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GOLF: Golfprofi Fabienne In-Albon: «Der Sport hat mir viel gegeben»

Ihre ersten Schwünge machte sie auf dem Golfplatz Holzhäusern. Nach sechs Jahren auf der Profitour hat Fabienne In-Albon (31) nun ihre Karriere beendet. Diese war von vielen Höhepunkten, aber auch einigen Tiefpunkten geprägt.
Fabienne In-Albon geniesst die Winterlandschaft auf dem Raten, an ihrem Kraftort. (Bild: Stefan Kaiser (17. November 2017))

Fabienne In-Albon geniesst die Winterlandschaft auf dem Raten, an ihrem Kraftort. (Bild: Stefan Kaiser (17. November 2017))

Fabienne In-Albon, wer hat Ihre Faszination für den Golfsport entfacht?

Das war mein Vater Bruno. Er hat meine Mutter Anne-Marie, meinen Bruder Yves und mich dazu animiert, mit dem Golfsport anzufangen. Schlussendlich war es mein Bruder, der mich inspiriert hat weiterzumachen, obwohl mein Talent lange verborgen geblieben ist. Damals war meine eigentliche Motivation, unbedingt besser zu sein als er.

Was lieben Sie am Golfsport?

Es ist das Zusammenspiel des technischen, physischen und psychischen Aspekts, welcher diesen Sport für mich so interessant und abwechslungsreich macht. Während einer Runde Golf erlebt man viele Emotionen und durchläuft Hochs und Tiefs. Diese Extreme liegen nahe beieinander. So bedeutet ein guter Schlag noch längst nicht, dass man gewonnen, ein schlechter Schlag aber ebenso wenig, dass man den Sieg vergeben hat.

Welche Emotionen verbinden Sie mit dem Raten?

Ich bin in Oberägeri aufgewachsen und liebe es in der Natur und vor allem in den Bergen zu sein. Auf dem Raten verbrachte ich daher, sei es zu Fuss oder mit dem Bike, viel Zeit. Im Winter geniesse ich die schöne Winterlandschaft. Ich liebe den Schnee und das Skifahren und bin auch Mitglied im Skiclub St. Jost Oberägeri. In der Vergangenheit waren die Skitage leider oft auf ein Minimum reduziert, nun will ich mir nach der Karriere wieder mehr Zeit dafür nehmen.

Haben Sie ein Vorbild?

Ich denke, dass jeder Mensch und Athlet anders ist und man nie versuchen sollte, jemanden zu kopieren oder sich mit jemandem direkt zu vergleichen. Es gab immer Athleten, welche mich inspiriert haben, beispielsweise im Golfsport Suzann Pettersen und Luke Donald. Schweizer Athleten wie Roger Federer und Dominique Gisin inspirierten und motivierten mich auch.

Hatten Sie auf der Tour einen «Lieblingsschlag» und einen «Hassschlag»?

Mein Lieblingsschlag hat sich laufend verändert – zuletzt mochte ich sicherlich den Greenbunkerschlag. Mühe bekundete ich oft mit den Bunkerschlägen aus 20 bis 40 Metern Entfernung.

Welche Momente werden Ihnen als Höhen und Tiefen der Karriere in Erinnerung bleiben?

Die grössten Highlights waren sicherlich der Turniersieg auf der Ladies European Tour (LET) ­Access Tour sowie der zweite und achte Rang auf der LET in Indien und Südafrika. Meinen absoluten Kindheitsraum konnte ich mir mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio verwirklichen. Tiefen gab es leider auch oft. Diese zeigten sich vor allem in Form von Verletzungen mit unter anderem drei Bandscheibenvorfällen. Letztes Jahr setzte mir eine hartnäckige Borreliose-Erkrankung zu.

Was hat Sie zum Schritt bewogen, zurückzutreten?

Es war ein langer Prozess, und es gab viele Gründe, die zu diesem kapitalen Entscheid führten. Ich hatte in meiner Karriere viele Rückschläge zu verkraften, die mich gleichzeitig auch stärker ­gemacht haben – als Athlet wie auch als Mensch. Die Borreliose-­Erkrankung im letzten Jahr war wohl leider ein Rückschlag zu viel. Ich erwarte von mir immer, auf höchstem Niveau Golf zu spielen, und das braucht viel Kraft und Energie, die mir jetzt fehlt. Hinzu kommt, dass die LET grosse Probleme hat, was bedeutet, dass ich mich im nächsten Jahr wohl in den USA für die LPGA Tour hätte qualifizieren müssen. Ein Weg, der mich zwar reizte, aber bedeutet hätte, wieder ganz unten anzufangen, was Kraft erfordert, die ich nicht mehr habe. Somit ist dieser Entscheid gereift.

Was werden Sie von der Tour vermissen, was nicht?

Ich werde einiges vermissen. Die Menschen, mit denen ich jede Woche unterwegs war, jede Woche an einem anderen Ort und auf den besten Plätzen der Welt zu spielen und in diesem Umfeld auf höchstem Niveau zu performen. Auch werde ich die Emotionen vermissen, die der Sport freigesetzt hat. Gefühle, Eindrücke und Erfahrungen, die ich nicht in Worte fassen kann. Nicht vermissen werde ich das ständige Reisen. Ohne die unzähligen Stunden in den Flugzeugen und die Verspätungen kann ich gut leben.

Was nehmen Sie aus Ihrer Karriere mit?

Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke. Der Sport hat mir so viel gegeben und ist für mich immer noch eine der besten Lebensschulen, die man sich wünschen kann. Die Jahre auf der Tour haben mich als Mensch gestärkt. Ich will keine Stunde davon missen und bin stolz auf das, was ich erreichen und erleben durfte.

Waren Sie immer allein unterwegs oder im Team?

Leider ist es uns finanziell nicht möglich gewesen, mit dem ganzen Team an die Turniere zu reisen, deshalb war ich stets allein unterwegs, was gerade in Zeiten von Erfolgen oder Niederlagen sehr einsam gewesen ist. Ich hatte immer ein unterstützendes Team, auf das ich stets zählen konnte. Das Zimmer habe ich jeweils mit anderen Spielerinnen geteilt, einerseits um Kosten zu senken, aber auch um neben dem Golfplatz Kolleginnen zu haben. Ohne mein Team, meine Sponsoren, meine Freunde und meine Familie hätte ich diese unglaubliche Zeit nie erleben können, und dafür bin ich ihnen sehr dankbar.

Wissen Sie schon, wie Ihr Leben nach der Karriere aussehen wird?

Konkret nicht, aber ich kann es mir gut vorstellen, meine Erfahrungen an junge, aufstrebende Sportlerinnen und Sportler weiterzugeben. Das wird sicherlich im Golfsport beginnen, kann ­danach jedoch auch andere Sportarten betreffen, denn in Kombination mit meinem abgeschlossenen Studium in Sport-Management bin ich überzeugt, dass ich vielen jungen Athleten auf ihrem Weg an die Spitze helfen könnte. Zudem würde ich auch gerne Referate und Workshops für Firmen, Vereine und Clubs anbieten.

Interview: Nils Rogenmoser

redaktion@zugerzeitung.ch

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