Gesundheit

Per App zur Diagnose: Eine Chamer Firma bietet virtuell dermatologischen Rat an

Mitte Oktober letzten Jahres gründete ein Ehepaar das Start-up SkinDoc24. Patienten können anonym ein Bild über die App versenden und sollen innert kurzer Zeit eine Behandlungsempfehlung erhalten.

Vanessa Varisco
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Es juckt, die Haut ist fleckig und rot: Besonders in den kalten Monaten, in denen die Luft der Heizluft wegen trocken ist, beklagen sich viele Menschen über Ausschläge und juckende Haut. Der Gang zum Hausarzt oder zum Dermatologen dürfte Abhilfe schaffen – natürlich nicht nur bei trockener Haut, sondern bei Hautkrankheiten grundsätzlich. Ein Chamer Start-up mit Namen SkinDoc24 will den Patienten den Gang zum Arzt nun ersparen. Per App können die Betroffenen anonym ein Bild der Hauterkrankung einsenden und erhalten schnell Hilfe, so die Verantwortlichen von SkinDoc24. Im Notfall soll sogar innert zwei Stunden eine Diagnose vorliegen. Beurteilt wird das Bild des Patienten von zwei deutschen Ärzten.

Die App ermöglicht, dass der Patient ein Bild von seiner Hauterkrankung einsendet und eine Diagnose ohne Gang zum Arzt erhält.

Die App ermöglicht, dass der Patient ein Bild von seiner Hauterkrankung einsendet und eine Diagnose ohne Gang zum Arzt erhält.

Symbolbild: Manuela Jans

Das Start-up

(vv) Gegründet wurde die Firma von Martina (46) und Horatio (49) Evers, welche derzeit in Heidelberg, Deutschland, und früher in Cham wohnten. Die beiden lebten mehrere Jahre in Singapur und haben dort eine gemeinnützige Organisation gegründet, welche derzeit fünf Waisenhäuser betreut. Das Ehepaar wollte einen Beitrag dazu leisten und begann mit der Entwicklung der App SkinDoc24. Mit Hilfe der App bekommen die Kinder so gratis hausärztliche Betreuung, da das Start-up die Kosten dafür selbst trägt. Das Sozialengagement soll denn auch weiter im Fokus stehen, interessierte Vereine und Non-Profit-Organisationen können sich melden.
Die Geschäftsführung teilen sich Martina Evers und Michael Leyh aus Cham. 

Virtuelle Behandlungen oder Sprechstunden sind grundsätzlich nichts Neues. Auch in der Schweiz gibt es verschiedene Portale, welche das bereits anbieten. Monika Probst, Kommunikationsbeauftragte des Start-ups, erklärt, dass die App gänzlich anonym sei, was wichtig sei bei Geschlechts- und Genitalerkrankungen, welche die Dermatologen ebenfalls beurteilen. «Die Hemmschwelle, einen Arzt zu konsultieren, ist hier wesentlich niedriger. Daher können Hautkrankheiten früher erkannt und schwere Krankheitsverläufe vermieden werden», führt Monika Probst weiter aus.

Gute Fotoqualität ist notwendig für zuverlässige Diagnose

Ein Urteil aus der Ferne – ist das zuverlässig? Glaubt man den Betreibern, dann ist die Zuverlässigkeit der Diagnose sogar gleich hoch wie bei einer normalen Sprechstunde: nämlich über 90 Prozent. Voraussetzung dafür ist eine gute Fotoqualität. Kann keine genaue Diagnose gestellt werden, bekommt der Patient dennoch eine Handlungsanweisung über sinnvolle nächste Schritte, schreibt Probst weiter.

Sofern die Hautärzte den Fall einordnen konnten, werden dem Patienten die Diagnose und weitere Handlungsempfehlungen übermittelt – geschützt durch eine anonyme Authentifizierung. «Dies ermöglicht einen unverzüglichen Therapiebeginn und erspart mehr als 70 Prozent der Fälle einen Praxisbesuch», teilt die Kommunikationsbeauftragte mit.

Allerdings nur, wenn für die Behandlung kein Rezept für ein Medikament benötigt wird, denn aktuell ist es für das Start-up aus rechtlicher Sicht noch nicht möglich, E-Rezepte auszustellen. Wer beispielsweise eine starke Kortisonsalbe gegen den juckenden Ausschlag braucht, dem bleibt der Gang zum Arzt nicht erspart, um sich dort ein Rezept geben zu lassen. Oft sei es aber gar nicht nötig, so Probst, einen Arzt aufzusuchen, und der Patient könne sich das benötigte Medikament auf Empfehlung des Arztes in der Apotheke besorgen.

In einer früheren Version dieses Artikels war der Firmenname falsch angegeben. Wir bitte um Verzeihung für diesen Fehler.