GESUNDHEITSGESETZ: Ein amtlicher Aushang sorgt für Ärger

Den Rapport der Lebensmittelkontrolle sollen Restaurants freiwillig aufhängen. Das fordert die Regierung. Die Zuger Wirte finden das unfair.

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Ähnlich wie dieses dänische Originalformular soll auch der Zuger Rapport aussehen. (Bild Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Ähnlich wie dieses dänische Originalformular soll auch der Zuger Rapport aussehen. (Bild Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Wer in Dänemark ein Restaurant betritt, kann sich direkt beim Eingang über die hygienischen Verhältnisse in der Küche informieren. Denn dort müssen die Wirte eine Kurzversion des Kontrollrapports der Lebensmittelbehörden aufhängen. 

Ein lachendes Gesicht sagt, dass alles in Ordnung ist; ein weinendes Gesicht weist daraufhin, dass hier Mängel festgestellt wurden. Um welche es sich handelte, kann der Kunde gleich selber nachlesen. 

Der Zuger Regierung schwebt mit der Revision des Gesundheitsgesetzes Ähnliches vor. Mit dem Unterschied, dass das Aufhängen der ausgehändigten Qualitätsbescheinigungen auf freiwilliger Basis erfolgt. «Die Qualitätsbescheinigungen wird den Betrieben zur freien Verwendung abgegeben», erklärt Gesundheitsdirektor Joachim Eder. Die Wirte können diese aufhängen, müssen aber nicht. «Es ist wie mit den Bewertungen der Gastroführer: Wer Sterne oder Punkte erhält, zeigt diese den Gästen gerne und freiwillig.»

«Ich zeige jedem meinen Bericht»
Die Zuger Wirte sehen das anders. «Ein solches Qualitätslabel braucht es in Zug nicht», sagt Barbara Schneider, Wirtin im Gasthaus zum Rössli in Oberägeri und Vizepräsidentin des Wirteverbandes Gastro Zug. «Denn bei uns ist nur ein ganz kleiner Teil der Betriebe unhygienisch.» Anstatt ein Qualitätslabel müsse es härtere Kontrollen geben, fordert Schneider. «Die Lebensmittelkontrolleure haben genügend starke Instrumente zur Hand, um die Hygienevorschriften durchzusetzen.» 

Gleicher Meinung ist auch CVP-Kantonsrat und Präsident des Zuger Gewerbeverbandes Silvan Hotz (Baar). «Fehlbare Betriebe müssen bestraft oder geschlossen werden», sagt der Inhaber einer Bäckerei und mehrerer Cafés. Anstatt härter zu sanktionieren, würde die Verantwortung der Kontrolleure mit dem neuen Gesundheitsgesetz der Marktwirtschaft abgegeben. «Das kann es einfach nicht sein.» Denn grundsätzlich müsse der Konsument erwarten können, dass Betriebe, die offen haben, auch sauber seien. «Ich kann jedem, der misstrauisch ist, meinen Bericht der Lebensmittelkontrolle zeigen.»

Mehr Transparenz
Nach Angaben des Zuger Gesundheitsdirektors Joachim Eder sind die Lebensmittelkontrolleure nicht untätig. «2007 wurden 294 Inspektionen und 53 Nachkontrollen vor Ort durchgeführt», erklärt Eder. Wegen desolaten Verhältnissen habe man eine Bäckerei und eine Bar definitiv sowie ein Restaurant vorübergehend schliessen müssen. «Mit dem ausgebauten Konsumentenschutz wollen wir in erster Linie mehr Transparenz schaffen», so Eder.

Andreas Oppliger

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Zuger Zeitung.