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GEWERBE: Ein Zuger Musikgeschäft ist Geschichte

Das Ehepaar Röllin hat sein Musikhaus an der Zeughausgasse geschlossen und das denkmalgeschützte Haus verkauft. Obwohl es für beide so stimmt, bleibt Wehmut nicht aus.
Zoe Gwerder
Ruth und Wolfgang Röllin vor ihrem ehemaligen Geschäftslokal in der Stadt Zug.Bild: Stefan Kaiser (9. November 2016)

Ruth und Wolfgang Röllin vor ihrem ehemaligen Geschäftslokal in der Stadt Zug.Bild: Stefan Kaiser (9. November 2016)

Wo sich einst Musiker und Musikschüler die Klinke in die Hand gaben, sind nun die Schaufenster abgedeckt. Das Musikhaus Röllin hat geschlossen. Der grüne Teppichboden, der auch die Eingangstheke und Teile der Wand schmückte – sichtbar durch einige offene Ritzen –, sowie die goldene Fassadenbeschriftung «Pianohaus Röllin» sind die letzten verbleibenden Zeugen der über 70 Jahre, in denen zwei Generationen der Familie Röllin das Musikhaus führten. «Für uns war es nie eine Option, das Geschäft weiterzuverkaufen», sagt Wolfgang Röllin. Nachkommen haben er und seine Frau, Ruth Röllin, keine. «Und in der Region Altstadt sind die Voraussetzungen nicht mehr gegeben, um ein solches Geschäft zu betreiben», so der gelernte Klavierbauer. «Die Altstadt hat an Attraktivität verloren.» Und mit der Schliessung der Post sei auch noch ein grosser Teil der Laufkundschaft verschwunden.

Dies sei für sie jedoch nicht der Grund der Schliessung gewesen. Wie das Ehepaar selber sagt, hat der Verkauf des Hauses einfach schneller geklappt, als dass die beiden gerechnet haben. Das ganze Gebäude gehörte der Familie Röllin. Seit Ende der Siebzigerjahre steht es unter Denkmalschutz. Dies habe den Verkauf erschwert. «Wir wussten deshalb nicht, wie schnell wir es verkaufen können», erklärt die gelernte Kauffrau Ruth Röllin. Sie hätten sich für diesen Verkauf rund fünf Jahre gegeben. So, dass sie spätestens auf die Pensionierung verkauft hätten. Dass es dann bereits nach eineinhalb Jahren einen Käufer gab, kam für die beiden überraschend.

Der Revoluzzer in der Familie

Das schnelle Aus war dann vor allem für Wolfgang Röllin nicht leicht. «Ich habe die Firma mit Herzblut geführt», sagt er. Trotzdem sei es weniger die Aufgabe des Geschäfts, die ihn schmerzt, sondern viel mehr, weil er in der Wohnung oberhalb des Musikhauses und damit auch mit dem Geschäft aufgewachsen war. Sein Vater, ein Akkordeonlehrer, der Ländlermusik liebte, seine Mutter, diplomierte Klavierlehrerin und Klassik-Liebhaberin. Er, der Revoluzzer, welcher sich für Boogie-Woogie und Blues interessierte anstatt für Klassik wie seine drei Schwestern. Mit 25 Jahren übernahm er 1979 das Geschäft von seinem Vater. Seine Eltern wohnten in der Wohnung oberhalb des Geschäftes. In den letzten Jahren ist diese leer gestanden. «Sie diente nur noch dem Mittagessen», sagt Röllin. Der Grund für den Leerstand sei unter anderem der Denkmalschutz gewesen: «Weil die Wohnung nur durch das Musikgeschäft erreichbar war, hätten wir, um diese zu vermieten, einen zweiten Eingang benötigt. Dieser hätte jedoch zu viel Platz in unserem Musikgeschäft weggenommen.»

Gewisse Erleichterung bei der Geschäftsfrau

Ganz anders erlebte seine Frau den Verkauf des Gebäudes. Für sie ist es eher eine Erleichterung: «Gottlob, habe ich gedacht, als es klar wurde, dass wir das Gebäude verkaufen konnten.» Ruth Röllin kam wenige Jahre nach dem Generationenwechsel in den Betrieb und arbeitete seither an der Seite ihres Mannes. «Mein Mann schmiss mich ins kalte Wasser», sagt sie und lacht. Sie habe sich vieles selber erarbeiten müssen. Vor einigen Jahren habe sie gemerkt, dass ihre Freude an der Arbeit im Musikhaus nicht mehr gleich gross war wie auch schon. Insbesondere die Kunden, welche sich beraten liessen, ihre Ware dann online kauften, und mit ihren Problemen dann doch wieder im Musikhaus vorbeikamen, machten ihr Mühe. «Zu dieser Zeit merkte ich, dass es langsam genug ist.» Nun freut sie sich, wieder mehr Zeit zu haben, insbesondere am Abend. «Wir geniessen jetzt den Feierabend», sagt Ruth Röllin. Dieser sei zu Geschäftszeiten jeweils immer sehr kurz gewesen: «Wir waren eigentlich nur zu Hause, um zu schlafen.» Und sie freuen sich, nun wieder mehr Zeit für die gemeinsame Leidenschaft, die Fotografie, zu haben.

Garantien werden weiterhin geleistet

Doch ganz fertig sind die Röllins noch nicht. An der Eingangstür des ehemaligen Ladenlokals an der Zeughausgasse sowie auf der Homepage weisen sie auf ihren Service für ihre Kunden hin: Sie helfen noch weiter bei Garantiefällen, und auch Gutscheine können weiterhin eingelöst werden. «Uns ist es wichtig, dass auch Kunden, die erst noch ein Instrument bei uns gekauft haben, nicht im Stich gelassen werden», sagt Ruth Röllin. Und ihr Mann ergänzt: «Dies werden wir sicher noch die nächsten zwei bis drei Jahre so machen.»

Zoe Gwerder

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