GESUNDHEIT: Fast jeder dritte Arzt ist ein Ausländer

Es gibt zu ­wenig Studienplätze für ­Medizin in der Schweiz. Das hat auch Konsequenzen für Zug. Als Nachteil wird das nicht empfunden. Im ­Gegenteil.

Wolfgang Holz
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Er spricht sogar Mundart: Der Bayer Peter Schott ist seit März ärztlicher Leiter der Intensivstation am Zuger Kantonsspital. (Bild Werner Schelbert)

Er spricht sogar Mundart: Der Bayer Peter Schott ist seit März ärztlicher Leiter der Intensivstation am Zuger Kantonsspital. (Bild Werner Schelbert)

Wolfgang Holz

34 348 Ärztinnen und Ärzte waren im letzten Jahr in der Schweiz berufstätig. Dies sind 1106 mehr als Vorjahr. Das belegt die jüngste Ärztestatistik der ­Foederatio Medicorum Helveticorum (FMH). Interessant an diesen Zahlen ist vor allem: Fast jeder dritte ­praktizierende Mediziner – genauer gesagt 30,5 Prozent – verfügt über ein ausländisches Ärztediplom. Tendenz steigend. In der Zentralschweiz kommen noch mehr Ärzte aus dem Ausland – hier sind es 33,9 Prozent (siehe Box). In Zug sind es nicht ganz so viele.

Versorgungslage wäre nicht so gut

«Der Anteil von ausländischen Ärztinnen und Ärzten mit Berufsausübungsbewilligung beträgt im Kanton Zug rund 25 Prozent», erklärt Zugs Gesundheitsdirektor Urs Hürlimann. In dieser Zahl seien allerdings die Assistenzärztinnen und -ärzte in den Spitälern und Kliniken nicht eingerechnet. Der grösste Teil stamme aus Deutschland und sei teils schon seit Jahren hier tätig. Die Konsequenzen für das Gesundheitswesen im Kanton Zug sind für Hürlimann klar: «Würden die ausländischen Ärzte fehlen, wäre die Versorgungslage heute in verschiedenen Bereichen weniger gut – indem zum Beispiel längere Wartefristen von Patienten in Kauf genommen werden müssten.»

Auch im Zuger Kantonsspital arbeiten zahlreiche ausländische «Doctores». Aktuell stammen 33 der 118 Ärztinnen und Ärzte von jenseits der Schweizer Grenzen. Auch hier dominieren die Deutschen. Drei kommen aus Österreich, eine Person aus Bosnien-Herzegowina, eine aus Serbien. Macht unterm Strich einen Ausländeranteil von 28 Prozent. Eigentlich ist dieser Anteil aber höher, weil in der Statistik Doppelbürger mit einer weiteren Staatsbürgerschaft und einem ausländischen Ärztediplom als Schweizer gezählt werden. So weit, so gut. Doch was hat diese grosse Zahl von ausländischen Ärzten für Konsequenzen für die Zuger Patienten? Immer wieder ist zu hören, dass Einheimische ausländische Ärzte nicht verstünden, weil sie kein oder nicht genügend Deutsch sprechen würden. «Im Zuger Kantonsspital ist das aktuell kein Thema», versichert Spitaldirektor Matthias Winistörfer. Sogar die beiden Arztpersonen mit Staatsbürgerschaft nichtdeutschsprachiger Länder würden über sehr gute Deutschkenntnisse verfügen, weil sie in der Schweiz aufgewachsen seien oder ihr gesamtes Medizinstudium in einem deutschsprachigen Land absolviert hätten. «Deutschkenntnisse sind für uns ein zwingendes Kriterium bei der Einstellung eines ­Arztes – neben seiner fachlichen und persönlichen Eignung», sagt Winistörfer.Auch die Zuger Gesundheitsdirektion bestätigt, dass das Bundesamt für Gesundheit bei der Erteilung einer Berufsausübungsbewilligung prüfe, ob die Bewerber eine Landessprache sprechen.

Mundart versus Multikulti

Und doch gibt es hin und wieder Verständnisschwierigkeiten zwischen ausländischen Ärzten und Zuger Patienten. Und umgekehrt. Denn selbst Ärzte aus Deutschland sprechen oder verstehen eben nicht unbedingt Mundart. «Vor ­allem ältere Leute können sich auf Hochdeutsch nicht so gut ausdrücken wie in Mundart», sagt Franziska Zogg, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Vizepräsidentin der Ärztegesellschaft des Kantons Zug. Sie habe aber auch schon mit Patienten zu tun gehabt, mit denen sie mit Händen und Füssen reden ­musste, weil die Sprachbarriere so gross gewesen sei. «Mit meinen Italienisch- und Englischkenntnissen komme ich aber in den meisten Fällen gut zurecht», so Zogg. Zudem würden die meisten Ausländer in ihrer Praxis nun schon einige Jahre in Zug leben und könnten gut Deutsch. Dank der vielen ausländischen Ärzte in Zug gibt es auch solche wie jenen kroatischen Allgemeinmediziner in Cham, dessen Praxis meist mit Patienten aus dem ehemaligen Jugoslawien gefüllt ist. Gleiches gesellt sich eben gerne zu Gleichem.

Mit Schweizer Mundart hat der Bayer Peter Schott indes keine Probleme. Der 41-jährige Arzt ist seit 1. März Leiter der Intensivstation am Zuger Kantonsspital. Dem Erdinger gefällt es prima in Zug. «Da ich schon seit 15 Jahren in der Schweiz lebe und aus Süddeutschland komme, verstehe ich Schweizer Mundart bestens.» Ja, er spricht sogar Schwiizerdütsch. Schott lächelnd: «Das klingt halt so, wie wenn ein Bayer Schweizerdeutsch spricht.»