Gleichstellung
Zuger Gemeinden begegnen der Geschlechterdiskussion in ihrer Sprache unterschiedlich

Die Behörden versuchen, auf Formen zu verzichten, bei denen Frauen und andere Geschlechter lediglich mitgedacht werden. Alle Verwaltungen haben Alternativen gefunden.

Fabian Gubser
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Unter den Stellenanzeigen im Zuger Amtsblatt stand kürzlich Folgendes: Die Gemeinde Unterägeri suche ein oder eine «Leiter*in Betreuung 80%» für die schulergänzende Betreuung. Nach gewöhnlicher Leseart soll der sogenannte Gender-Stern zeigen, dass nicht nur männliche, sondern auch weibliche und andere Personen angesprochen werden – auch solche, die sich nicht per se als weiblich oder männlich definieren. Die Gemeinde Menzingen wird demnächst ebenfalls ein Stelleninserat mit dem Gender-Stern publizieren, wie sie auf Anfrage mitteilte. Es scheint, dass das diese Schreibweise nicht nur an Universitäten, sondern auch bei den Behörden populärer wird.

Auch die Gemeinde Menzingen schreibt ihre Stellen mit dem Gender-Sternchen aus.

Auch die Gemeinde Menzingen schreibt ihre Stellen mit dem Gender-Sternchen aus.

Bild: Stefan Kaiser (6. April 2021)

Die Frage, wie die Sprache die Geschlechter abbilden soll, sorgt immer wieder für lebendige Diskussionen. Im Alltag scheinen sich Schreiberinnen und Schreiber vermehrt nicht mehr mit dem sogenannten generischen Maskulinum zufriedenzugeben. Also damit, dass die männliche Form stellvertretend für alle Geschlechter steht. Die Auswahl an alternativen Schreibweisen ist jedoch gross: Dazu gehören Doppelpunkte, Bodenstriche oder sogenannte substantivierte Partizipien: «Leiter:in», «Leiter_in» oder «Leitende». Weil sich bis jetzt noch keine Variante durchgesetzt hat, ist die Verwirrung oft gross.

Empfehlung lautet: Passivsätze

Dieses Thema, die geschlechtergerechte Sprache, beschäftigt auch die Behörden. Eine schriftliche Umfrage zeigt, dass keine Zuger Gemeinde nur noch auf die männliche Form setzt, wenn Frauen und andere Geschlechter angesprochen werden sollen. Verbreitet ist offenbar das Vorgehen «Beide Formen ausschreiben oder eine neutrale Form verwenden». Das entspricht auch dem «Leitfaden zum geschlechtergerechten Formulieren» der Bundeskanzlei, nach dem sich Risch, Cham und Zug richten. Dieser wurde zuletzt 2009 überarbeitet. Als dritte Möglichkeit empfiehlt das 192-seitige Dokument übrigens, Personen gar nicht zu nennen (Beispiel: «Die Vorlage wurde angenommen»). Den Gender-Stern sieht er nicht vor. Allerdings werde der Leitfaden zurzeit überarbeitet, wie die Bundeskanzlei auf Anfrage mitteilt.

Der Gender-Stern scheint auch bei den Zuger Gemeinden die Ausnahme zu sein – eben bei Unterägeri und Menzingen. Viele verzichten explizit auf ihn: so etwa Zug, Baar, Risch und Steinhausen. Eine weitere Variante bevorzugt Neuheim. Dessen Verwaltung orientiere sich am Kanton, der einen Schrägstrich bei Ausschreibungen benütze, um beide Geschlechter abzubilden. Auch Walchwil benutzt diese Variante.

Einige Zuger Gemeinden setzen auf eigene Richtlinien. So gab etwa Unterägeri im vergangenen Monat einen eigenen Leitfaden zur geschlechtergerechten Sprache heraus. Neben dem Gender-Sternchen seien aber auch neutrale Formulierungen wie «Mitarbeitende» möglich. Einen Leitfaden besitzt überdies in Steinhausen. Oberägeri und Neuheim arbeiten zurzeit an eigenen Richtlinien.

Bundesleitfaden ist nur für den Bund verbindlich

Interessant ist, dass sich zwei Gemeinden, die sich auf den Leitfaden des Bundes beziehen, zumindest teilweise widersprechen. Die Gemeinde Risch versuche, generische Maskulina zu vermeiden. Dies, obwohl der Leitfaden des Bundes diese generell als «nicht geschlechtergerecht» bezeichnet. Und bei der Stadt Zug könne bei längeren Texten mit einem Hinweis verdeutlicht werden, dass «die eine Form auch für die andere gilt», wie ein Sprecher auf Anfrage schrieb. Auch solche Generalklauseln bezeichnet der Leitfaden des Bundes, an denen sich die Stadt «grundsätzlich» orientiert, explizit als nicht geschlechtergerecht. Der Leitfaden des Bundes ist allerdings nur für den Bund selber verpflichtend.

Das generische Maskulinum scheint also fast durchgehend durch alternative Formen ersetzt zu werden. Welche Variante sich durchsetzt, ist aber noch völlig offen.