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GESUNDHEITSKOSTEN: Preisvergleich: Kanton Zug und Spitäler sind skeptisch

Der Preisüberwacher hat eine Plattform lanciert, auf der die Tarife der häufigsten stationären Eingriffe verglichen werden können. Der Versuch zu Transparenz wird zwar begrüsst, die Daten seien aber mit Vorsicht zu geniessen, mahnen Experten.
Samantha Taylor
Welcher Eingriff kostet wo wie viel? Über diese Frage gibt eine Plattform des Preisüberwachers Auskunft. (Symbolbild: Dominik Hodel)

Welcher Eingriff kostet wo wie viel? Über diese Frage gibt eine Plattform des Preisüberwachers Auskunft. (Symbolbild: Dominik Hodel)

Die Kosten im Gesundheitswesen sollen transparenter werden und dadurch sinken. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Preisüberwacher Stefan Meierhans ein Online-Vergleichsportal für Spitäler lanciert (Ausgabe vom 24. Februar). Auf dem Portal können die Tarife für die 20 häufigsten stationären Spitalbehandlungen abgefragt und schweizweit verglichen werden. Zu den aufgelisteten Eingriffen gehören unter anderem die Implantation eines künstlichen Kniegelenks, eine Geburt oder eine Blinddarmentfernung.

Der Kanton Zug mit dem Kantonsspital und der Andreas-Klinik liegt bei den Tarifen für verschiedene Eingriffe im Mittelfeld. Die Kosten für eine Geburt in der Andreas-Klinik werden beispielsweise mit 5397 Franken beziffert. Im Zuger Kantonsspital liegen sie bei 5443 Franken. Zum Vergleich: Am günstigsten ist eine Geburt mit 4805 Franken in der Clinica Santa Chiara TI, am teuersten am Universitätsspital Zürich mit 6125 Franken. Im oberen Mittelfeld liegen die beiden Zuger Kliniken bei der Implantation von künstlichen Kniegelenken (siehe Grafik). Aufgeführt werden im Tarifüberblick jeweils rund 100 Spitäler aus der ganzen Schweiz. Als Versicherer wird in den Beispielen die Krankenversicherung Sanitas angenommen.

Kritik an der Datenlage

Dass mit dieser Plattform mehr Transparenz im Gesundheitswesen geschaffen werden soll, begrüsst Zugs Gesundheitsdirektor Martin Pfister. Eine solche Plattform könne ein gutes Hilfsmittel sein. Dies vor allem, da Patientinnen und Patienten mit der neuen Spitalfinanzierung seit 2012 die Möglichkeit haben, sich in der ganzen Schweiz behandeln zu lassen. Pfister warnt allerdings: «Die veröffentlichten Daten sind schwierig zu interpretieren.» Denn es gebe eine Vielzahl von Faktoren, die für oder gegen eine Behandlung an einem bestimmten Spital sprechen. «Der Preis ist nur ein Punkt.»

Daneben sei auch die Festlegung der Basispreise der einzelnen Spitäler unterschiedlich. Beim Basispreis handelt es sich um einen Durchschnittswert für stationäre Behandlungen in einem bestimmten Spital. Dieser Preis wird von Versicherern und Spitälern ausgehandelt und vom Kanton genehmigt. Er kann je nach Umständen variieren, erklärt Pfister: «So haben beispielsweise Spitäler, die in der Ausbildung von Pflegekräften aktiv sind, entsprechende Mehrkosten, die in die Tarife einfliessen.» Pfister will auch nicht alle Spitäler über einen Kamm scheren. «Es macht wenig Sinn, grosse Universitätsspitäler mit Spezialkliniken zu vergleichen, die unter Umständen ein sehr beschränktes Angebot haben oder keinen Notfall- und Bereitschaftsdienst kennen und somit geringere Kosten aufweisen.»

Und schliesslich kritisiert der Zuger Gesundheitsdirektor die Qualität der für die Plattform verwendeten Daten. Derzeit würden Tarife aus unterschiedlichen Jahren und noch nicht definitiv genehmigte Tarife verwendet. «Das ist problematisch und trägt nicht zur Schaffung von Transparenz bei.»

Pfister ist skeptisch bezüglich Kostensenkung

Aus all diesen Gründen relativiert der Gesundheitsdirektor den Preisvergleich und die Platzierung der Zuger Spitäler in der Tarifübersicht. «Es ist schwierig zu sagen, wo Zug genau liegt.» Im Vergleich mit Universitätsspitälern seien die hiesigen Tarife günstig, im Vergleich mit gewissen Spezialkliniken seien sie höher. «Wenn man versucht, Gleiches mit Gleichem zu vergleichen, können sich die Zuger Tarife sehen lassen.»

Seitens der Zuger Spitäler begrüsst man zwar den Willen, Transparenz zu schaffen, gleichzeitig betont man jedoch, dass die Daten mit Vorsicht zu geniessen sind. «Prinzipiell begrüsst es die Andreas-Klinik, Preise vergleichen zu können. Leider ist jedoch die Qualitätstransparenz noch nicht gleichermassen gegeben», sagt Urs Karli, Direktor der Andreas-Klinik in Cham. Sonja Metzger, Medienverantwortliche des Zuger Kantonsspitals, sagt, dass eine erhöhte Transparenz im Sinne des Gesetzgebers sei. «Wir weisen aber darauf hin, dass die Plattform teilweise Tarife verschiedener Kalenderjahre direkt miteinander vergleicht, was zu nicht zulässigen Schlussfolgerungen führen kann.»

Dass der Tarifüberblick des Preisüberwachers zu einer Kostensenkung im Gesundheitswesen beiträgt, sieht Pfister eher skeptisch. «Das primäre Ziel ist die Schaffung von Transparenz. Ob diese Transparenz dann auch zu Kostendruck bei den vergleichsweise teuren Spitälern führt, ist schwer abzusehen.»

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Hinweis

Die Tarifübersicht gibt es unter www.spitaltarife.preisueberwacher.ch.

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