GRETH-SCHELL-UMZUG: Leckereien für die Zuger Schreihälse

Laute Rufe, Kinderhände, die sich in den Himmel recken - am Umzug der Greth Schell können alle etwas Leckeres ergattern. Das weiss man auch in den USA.

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Greth Schell in Zug: Hier geben die Lölis den Ton an. (Bild Dominik Hodel/Neue LZ)

Greth Schell in Zug: Hier geben die Lölis den Ton an. (Bild Dominik Hodel/Neue LZ)

Eine grosse Schar verkleideter Kinder, viele in Begleitung ihrer Eltern, warteten gespannt vor dem Casino Zug, als pünktlich um vier Uhr die Zunftmusik der Schreiner, Drechsler und Küfer den Umzug der Greth Schell eröffnete. Die Kinder begrüssten Greth Schell und ihre Begleiter, die sieben Lölis, mit ohrenbetäubendem Lärm. Die lautesten unter den erwartungsvollen Kindern ergatterten so die eine oder andere leckere Zwischenverpflegung. Die Lölis sorgten dafür, dass sich Greth Schell sicher fühlen konnte, und züchtigten freche Mäuler mit den gefürchteten «Saublotere».

«Brauchtum pflegen»
Unter den Besuchern befand sich auch Peter Gamma aus Hünenberg, der sich zusammen mit seiner Tochter Leana durch die Masse kämpfte. «Brauchtum wie dieses muss gepflegt werden, und da ich jeweils am Fasnachtsmontag frei habe, richte ich es mir gerne ein, bei diesem Anlass dabei zu sein», so Gamma.

Vom Casino her bewegte sich die Menschenansammlung im Schritttempo durch die Unteraltstadt, angeführt von der Zunftmusik. Beim Brunnen der Greth Schell schliesslich hatten die Begleitenden der Hauptperson alle Hände voll zu tun und mussten sich immer wieder mit neuen Leckereien eindecken. Dabei wurden die Lölis tatkräftig von den mitschlendernden Mitgliedern der Zunft unterstützt.

Der Zuger Cabrietist Osy Zimmermann begleitete seinen Göttibueb in die Unteraltstadt und schien selber begeistert von diesem Anlass. Da er in der Zuger Altstadt wohne, sei es für ihn auch sehr naheliegend, dass er sich am Umzug als Zuschauer beteilige.

Frau Schell kommt auf Besuch
Wie schon vergangenes Jahr durfte die Zunft auch heuer wieder einen ganz besonderen Gast willkommen heissen. Die ursprünglich aus Dallas stammende Joanne Schell, die seit fünf Jahren in München wohnt, hat - wie es ihr Name schon erahnen lässt - eine besondere Beziehung zu Greth Schell. Es war ihr Ururgrossvater, Kaspar Schell, ein Tischler in Zugs Altstadt und von 1880 bis 1885 Obmann der Schreinerzunft, der die Verbindung zu dieser Geschichte herstellt. Erst letztes Jahr habe sie entdeckt, dass ihre Wurzeln nach Zug reichten und dass ihr Familienname hier nicht unbekannt sei, erklärt sie. Thomas Glauser, Archivar der Katholischen Kirchgemeinde Zug, war es, der sich darum bemüht hat, dass Joanne Schell überhaupt erst von ihrer Vergangenheit erfahren hat. «Es ist ein wunderbares Gefühl, heute hier zu sein», sagt Schell und fügt hinzu, «wenn ich es mir irgendwie einrichten kann, werde ich nächstes Jahr wieder kommen. Zug ist ein entzückendes Städtchen.» Die Zunftmitglieder schienen sichtlich stolz darüber, solch geschichtsträchtigen Besuch empfangen zu dürfen.

Zum Schluss wurde der Umzug vor dem Zytturm von der Zuger Gugge Figorowa empfangen, bevor er sich gegen halb sechs Uhr auflöste. Ein letztes «Grethschällebei!» verklang in der Zuger Altstadt für dieses Jahr.

Remo Hegglin