GLENCORE: Umsiedlung für mehr Rohstoffe

Schwere Vorwürfe gegen den Zuger Rohstoffkonzern: Für ein Bergbauprojekt auf den Philippinen sollen 5000 Menschen weichen. Sogar der Bischof von Basel übt Kritik.

Ernst Meier
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Minenarbeiter im Süden der Philippinen: Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore-Xstrata will dort eine neue Mine in Betrieb nehmen. (Bild: Keystone/Pat Roque)

Minenarbeiter im Süden der Philippinen: Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore-Xstrata will dort eine neue Mine in Betrieb nehmen. (Bild: Keystone/Pat Roque)

Wer die Geschichte rund um die neusten Vorwürfe von Nichtregierungsorganisationen (NGO) und der katholischen Kirche an den Baarer Rohstoffkonzern Glencore-Xstrata hört, fühlt sich an die Handlung des US-Spielfilms «Avatar» erinnert. Der Kassenschlager aus dem Jahr 2008 erzählt vom Schicksal eines Eingeborenenstamms auf dem fernen Planeten Pandora. Weil die Menschen von der Erde es auf ihre Bodenschätze abgesehen haben, sollen sie ihren Lebensraum, wo sie im Einklang mit der Natur leben, verlassen.

Pandora liegt in diesem Fall auf den Philippinen, genauer lokalisiert in Tampakan im Süden der Inselgruppe Mindanao. Die grösste Stadt der Region, General Santos City, befindet sich 50 Kilometer entfernt, an der Südküste. Die indigenen Gemeinschaften des B’laan-Volks leben in den Bergen von Tampakan. Just auf dem Land, wo nun ein Bergbauprojekt geplant ist.

Das Unternehmen Sagittarius Mines Inc. (SMI), eine Tochtergesellschaft von Glencore-Xstrata, will in Tampakan die grösste Kupfer-Gold-Mine Asiens erschliessen. Wird das 5,9 Milliarden Dollar teure Projekt bis ins Jahr 2019 realisiert, müssten die 5000 Angehörigen der indigenen Bevölkerung umgesiedelt werden. Das behauptet eine von den NGOs in Auftrag gegebene Studie des Instituts für Frieden und Entwicklung (INEF) der Universität Duisburg-Essen. Diese wurde gestern in Zürich vorgestellt. Neben Vertretern der Hilfswerke Fastenopfer, Brot für alle und Misereor (Deutschland) sprach auch der philippinische Priester Joy Pelino. Er vertritt die örtlichen Diözesen, die sich für die Interessen der betroffenen Menschen einsetzen.

Kritik des Bischofs

Gegen das geplante Tampakan-Projekt wehrt sich auch der Bischof von Basler Felix Gmür. Der designierte Präsident des Fastenopfer-Stiftungsrats bereiste die Philippinen, um sich selber ein Bild von der Situation zu machen. Wie er gegenüber unserer Zeitung erklärte, war Gmür zwar nicht in der vom Bergbauprojekt betroffenen Region. «Ich konnte auf den Philippinen aber mit eigenen Augen sehen, wie die Würde und Rechte der Menschen mit Füssen getreten werden», sagte Bischof Gmür. «Aus christlicher Perspektive darf das Streben nach Profit nicht über den Grundrechten der Bevölkerung stehen. Auch Firmen mit Sitz in unserer Diözese würden Verantwortung für die Einhaltung der Rechte jener Menschen, die weit weg sind von uns und die von den Tätigkeiten dieser Firmen oder deren Tochterunternehmen betroffen sind», sagte er. Damit sprach Felix Gmür Glencore-Xstrata in Baar direkt an. Diese ist via australische Tochter Xstrata Copper mit 62,5 Prozent an der philippinischen SMI beteiligt.

Mine soll 17 Jahre genutzt werden

Die Mine Tampaka birgt laut der INEF-Studie geschätzte Vorkommen von jährlich 360 000 Unzen Gold und 375 000 Tonnen Kupfer, die während 17 Jahren abgebaut werden sollen. Mit einem projektierten Abbaugebiet von 27 000 Hektaren wäre sie eine der weltweit grössten ihrer Art. «Es gibt eine wachsende Kluft in der Bevölkerung zwischen Befürwortern und Gegnern der Mine», sagte Pater Joy Pelino. Es sei auch schon zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Toten gekommen. Pelino befürchtet, dass die philippinische Bevölkerung nur minim von den Einnahmen durch den Bergbau profitiert.

«Während weite Teile der heute intakten Umwelt zerstört werden und die Wasserversorgung der Region leidet», wie er sagte. Die INEF-Studie kommt laut Daniel Hostetter von Fastenopfer zum Schluss: «Heute scheint die Durchführung des Minenprojekts ohne gravierende Auswirkungen auf die Menschenrechte nicht möglich zu sein.»

Minenfirma wehrt sich

Die heftig kritisierte Minenfirma SMI wehrte sich gestern mit einer zweiseitigen Medienmitteilung gegen die Studienresultate sowie gegen die vorgebrachten Anschuldigungen. «Unser Standpunkt wird weder im Detail dargestellt noch wird bezüglich der erhobenen Vorwürfe Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben», heisst es. SMI verweist auf seine Anwendung der «Freiwilligen Grundsätze zu Sicherheit und Menschenrechte». Gewalt habe es in der Region unter anderem wegen Rivalitäten, religiösen und politischen Aufständen sowie terroristischen Gruppierungen schon immer gegeben. Das Minenprojekt Tampakan trage daran keine Schuld. Für den Fortgang des Projekts zeigt sich SMI «diskussionsbereit», wie es heisst.