GESCHICHTE: Als der Bus in Hünenberg ankam

Vor exakt einem halben Jahrhundert begann im Dorf das ÖV-Zeit­alter. Schon am ersten Tag sorgte allerdings ein Zwischenhalt in Cham für Verspätung.

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Der erste Bus der Zugerland Verkehrsbetriebe wurde in Hünenberg von der Bevölkerung bejubelt. (Bild: Walter Nigg)

Der erste Bus der Zugerland Verkehrsbetriebe wurde in Hünenberg von der Bevölkerung bejubelt. (Bild: Walter Nigg)

Klaus Meyer*

Heute jährt sich zum 50. Mal der Tag, an dem der erste Bus der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) in Hünenberg Station machte. Es war ein regnerischer Samstag. Damals wurde am Samstag noch Schule gehalten, doch von Unterricht war nicht viel zu spüren. Die ungefähr 200 Hünenberger Schulkinder fieberten dem Empfang der vier neuen ZVB-Busse entgegen. Die zehnköpfige Lehrerschaft (sie haben recht gelesen, zehn Lehrpersonen zählte damals Hünenberg) hatte alle Hände voll zu tun, die Mädchen und Knaben, alle im Sonntagsstaat, links und rechts der Chamerstrasse geordnet aufzustellen und ihnen ein Zuger oder Schweizer Fähnchen in die Hände zu drücken. Das Dorf war beflaggt. Der Männerchor und die Musikgesellschaft hatten sich unter dem vorragenden Scheunendach der damaligen Degenscheune zum Empfang bereitgestellt.

Doch die ZVB-Busse hielten sich nicht an den Zeitplan. Man wurde ungeduldig. Die «Zuger Nachrichten» berichteten, weshalb. Sie schrieb:

Gegen vier Uhr gab der «Degen»-Wirt die neueste «Lagemeldung» durch: Die Busse mit den Herren des Verwaltungsrates, den Behördevertretern und Gästen seien soeben im «Kreuz» in Cham weggefahren. Mit etwas Verspätung allerdings ...

Mit Marsch und Ehrendamen

Wirklich, bald danach kurvte der erste Bus beim Schmiedheim in die Chamerstrasse. Die Kinder jubelten und schwenkten wie wild ihre Fähnchen. Die Musikgesellschaft schmetterte den Willkomm-Marsch unter das Degenscheunendach, und aus den Bussen nickten die hohen Herren – so viel ich mich erinnern kann, waren keine Frauen dabei – den Hünenbergern freundlich zu. Ganz ohne Damen ging es allerdings doch nicht: Acht Ehrendamen kredenzten kühlen Weissen. Gemeindepräsident Arnold Zimmermann begrüsste die Gäste und neckte die Herren aus Zug humorvoll: Man dürfe feststellen, dass von Zug nicht nur Vorschriften und Unangenehmes komme, sondern ab und zu auch etwas Erfreuliches ... Ehrlich gesagt, viel früher wäre auch keine Busverbindung möglich gewesen, denn die Strasse von Cham nach Hünenberg war grösstenteils löcherig und musste vorerst noch staubfrei gemacht und ausgebaut werden, was erst 1954 der Fall war. Nachdem die Gemeindeversammlung 1962 beschlossen hatte, sich am Aktienkapital der ZVB zu beteiligen, war der Weg zu Verhandlungen am Zuger Busnetz mit Einbezug von Hünenberg offen.

Nach der Aufführung einer von Hedwig Bolliger verfassten Kindertheaterszene mitten auf der Strasse, in der ein Fräulein auftrat und bemerkte, dass man von nun an auch bequem in Cham einkaufen könne, kam die grosse Stunde der Hünenberger Jugend.

In Oberägeri gabs Wurst und Brot

Die Schülerinnen und Schüler durften die Busse in Beschlag nehmen. Die erste Gratisbusfahrt führte sie nach Oberägeri, wo die Kinder Gäste der dortigen Gemeinde waren bei Wurst, Brot und einem Getränk.

Heute am 29. Mai 2015 ist genau ein halbes Jahrhundert verstrichen, und was wäre Hünenberg ohne Bus!

Hinweis

Klaus Meyer ist pensionierter Lehrer und profunder Kenner der Hünenberger Dorfgeschichte. Dieser Tage wurde er zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt.