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Grenzerfahrung

Seitenblick
Cornelia Bisch

Ich bin Velofahrerin. Ohne Ambitionen,einfach nur eine simple Von-A-nach-B-Fahrerin. Mein Rad ist Transportmittel, Lastesel und – ja, doch auch – Mittel zum Erhalt minimaler Beweglichkeit.

Nun staune ich immer wieder über die eigene Dummheit, die mich Jahr für Jahr dieselben schmerzhaften Grenzerfahrungen mit der kalten Jahreszeit machen lässt, ohne dass ich im Stande wäre, je daraus zu lernen. Der schlechten Wetterprognose zum Trotz beschloss ich also letzte Woche, den Drahtesel auszuführen. Das bisschen Regen!

«Das bisschen» traf für den frühen Morgen durchaus zu. Allerdings mutierte es im Verlauf des Tages zu einem veritablen Orkan. Wir haben ja noch Weihnachtsessen in der wohlig warmen Pizzeria, tröstete ich mich, danach wird’s sicher besser sein, denn auch ich gebe mich gerne haltlosen Illusionen hin.

Es wurde nicht besser. Ich stülpte über, was an Schutzkleidung vorhanden war, versuchte meine Weihnachtseinkäufe einigermassen abzudecken (Sorry, liebe Patenkinder, Lego- und Schoggikartons haben leider ein bisschen was abbekommen!) und trat los.

Diese Fahrt, das gebe ich unumwunden zu, toppte alles, was mir bislang widerfahren ist. Der himmlische Guss prasselte in drei verschiedenen Aggregatszuständen gnadenlos auf mich nieder: Platzregen in Zug, Graupel im Herrenwald und schwerer, triefender Schmierseifenmatsch im Freiamt. Die schiere Niederschlagsmenge liess auf der gesamten Strecke knietiefe Wannen entstehen, in denen mein tapferes Velo mehrmals fast stecken blieb.

Erstaunlicherweise hielt die Garderobe dicht, mit Ausnahme eines Stiefels, der gänzlich unverschuldet einer Pfütze zum Opfer fiel und die eisige Brühe von oben zugeführt bekam. Allerdings bedenke man, dass die Kosten für ebendiese Schutzkleidung mit den Jahren jenen für einen gebrauchten Kleinwagen gleichkommen, womit, wie ich wehmütig sinniere, es sich in diesem Falle wesentlich bequemer hätte reisen lassen.

Den Gipfel des Hohns bildete der nächste Morgen, an dem – ätsch! – strahlender Sonnenschein eine Welt erleuchtete, die kaum im Stande schien, auch nur ein Wässerchen zu trüben. Und natürlich bestand an diesem Tag nicht die geringste Notwendigkeit, per Velo, oder wie auch immer, irgendwohin zu reisen.

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

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