Glencore und Xstrata vor Milliardenfusion

Der Baarer Rohstoffkonzern Glencore und der Zuger Bergbauriese Xstrata führen Gespräche über einen allfälligen Zusammenschluss. Damit könnte es in der Rohstoffbranche zu einer Milliardenfusion kommen.

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Der Sitz von Glencore, dem weltgrössten Rohstoffhändler, in Baar. (Bild: Stefan Kaiser/Neue ZZ)

Der Sitz von Glencore, dem weltgrössten Rohstoffhändler, in Baar. (Bild: Stefan Kaiser/Neue ZZ)

Xstrata bestätigte am Donnerstag Gespräche über einen Zusammenschluss durch einen Aktientausch, mit der ein rund 60 Mrd. Euro schwerer Konzern entstehen würde. «Wir haben schon immer geglaubt, dass diese beiden Unternehmen zusammengehören», sagte auch Glencore-Chef Ivan Glasenberg auf einer Konferenz in Moskau, lehnte weitere Kommentare aber ab.

Ob Glencore tatsächlich ein Angebot für Xstrata machen werde, sei aber noch ungewiss, schreibt Xstrata. Der Bergbauriese gehört bereits zu rund einem Drittel Glencore. Die Fusion solle jedenfalls ein Zusammenschluss auf Augenhöhe sein. Das bedeutet, dass die Übernahme freundlich und ohne grossen Aufschlag auf den Unternehmenswert geschehen soll, hiess es weiter.

Wiedervereinigung nach zwei Jahrzehnten

Mit einem Zusammenschluss würden zwei Gesellschaften wieder zusammengeführt, die vor einem Jahrzehnt aufgespalten worden waren. Xstrata hatte damals Minen von Glencore in Australien und Südafrika für mehr als zwei Milliarden Dollar gekauft und war dann an die Börse gegangen.

Doch auch heute sind die beiden Unternehmen mit Firmensitz in der Schweiz noch recht eng miteinander verzahnt. Eine Fusion könnte aus Sicht von Analysten Einsparungen von bis zu 700 Mio. US-Dollar bringen.

Spekulationen über einen Zusammenschluss der beiden Konzerne gibt es schon länger, vor allem seit dem Börsengang von Glencore im vergangenen Mai. Das Unternehmen, damals seit fast vier Jahrzehnten in Privatbesitz, hatte den Schritt mit besseren Zukaufsmöglichkeiten begründet.

Die Möglichkeit einer Fusion hatten auch schon die Chefs der beiden Konzern ins Gespräch gebracht: Ein Zusammenschluss würde Mehrwert schaffen, sagte etwa Glencore-Chef Ivan Glasenberg. Und Xstrata-Chef Mick Davis hatte die Aussicht, dass beide Konzerne unabhängig bleiben würden, als «unhaltbar» bezeichnet.

Bisher Expansion in kleinem Stil

Glencore handelt als weltgrösster Rohstoffhändler mit Rohstoffen aller Art - von Metallen wie Kupfer, Nickel oder Aluminium über Rohöl und Kohle bis hin zu Agrargütern wie Weizen, Mais und Reis. Erklärtes Ziel des Konzerns ist es, verstärkt in Abbau und Produktion der Rohstoffe zu investieren und damit die Wertschöpfungskette nach unten zu erweitern.

Bisher gelang die Expansion nur in kleinem Stil: Der Konzern erhöhte seinen Anteil an dem australischen Nickelproduzenten Minara und hat den südafrikanischen Kohleförderer Optimum ins Visier genommen. Von dem kasachischen Metallproduzenten ENRC liess er die Finger.

Börse reagiert positiv

Würde Glencore alle restlichen Xstrata-Aktien zum aktuellen Marktpreis kaufen, müsste der Konzern mehr als 25 Mrd. Euro hinlegen. Es wäre damit die grösste Transaktion in der Branche, seit Rio Tinto den Aluminiumproduzenten Alcan im Jahr 2007 kaufte.

Am Finanzmarkt war die Reaktion ausgesprochen positiv: Die in der Schweiz und Grossbritannien kotierten Xstrata-Aktien legten um fast elf Prozent zu. Die Glencore-Titel stiegen derweil um über sechs Prozent.

sda