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GESCHICHTE: Wie ein Minnesänger die Schlacht bei Morgarten auslöste

Morgen jährt sich die Schlacht bei Morgarten zum 700. Mal. Wie und warum sie stattfand, ist historisch umstritten. Eine zentrale Rolle könnte der Adlige Werner von Homberg gespielt haben. Grund genug, diese schillernde Mischung aus Machtmensch, Geschäftsmann und Songwriter kennen zu lernen.
Andreas Z'graggen
So zeigte SRF in der Dok-Reihe «Die Schweizer» Werner von Homberg (gespielt von Thomas Mathys), der die Nähe zu den Schwyzern suchte. Links Stauffacher und seine Frau. (Bild SRF)

So zeigte SRF in der Dok-Reihe «Die Schweizer» Werner von Homberg (gespielt von Thomas Mathys), der die Nähe zu den Schwyzern suchte. Links Stauffacher und seine Frau. (Bild SRF)

Hiess der Anführer der Schwyzer in der Schlacht bei Morgarten Graf Werner von Homberg? Wahrscheinlich nicht. War es dieser Werner von Homberg, der die Schwyzer dazu brachte, den Habsburger Herzog Leopold und seinen Tross zu überfallen? Wahrscheinlich schon. Jedenfalls spricht vieles dafür.

Wer war Werner von Homberg?

Er muss eine beeindruckende Person gewesen sein. Nicht nur ein Politiker und ein Krieger. Laut dem Codex Manesse, der bedeutendsten deutschen Liederhandschrift des Mittelalters, war Homberg der wichtigste Minnesänger der Schweiz. Also eine Art Bastian Baker seiner Zeit. Auch optisch muss er einiges hergegeben haben. So schreibt Gottfried Keller in seinen «Zürcher Novellen»: (Homberg war) «ein junger Mann von prächtiger Gestalt, fest und gemessen auftretend, kühn und feurig von Blick ... Wenn er in Waffen erschien, so war er mehr als sieben Fuss hoch ... und das Schwert ging ihm nieder auf die Sporen, wie einem jungen Siegfried ...»

Und jetzt mal ganz sachlich?

Werner von Homberg (1282–1320) war ein Graf, Miterbe der einst bedeutenden Grafschaft Rapperswil, Besitzer von Gütern und Rechten im Wägital, in der March und im übrigen Schwyzerland.

Denkbar ist also, dass von Homberg die Schwyzer bewog, bei Morgarten die Habsburger anzugreifen. Was hatte er für ein Problem mit denen?

Werners Vater, Graf Ludwig von Homberg, hatte Elisabeth, Tochter des Grafen von Rapperswil, geheiratet. Nach seinem frühen Tod heiratete diese einen Adligen aus einer Habsburger Linie. Mit ihm hatte sie einen zweiten Sohn. Der grosse Rapperswiler Besitz, der über Schwyz und den oberen Zürichsee bis in den Kanton Uri reichte, war nun wegen Erbgängen zunehmend gefährdet. Auch der deutsche König Rudolf von Habsburg richtete ein begehrliches Auge darauf.

Die erbmässig und finanziell bedrängte Elisabeth starb 1309. Doch schon zuvor hatten der Nachfolger Rudolfs, König Albrecht, und dessen Söhne versucht, Werner von Homberg zu schaden. Sie wollten die Äbte der Klöster Reichenau, Einsiedeln, St. Gallen und Pfäfers zwingen, Lehen aufzukündigen, die Werner von seiner Mutter geerbt hatte. Zu den Söhnen König Albrechts gehörte Herzog Leopold, der die Herrschaftspräsenz der Habsburger im Schwyzer Land leitete. Er war es ja dann auch, der die Habsburger Armee anführte.

Wie reagierte von Homberg auf die Drucksituation?

Werner von Homberg suchte vermehrt die Nähe zu den Schwyzer Führungsleuten. Laut dem Chronisten Aegidius Tschudi schloss er mit diesen gar ein gegenseitiges Schutzbündnis.

Generell stand der regionale Adel, dem auch Graf Werner angehörte, in der Zeit um 1300 zunehmend unter Druck. Erstens von den habsburgischen Landesherren und Klöstern, die Rechte an sich zu ziehen versuchten, zweitens wegen aufwendiger Fehden, drittens aber auch aufgrund wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen.

Das führte zu Zweckverbindungen mit nach mehr Macht strebenden, nicht-adligen Gruppen, aber auch zu Abwanderung oder schlicht in die Verarmung. Einige dieser Adligen konnten ihren Lebensunterhalt nur noch als räuberische Strauchritter bestreiten.

Oder als Kriegsdienstler in der Fremde. Wie hatte Werner von Homberg da seine Finger drin?

Dies war tatsächlich eine lukrative Alternative. So nahm Werner von Homberg etwa 1304 selber an einem Feldzug der Deutschordensritter nach Litauen teil. Als sich der Konflikt mit den Habsburgern zuspitzte, war Graf Werner zwischenzeitlich in Italien zum erfolgreichen Kriegsunternehmer avanciert. Er beschäftigte dabei auch Schwyzer Söldner. Gut möglich, dass er solche dann mobilisieren konnte, um Herzog Leopold bei Morgarten anzugreifen.

Nun war es aber ja Leopold, der sich mit einem Heer aufmachte, ins Schwyzer Gebiet einzufallen. Was bewog ihn dazu?

Am 6. Januar 1314 hatten Schwyzer das Kloster Einsiedeln geplündert und die Insassen verschleppt: Es war der Höhepunkt des schon lange schwelenden Marchenstreits. Das mächtige Kloster, seine Amtmänner und Grosspächter hatten in den Jahren zuvor ihre Aktivitäten stark ausgedehnt, zu Lasten der lokalen Kleinbauern, aber auch gegen die Interessen der expansiven bürgerlichen Führungsgruppen.

Vogt des Klosters war Leopold. Bei seinem Zug nach Einsiedeln via Morgarten ging es ihm wohl in erster Linie darum, Macht zu demonstrieren. Homberg wie auch die Schwyzer Landleute wiederum hatten alles Interesse daran, diese Herrschaftspräsenz zu verhindern.

Aber hatte diese versuchte Machtdemonstration Leopolds nicht noch gewichtigere Gründe? Da ging es doch nicht nur um die March?

Tatsächlich war die Lage bereits sehr angespannt, nachdem 1308 Vertreter des regionalen Adels wie die Luzerner Eschenbacher den deutschen König Albrecht von Habsburg ermordet hatten. Aus Rache wurde der Eschenbacher Besitz (Maschwanden, Schnabelburg auf dem Albis usw.) zerstört. Vorstellbar ist, dass der mit Eschenbach, aber auch mit Homberg verwandte Heinrich von Hünenberg die Schwyzer vor Morgarten über die Pläne Leopolds informiert hatte. Jedenfalls waren die Habsburger da mal den Königsthron los, Nachfolger wurde Heinrich der VII. von Luxemburg: eine ganz schlechte Nachricht für die machthungrige Dynastie.

Und eine gute Nachricht für Werner von Homberg, den Feind der Habsburger?

Auf jeden Fall. Er nützte die Situation, indem er sich eng an den neuen deutschen König anlehnte. Mit Erfolg: Heinrich machte ihn zum Reichsvogt der Waldstätte. Noch im selben Jahr traf sich dieser, wie eine Quelle berichtet, mit den Unterzeichnern des Bundes von 1291 aus Uri, Schwyz und Unterwalden in Stans zu einer Art Tagsatzung. Dabei ging es auch darum, Massregeln zu beraten, welche die jüngsten Feindseligkeiten Habsburgs erforderten.

König Heinrich engagierte sich militärisch auch in Italien. Konnte sich Werner von Homberg da als erfahrener Kriegsdienstler nützlich machen?

Und wie! Im Gefolge Heinrichs, der sich in Italien gar zum Kaiser krönen liess, war Werner von Homberg als Kriegsunternehmer tätig. 1313, zum Generalleutnant der Lombardei ernannt, erhielt er von Heinrich den einträglichen Reichszoll in Flüelen.

Dann hatte er Pech: Sein königlicher Mentor starb bei Siena an der Malaria. Es kam zum grossen Gerangel um die deutsche Königswürde. Gewählt wurde Ludwig der Bayer, doch der Habsburger Friedrich der Schöne, Bruder von Leopold, liess sich zum Gegenkönig ausrufen. Die Spannungen erreichten ihren Siedepunkt. Und Leopold sah die Gelegenheit, ein Exempel zu statuieren, mit dem Schwyzer Überfall aufs Kloster Einsiedeln als willkommenen Vorwand.

Und was tat von Homberg?

Für ihn, der wie die Innerschweizer mit dem weit entfernten Bayern Ludwig sympathisierte, war das eine Bedrohung. Weiter mit Erbstreitigkeiten beschäftigt, musste er fürchten, dass Leopold noch mehr versuchen würde, ihm Rechte und Güter wegzunehmen. Was lag da näher, als rauflustige junge Männer – vielleicht dieselben, die ihm als Söldner in Italien dienten, vielleicht dieselben, die Einsiedeln geplündert hatten – zu einem Überfall auf den Habsburger Herzog anzustacheln? Denn wie der bekannte Schweizer Historiker Roger Sablonnier schreibt, bietet sich «im voralpinen Hügelland nicht alle Tage die beuteträchtige Gelegenheit, ein wohlausgestattetes adliges und städtisches Gefolge eines Herzogs zu überfallen». Was dann offenbar auch hervorragend klappte.

Wie ging es nach der Schlacht weiter? Auch für von Homberg?

Drei Jahre nach Morgarten schlossen Habsburg und Schwyz Frieden. Graf Werner von Homberg wiederum hatte nun seine grosse Rolle gespielt und verschwand etwas von der Bildfläche. Jedenfalls hatte er sich, so scheint es, aus der heimatlichen Politik weitgehend verabschiedet. Seine Erbgrafschaft Homberg samt Stadt Liestal hatte er schon vor einiger Zeit an den Bischof von Basel verkauft. 1320 kam er auf einem Söldnerzug anlässlich der Belagerung von Genua zu Tode. Fünf Jahre später starb sein Sohn Wernli. Von den Hombergern ist nichts mehr übrig als eine Burgruine bei Läufelfingen hinter dem Jura.

Andreas Z'Graggen

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