Glockengeläut hält Gemeindepräsident auf Trab

In Oberägeri führen sich Zuzüger durch eine Glocke gestört. Deren Besitzer ist gesprächsbereit, hat aber eine Forderung.

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Josef und Klara Wyss besitzen ein Haus mit eigenem Glockenspiel. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Josef und Klara Wyss besitzen ein Haus mit eigenem Glockenspiel. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Josef Wyss und seine Frau Klara verstehen die Welt nicht mehr. Das Glockengeläut der an der Fassade ihres Wohnhauses angebrachten Uhr stört die Nachtruhe eines neu zugezogenen Nachbars aus dem angelsächsischen Raum massiv. Das Ehepaar hat durch einen Brief davon erfahren, den ihm die Gemeinde im September geschickt hat. Die Mieter vom Haus nebenan kennt Wyss nicht. Umso mehr weiss er über seine Uhr zu erzählen.

Sie sei 1938 am Haus im Gebiet Hagen oberhalb von Oberägeri angebracht worden. Dem damaligen Eigentümer der Liegenschaft gehörte in dieser Zeit die heute noch bestehende Andelfinger Turmuhrfabrik. Seither zeigt sie stündlich vier Mal die Zeit im Bild und akustisch an. Fast ohne Unterbruch und bisher klaglos. Dies, obwohl rund um die von Wyss vor mehr als fünfzig Jahren gekaufte Liegenschaft in den vergangenen Jahren zahlreiche mondäne Villen hochgezogen wurden und immer noch werden.

Das keineswegs laute Geläut des «Hagenglögglis» ist in Oberägeri schon zur Chefsache geworden. Der Gemeindepräsident Pius Meier hat schon verschiedene Gespräche in der Sache geführt: «Ich fände es schade, wenn das Glöckchen verstummen müsste», sagt Meier.

An die Adresse der reklamierenden Familie gerichtet, sagt Meier: «Wir sind gegenüber Neuzuzügern offen, sie sollen aber nicht alles über den Haufen werfen.» Er schlägt deshalb einen runden Tisch vor, zu dem alle Beteiligten geladen werden sollen. Josef Wyss begrüsst Meiers Initiative und will sich fristgerecht bei der Gemeinde melden: «Ich kämpfe für unsere Uhr. Ich gebe dabei nicht so schnell auf.»

Marco Morosoli

Den ausführlichen Artikel zu diesem Thema finden Sie in der Zuger Ausgabe der «Zentralschweiz am Sonntag» vom 20. November.