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GESUNDHEIT: Das Prinzip «ambulant vor stationär» bei Operationen wird zugerisch

Der Kanton Luzern hat es bereits eingeführt, der Kanton Zürich wird es einführen und auch Zug macht vorwärts: Ab 1. Januar 2018 gilt bei Operationen ein neues Prinzip.
Christopher Gilb
Diverse Operationen werden neu ambulant durchgeführt. (Bild: Dominik Hodel (Baar, 12. September 2014))

Diverse Operationen werden neu ambulant durchgeführt. (Bild: Dominik Hodel (Baar, 12. September 2014))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Seit Juli 2017 dürfen im Kanton Luzern verschiedene Operationen und Untersuchungen im Spital nur noch ambulant durchgeführt werden. Der Kanton erhofft sich von diesen Änderungen Einsparungen von bis zu drei Millionen Franken pro Jahr. Der Kanton Zürich, wo die Umstellung auf 2018 erfolgt, rechnet durch den Wegfall des entsprechenden Kantonsanteils an der Finanzierung gar mit Einsparungen von 9,2 Millionen Franken. Als Grundlage der Umstellung haben beide Kantone eine Liste erstellt, die in Luzern 13 Eingriffe beinhaltet. Bei diesen beteiligt sich der Kanton nicht mehr an stationären Spitalaufenthalten.

Auch Zug geht nun diesen Weg. Wie die Gesundheitsdirektion gestern mitteilte, wird auf den 1. Januar 2018 die entsprechende Liste in Kraft gesetzt. Gerechnet wird mit Einsparungen von maximal 500 000 Franken pro Jahr. Die Liste reiche von ­Augenoperationen bis zu Krampfadernoperationen. Sie basiere auf der Liste des Kantons Luzern und sei mit der Zürcher Liste harmonisiert respektive konsolidiert.

Zug setzt bei Kontrolle auf Vertrauensprinzip

Der Kanton Zug will aber Spielraum lassen. Falls medizinische Gründe für einen stationären Aufenthalt vorliegen – so etwa, wenn Patientinnen und Patienten mehrere Krankheiten haben, bei Herz-Kreislauf-Schwierigkeiten oder wenn zu Hause keine Betreuung gewährleistet werden kann –, könne eine Ausnahme geltend gemacht werden. «Der Entscheid über die angemessene Art der Behandlung liegt in jedem Fall bei der behandelnden Spitalärztin oder beim behandelnden Spitalarzt», betont Gesundheitsdirektor Martin Pfister. Während zudem im Kanton Luzern alle Fälle vor dem Eingriff bei Erhalt der Rechnung mittels der Kostengutsprache vom Kanton geprüft werden, wird im Kanton Zug diese Kontrolle nicht eingeführt, auch um den adminis­trativen Aufwand klein zu halten. «Wir setzen auf das Vertrauensprinzip», so Gesundheitsdirektor Pfister. Das bedeute, dass auf die vorgängige Einreichung und Prüfung eines Kostengutsprache­gesuchs verzichtet werde. «Die Kontrolle erfolgt dann im Rahmen der Rechnungsprüfung durch den Kantonsarzt.» Zusätzliches Personal sei somit nicht erforderlich. Die Einführung des neuen Systems soll bis März 2018 erfolgen. Bis dann solle sich dieses einspielen und sollen die Spitäler ihre Abläufe entsprechend anpassen können. Derzeit würden die Leistungserbringer informiert werden. «Ich bin überzeugt, dass wir auf diesem Weg gemeinsam mit diesen einen spürbaren Beitrag zur Eindämmung der Kostenentwicklung im Kanton Zug leisten können – unter voller Wahrung der hohen medizinischen Qualität», so Gesundheitsdirektor Martin Pfister.

Doch das neue System ist für die Leistungserbringer eine Herausforderung, denn aktuell bestehen zwischen den Entschädigungen für eine stationäre oder ambulante Behandlung teilweise grosse Unterschiede. Was laut der Gesundheitsdirektion zu entsprechenden Fehlanreizen führe. Gemäss einer Berechnung des Beratungsunternehmens PwC, das die ambulanten und stationären Kosten von 13 ausgewählten Eingriffen verglichen hat, sind stationäre Eingriffe im Durchschnitt 2,3-mal teurer als ambulante. Eine Krampfaderoperation koste beispielsweise ambulant durchgeführt 2500 Franken, stationär jedoch 6044 Franken, ist die Person halbprivat versichert, sogar 10073 Franken.

Gespartes Geld könnte Spitälern fehlen

Doch auch die Spitäler müssen sich finanzieren. Dazu Regierungsrat Martin Pfister: «Anzustreben ist eine gleiche Entschädigung bei stationärer und ambulanter Durchführung von potenziell ambulanten Behandlungen.» Dies könne zum Beispiel in Form einer einheitlichen Pauschale für bestimmte Leistungsbereiche erfolgen (Zero-Night-DRG-Pauschale). «Ich setze mich auf nationaler Ebene ­dafür ein, hier schnell eine ausgewogene Lösung zu finden», so Pfister weiter.

Falls diese aber nicht schnell genug zu Stande kommt, besteht dann vielleicht die Gefahr, dass Spitäler einzelne Leistungen nicht mehr anbieten, weil sie sich nicht mehr rentieren? Davon gehe man nicht aus, heisst es aus der Gesundheitsdirektion. Die Listenspitäler des Kantons hätten einen Leistungsauftrag für die medizinische Grundversorgung. Im Übrigen könne aber der künftige Verzicht einzelner Spitäler auf Angebote mit sehr ­kleinen eigenen Fallzahlen die ­Qualität der Behandlung sogar fördern, was sich für die Patientinnen und Patienten positiv auswirke, erklärt Pfister.

Wechsel hat auch Folgen für Versicherungen

Doch nicht nur für die Leistungserbringer, sondern auch für die Versicherungen hat der Systemwechsel diverse Auswirkungen. Denn bei der ambulanten Behandlung im Spital, wie auch beispielsweise beim klassischen Hausarztbesuch, stehen die Krankenversicherer in der Pflicht. Die Kosten werden nach dem Tarif Tarmed abgerechnet. Dagegen beteiligt sich der Kanton bei den stationären Eingriffen über Steuergelder mit mindestens 55 Prozent, und nur den Rest tragen die Krankenversicherer. Dabei kommt der SwissDRG-Tarif zur Anwendung.

Der Krankenkassenzusammenschluss Curafutura rechnet aus diesem Grund auch mit Mehrkosten für die Krankenkassen. Während die betroffenen Kantone auf den günstigeren Preis von ambulanten Behandlungen, auch mit einer später teilweise vereinheitlichten Pauschale, verweisen. Was auch Einsparungsmöglichkeiten für die Versicherungen mit sich bringe.

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