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GEWÄSSER: Zuger Kitesurfer erhalten mehr Platz

Der Kanton will die Bestimmungen fürs Kitesurfen lockern. Der Sport soll nun auf beiden Zuger Seen betrieben werden können. Das passt nicht allen.
Samantha Taylor
Der Kanton Zug geht einen grossen Schritt auf die Kitesurfer zu. Neu soll die Sportart an mehr Stellen im See erlaubt sein. (Bild: Stefan Kaiser (Neue ZZ))

Der Kanton Zug geht einen grossen Schritt auf die Kitesurfer zu. Neu soll die Sportart an mehr Stellen im See erlaubt sein. (Bild: Stefan Kaiser (Neue ZZ))

Samantha Taylor

Mit einem Board und einem Drachen, vom Wind angetrieben übers Wasser sausen: So bewegen sich die Kitesurfer. Im Kanton Zug können sie dies bis heute in einem Teil des Zugersees tun. Konkret ist das Kitesurfen nördlich der Linie zwischen den sogenannten «Toblerone-Hochhäusern» in Oberwil und dem Schloss Buonas für die Sportler erlaubt. Das soll sich nun aber ändern. Die Lenkdrachensegler sollen mehr Platz auf den Zuger Gewässern erhalten. So will es die Regierung. Sie hat die entsprechende Verordnung dazu überarbeitet und schickt diese nun in die Vernehmlassung.

Gleichstellung der Sportart

Neu werden die Surfer über den ganzen Zugersee – soweit er auf zugerischem Gebiet liegt – gleiten können. Ausserdem kommt noch ein Gewässer hinzu. Auch auf dem Ägerisee will die Regierung das Kiten künftig ermöglichen. Gemäss Angaben von Experten ist gerade der kleinere der beiden Zuger Seen für die Sportler sehr attraktiv. Denn die Windverhältnisse seien dort für Kitesurfer durchaus attraktiv.

Dass der Regierungsrat die «Verordnung über das Drachensegeln» – so heisst die entsprechende Bestimmung – anpasst, hat einen einfachen Grund. Das Bundesrecht wird geändert. Und zwar dahingehend, dass Kiten keiner speziellen, behördlich bewilligten Wasserflächen mehr bedarf. Dies, da das Kitesurfen dem Wasserskifahren gleichgestellt wurde. Eine solche Anpassung hatte Ständerat Hans Hess (FDP, Obwalden) im Juni 2012 in einer Motion mit dem Titel «Gleichstellung der Wassersportarten» gefordert.

Start ab dem Campingplatz

«Aufgrund dieser Änderung des Bundesrechts drängt sich auch eine Anpassung des kantonalen Rechts auf», erklärt Baudirektor Heinz Tännler. Man habe sich für die Öffnung des Zuger- und des Ägerisees entschieden. Einzig im Umkreis von 150 Metern um Landungsanlagen der Kursschifffahrt, um Schiffe der öffentlichen Schifffahrt, um Berufs- und Angelfischende, um öffentliche Badeanlagen und Hafeneinfahrten sowie innerhalb eines 150 Meter breiten Streifens entlang der Seeufer besteht laut Tännler ein Surfverbot. Starten und landen können die Kiter in Zug weiterhin im Brüggli. «Ein zweiter Start- und Landeplatz am Zugersee wird allenfalls der Kanton Schwyz, beispielsweise in Arth, prüfen können», führt Tännler aus. Am Ägerisee habe sich eine Grundeigentümerschaft bereit erklärt, einen Start- und Landeplatz ab dem Campingplatz im Gebiet Naas Sod zur Verfügung zu stellen.

WWF sorgt sich um die Vögel

Die Kitesurfer freut der Entscheid der Regierung. «Wir begrüssen die Öffnung von Zuger- und Ägerisee sehr», sagt Mario Kaufmann vom Kitesurf-Club Schweiz, der seinen Sitz in Zug hat. Auf der anderen Seite sind jedoch einige Organisationen nicht sehr glücklich über die Öffnung der Gewässer. So hat man sowohl seitens des Umweltschutzes wie auch bei der Fischerei gewisse Bedenken. Man wolle den Wassersportlerinnen und Wassersportlern keineswegs den Spass verderben, sagt Barbara Gysel, Präsidentin des WWF Zug. «Aber als Naturschutzorganisation sind wir natürlich grundsätzlich besorgt um die möglichen Folgen auf im Schilfrohr brütende Vögel», führt Gysel weiter aus. Die Vögel würden die Schatten der Kites wahrnehmen und könnten sie als mögliche Bedrohung empfinden. Dies wiederum könne Stress auslösen und sie beim Fressen oder Brüten stören. «Deshalb gilt es, genau hinzuschauen und die Folgen im Voraus abzuschätzen. Das Ziel sollte immer sein, verschiedene Interessen – solche des Naturschutzes und solche von Erholung, Sport und Freizeit – möglichst gut unter einen Hut zu bringen», so die Präsidentin weiter.

Auch die Fischer sind kritisch

Auf dem Ägerisee sind es die Fischer, die mit den Plänen des Kantons nicht ganz zufrieden sind. Auf dem See herrsche schon heute ziemlich viel Betrieb. «Man muss dabei die vorhandene Fläche betrachten. Der Ägerisee ist nicht sehr gross, und er ist jetzt schon sehr belebt», sagt Andreas Gisiger, Präsident des Fischereivereins Ägerisee. «Ich finde es darum keine gute Idee, dass man das Gewässer nun noch mehr belasten will», so Gisiger weiter. Bis sich auf dem See im Ägerital aber die Kitesurfer tummeln werden, dauert es noch eine Weile. Die Vernehmlassung endet laut Angaben von Heinz Tännler am 15. Oktober. Der Regierungsrat berät das Geschäft dann in zweiter Lesung – voraussichtlich im November. In Kraft tritt die neue Verordnung Mitte Februar 2016.

Kommen die Surfer auch nach Luzern?

Im Februar 2016 tritt auf Bundesebene eine Änderung des Binnenschifffahrtsgesetzes in Kraft, die das Kite-Surfen auf Gewässern grundsätzlich erlaubt. Weil die Fun-Sportart allerdings auch Nachteile mit sich bringen kann – etwa für Fischer und Segler oder die Vogelpopulation und den Naturschutz – können die Kantone Einschränkungen vornehmen. In Luzern soll deshalb die Verordnung über die Schifffahrt angepasst werden, um das Kite-Surfen auf den luzernischen Gewässern zu regeln. Sie kommt nach den Sommerferien in die Vernehmlassung.

Erfahrungen mit der Trendsportart sammelt derzeit auch Uri. Bisher durften die Kite-Surfer nur in einer Zone zwischen Sisikon und Bauen auf Wasser. In einer Probephase von Februar bis Oktober 2015 können sie nun eine grössere Fläche nutzen. Danach will die Regierung bis Ende Jahr entscheiden, ob das Kite-Surfen auf dem Urnersee liberalisiert, eingeschränkt oder gar verboten werden soll.

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