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GOLF: «Man wird süchtig nach dieser Nervosität»

Fabienne In-Albon (29) aus Oberägeri hat die Olympischen Spiele mit gemischten Gefühlen beendet. Sportlich enttäuschte sie als 57. von 59 Klassierten. Aber sie genoss die Zeit auch getreu dem Motto «Dabei sein ist alles». Im Interview spricht sie über ihr Abschneiden, die unappetitliche Platzierung der Kondomautomaten im Athletendorf und ihre Pläne.
Christoph Merki, Rio De Janeiro
Auf dem olympischen Green hat Fabienne In-Albon schwach abgeschnitten. «Die Enttäuschung ist gross», sagt sie. (Bild Kevin Lamarque/EQ Images)

Auf dem olympischen Green hat Fabienne In-Albon schwach abgeschnitten. «Die Enttäuschung ist gross», sagt sie. (Bild Kevin Lamarque/EQ Images)

Christoph Merki, Rio de Janeiro

Fabienne In-Albon, konnten Sie Ihre sportlichen Erwartungen erfüllen?

In-Albon: Ich bin gar nicht zufrieden, die Enttäuschung ist noch sehr gross. Obschon vieles passte, die körperliche und mentale Verfassung wie auch die technische Umsetzung auf dem Platz gut war, konnte ich die erhoffte Leistung nicht zeigen. Ich bin nicht zufrieden mit dem, was ich in dieser Woche gezeigt habe.

Welches Ziel hatten Sie sich gesetzt?

In-Albon: Ich wollte in allen vier Runden meine Bestleistung abrufen, und das mit Freude und Lockerheit. Die Freude war da, die Lockerheit hat nur am zweiten Tag ein wenig gelitten. Jedoch kann ich sagen, dass ich vor allem im mentalen Bereich meine Ziele erreicht habe. Diese stimmen nur noch nicht ganz mit meiner Leistung überein.

Emotionen gehören zum Sport und viel mehr noch zu den Spielen immer dazu, fühlten Sie das olympische Fieber?

In-Albon: Definitiv, ich weiss jetzt, was die Sportler meinen, wenn sie vom «Olympischen Spirit» sprechen. Ich kann mich noch gut an den ersten Abschlag am ersten Tag erinnern. Da habe ich mir fast in die Hosen gemacht, so nervös war ich. Ich hab nur gedacht, hoffentlich treffe ich den Ball. Auch das Platzieren des Balles auf dem Tee war eine Herausforderung, so wie ich gezittert habe. Aber das ist genau diese Nervosität, die ich brauche, um meine Bestleistung abrufen zu können. Man wird fast ein wenig süchtig danach. Das Gefühl vom ersten Abschlag am ersten Tag würde ich gerne wieder einmal erleben.

Nach 112 Jahren war Golf wieder olympisch – zu Recht?

In-Albon: Ich bin der Meinung, dass der Golfsport definitiv an die Olympischen Spiele gehört, und es ist schön, dass wir das nun endlich zeigen konnten. Für mich ist mit dieser Teilnahme ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Ich hatte in den letzten Wochen Dauer-Hühnerhaut. Schon mit der Schweizer Delegation an der Eröffnungsfeier ins Stadion einzulaufen mit dem Schweizer Kreuz auf der Brust, erfüllte mich mit Stolz und Ehre, einfach ein ganz speziell schönes Erlebnis. Das gilt auch für die Schlussfeier.

Mit Ihrer direkten, fröhlichen Art passen Sie eigentlich gar nicht zum versnobten Bild, das viele vom Golfsport haben.

In-Albon: Es ist schon so, dass dem Golfsport noch immer ein etwas elitäres Image anhaftet. Umso wichtiger ist es, dass wir hinausgehen und den Sport der Öffentlichkeit präsentieren. Viele wissen nämlich gar nicht, dass wir während einer Runde bis zu fünf Stunden ausschliesslich laufen, auch die anderen Athleten nicht. Die haben wirklich das Gefühl, wir würden mit dem Golfwagen herumfahren. Ich hoffe, dass dieses Vorurteil durch die Olympischen Spiele korrigiert werden kann.

Nach Ihrem Wettkampf durften Sie Golfbälle signieren und für unzählige Selfies hinhalten. Sind Sie nun ein Star?

In-Albon: Ein Star nicht, aber es ist wahnsinnig schön zu sehen, wie die Leute die Atmosphäre und den Kontakt zu den Athleten geniessen. Wenn ich jemandem den Ball signiere oder meinen Handschuh schenke, laufen sie mit einem Strahlen davon. Das gibt mir ein gutes Gefühl und hilft mir auch bei der Verarbeitung dieses nicht so guten Resultates.

Ist Ihre Familie auch nach Brasilien gereist?

In-Albon: Nein, meine Familie war in der Schweiz am Mitfiebern. Mein Vater hätte sowieso nicht zusehen können, der wäre viel zu nervös gewesen. Ich weiss aber, dass sie zu Hause nicht nur einen Daumen für mich gedrückt haben, sondern alles, was möglich war. Meine Eltern und mein Bruder, aber auch Freunde und Verwandte fiebern immer extrem mit.

Sie haben während der Zeit in Rio im Athletendorf gewohnt, wie war es?

In-Albon: Es war eine extrem coole Zeit im Village. Auch Topsportler nehmen dich als Mensch wahr. Die Atmosphäre war sehr kollegial und freundschaftlich. Schon am ersten Tag beim Frühstück diskutierte ich mit Michael Phelps darüber, warum es nun um diese frühe Uhrzeit kein Rührei mehr gibt (lacht). So etwas ist völlig normal. Auch als mich der britische Topgolfer Justin Rose als Golferin erkannte, wünschte er mir einen erfolgreichen Tag. Auch mit Fabian Cancellara habe ich während einer Liftfahrt plaudern können.

Apropos Begegnungen, die Kondomautomaten seien im Athletendorf sehr beliebt.

In-Albon: Diese Automaten stehen mitten im Essraum, also nicht sehr diskret platziert. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Kondome auch von Athleten aus ärmeren Ländern mit nach Hause genommen werden – aber klar, einige wurden sicherlich auch gebraucht. Ich habe im Vorfeld schon sehr viele Storys von den Spielen in London gehört. So offensichtlich, wie erzählt wird, wird es natürlich nicht gehandhabt. Aber man merkt schon, dass der Hormonspiegel einiger Athleten sehr hoch ist, um das mal diskret zu formulieren.

Im Vorfeld der Olympischen Spiele gab es negative Berichterstattungen über Rio de Janeiro, haben sich diese bewahrheitet?

In-Albon: Ich habe diese Meldungen natürlich gelesen. Aber ich hab mir gesagt: Ich kann an die Olympischen Spiele, alles andere ist mir egal. Als ich in Rio ankam, war ich positiv überrascht, ich habe es mir viel schlimmer vorgestellt. Bis jetzt habe ich zum Beispiel noch keine Mücke gesehen. Vielmals sind es Kleinigkeiten, die nicht funktionieren, wie der Lift. Dann wird halt die Treppe genommen, wir sind ja alle Sportler. Ich habe auf der Golftour schon in schlimmeren Hotels übernachtet als im olympischen Dorf.

Gab es noch mehr Kleinigkeiten, die nicht funktionierten?

In-Albon: Ich habe drei Tage lang und ungefähr drei Stunden in der Waschküche des olympischen Dorfes meine Wäsche unter Hunderten von Wäschesäcken gesucht – am Schluss erfolgreich. Dieses Problem wäre wohl in der Schweiz nicht passiert. Aber solange dies die einzigen Probleme sind, ist es ja nicht so schlimm.

Wird sich die Teilnahme an den Olympischen Spielen auch auf Ihre Sponsoren auswirken?

In-Albon: Es wird sich zeigen, wie es weitergeht. Wir Golferinnen können in Europa von den Preisgeldern fast nicht leben, darum sind wir auf Sponsoren angewiesen. Daher hoffe ich, dass sich durch meine Olympiateilnahme der eine oder andere fruchtbare Kontakt ergibt. Darüber hinaus schulde ich meiner Familie und meinem Team Dank, die mich unterstützen.

Nehmen Sie Souvenirs aus Rio nach Hause?

In-Albon: Ich werde sicherlich ein «Bib», einen Überzieher für meinen Caddy, mit meinem Namen drauf mitnehmen. Meine Schweizer Fahne nehme ich natürlich wieder mit nach Hause. Diese hängt in meinem Zimmer, seit bekannt wurde, dass Golf olympisch wird, jetzt war sie auch im Athletendorf dabei. «Rio 16 – Dream it, believe it, dot it, I will» ist draufgedruckt. Sehr viele Erinnerungen und Momente sind aber auch in meinem Kopf und meinem Herzen gespeichert.

Machen Sie nun Ferien?

In-Albon: Ich fliege am Montag (gestern) nach Hause und werde dort direkt wieder mit dem Training anfangen. In zwei Wochen steht schon das nächste Turnier der Ladies European Tour in Düsseldorf an.

Sie sind 29 Jahre alt. Ist die Familienplanung ein Thema?

In-Albon: Ich bin momentan noch nicht in der Phase meiner Familienplanung. Aber für mich ist ganz klar, es gibt ein Leben nach dem Sport. Ich würde sehr gerne eine Familie gründen. Ich habe auch ein Studium in Australien abgeschlossen, einen Bachelor in Sportmanagement. Ich freue mich auf diese Zeit nach dem Sport, doch im Moment geniesse ich das Leben, das ich jetzt habe. In vier bis fünf Jahren kann man diese Frage vielleicht nochmals stellen, nach den Olympischen Spielen in Tokio.

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