Er betont, dass die Linke seit 12 Jahren die einzige Frau stellt. «Es ist aber nicht alleine unsere Aufgabe, für den Frauenanteil zu sorgen.» Die aktuelle Situation zeige, dass die Gleichstellung bei den bürgerlichen Parteien noch nicht angekommen sei.

«Die Erwartung an die SP nimmt zu»

Auch SP-Präsidentin, Barbara Gysel, ist der Meinung, dass der Linken die Verantwortung zugeschoben wird, Frauen für die Regierung zu stellen. «Bürgerliche und Linke stehen aber beidermassen in der Verantwortung.» Es sei wichtig, dass es sich nicht nur um «Dekorationskandidaturen» handle, sondern um Personen mit realistischen Wahlchancen. «An kompetenten Frauen mangelt es nicht.»

Für die ALG ändert sich die Strategie in der Kandidatensuche durch den Entscheid der FDP nicht. «Wir gehen davon aus, dass Manuela Weichelt uns nach den Frühlingsferien mitteilt, dass sie wieder antritt», erklärt Lustenberger. Wäre das nicht der Fall, werde die ALG eine geeignete Person ins Rennen schicken. Aber: «Wir sehen uns nicht in der Verantwortung, Frauen zu stellen.»

Für die SP hat sich mit den bürgerlichen Männer-Kandidaten die Ausgangslage leicht geändert. «Die Erwartung nimmt wohl zu, dass wir mit einer Frau antreten», so Gysel. «Im Fall von einem Rückzug von Regierungsrätin Weichelt müssen sich aber alle der Frage stellen.»

Ob die Frauen-Frage wirklich alleine in den Händen der Linken zu liegen kommt, ist jedoch noch nicht abschliessend klar. So hatte sich die CVP bei der Nomination ihrer beiden bisherigen Regierungsräte ausdrücklich offen gelassen, noch eine dritte Person nach zu nominieren. Und Vizepräsidentin Monika Barmet bestätigt denn auch, dass die Partei derzeit mit mehreren Personen im Gespräch sei. Dass nun möglicherweise eine gute Frauen-Kandidatur zu einem dritten Sitz verhelfen könnte, werde zwar als Ausgangslage miteinbezogen, «aber primär schauen wir auf uns selber».

Für die SVP scheint hingegen klar, dass es bei den bisherigen zwei Vorschlägen – den amtierenden Regierungsräten – bleiben wird. «Voraussichtlich werden wir an der Nominationsversammlung keine dritte Person zur Nomination vorschlagen», erklärt Daniel Staffelbach. Er ist Wahlkampfleiter der SVP. «Eine Frau aufzustellen, nur ihres Geschlechtes wegen, das wollen wir nicht»

Und auch die GLP bleibt bei ihrem Kandidatur-Entscheid: «Ich werde alleine antreten», erklärt Wahlkampfleiter und Regierungsratskandidat Daniel Stadlin. Dies habe aber einfache Gründe. «Unsere Partei ist nicht so gross, dass wir nun aus der Situation heraus einfach eine Frau aus dem Hut zaubern könnten.»

Hinweis

Die Nominationsversammlung der SP findet am 22. Mai statt. Jene der ALG am 23. Mai. Die SVP wird ihre Kandidaten am 7. Juni nominieren. Die CVP lässt den Zeitpunkt über den Entscheid einer allfälligen dritten Nomination noch offen.