Leserbrief

Gourmettempel offen – Gottestempel geschlossen

Zu den Lockerungen des Bundes

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Der Bundesrat hat sich für eine schnelle Lockerung des Lockdown entschieden. In vielen Bereichen kommt wieder Leben auf, auch in den Gaststätten beziehungsweise in den Gourmettempeln, was ja zu begrüssen ist.

Doch stimmt es mich traurig, dass man nicht gewillt war gleichzeitig auch eine Lösung für die Öffnung der Kirchen zu erreichen. Hier kann ich nur die Behörden unseres Nachbarlandes Österreich loben, die am selben Tag die Restaurants und die Gotteshäuser wieder freigegeben haben. Natürlich unter Einhaltung der bekannten Sicherheitsvorschriften. Ist ein Gourmettempel wichtiger als ein Gottestempel? Viele gläubige Christen haben während der letzten ausserordentlich schwierigen Wochen für unsere Heimat und unsere Entscheidungsträger täglich gebetet. Und so wurde die Schweiz einmal mehr von den allerschlimmsten Szenarien bewahrt und kann frühzeitig langsam zurück zu einer gewissen (Teil-)Normalität zurückkehren, was in manchen europäischen Ländern zurzeit noch nicht der Fall ist. Über 75 Prozent der Schweizer Bevölkerung hat einen direkten beziehungsweise indirekten Bezug zum christlichen Glauben. Sie besuchen besonders an Festlichkeiten wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten die Gotteshäuser.

Vielen Lesern ist es nicht bewusst, wie viele Kirchgemeinden während der letzten Wochen aktiv mitgewirkt haben, Menschen wurden begleitet, Essen selbst gekocht und verteilt. Die Gläubigen mussten bereits auf die Osterfeier verzichten, und es wäre ein Zeichen des Dankes und des Segens für die geprüfte Schweiz, wenn die Kirchen spätestens für die Pfingstfeier wieder für alle zugänglich wären, klar unter strikter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften.

Fazit: Wenn ein Restaurant mit 30 Tischen à je zwei Gäste (60 Gäste) aufnehmen kann, kann sicher auch eine Kirche mit 30 langen Bänken mit je zwei Besuchern ebenfalls öffnen und endlich wieder einen Gottesdienst in Gemeinschaft feiern.

Dies bringt Segen und nicht nur einen gefüllten Bauch. Ich erwarte diesbezüglich einen mutigen Entscheid unseres Bundesrats so, dass viele Menschen an Pfingsten auch in den Kirchen dem Allmächtigen danken können für all das, was wir unbewusst während dieser ausserordentlichen und unvergesslichen Zeit erhalten haben.

Ernst Merz, Unterägeri